Eon-Revolution
Anleger feiern den neuen Eon-Konzern

Eon spaltet sich auf, in eine Gesellschaft mit zukunftsträchtigen Energien und eine mit den Sorgenkindern von gestern. Die Anleger freuen sich, obwohl sie auch künftig Aktien beider Gesellschaften im Depot haben sollen.
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DüsseldorfEon zerschlägt sich selbst – und die Aktionäre freuen sich. Schon kurz nach Eröffnung des Börsenhandels lag die Aktie des Energiekonzerns knapp fünf Prozent im Plus. Dabei sah es vorbörslich noch so aus, als gäbe es eine Verkaufsbewegung, denn die Papiere notierten mehr als drei Prozent im Minus. Viele Aktionäre scheinen den Komplettumbau des Energiekonzerns aber doch als Chance zu sehen.

Was Eon am Sonntag nach der Aufsichtsratssitzung bekannt gab, ist nicht weniger als eine Revolution. Der Energiekonzern will sich auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren und seine Kohle- und Gaswerke abspalten – und das schon 2016. Damit gibt Eon den Großteil seines bisherigen Geschäftsmodells auf. Die Sparten werden allerdings nicht etwa an die Konkurrenz verkauft, sondern in eine separate Gesellschaft ausgelagert.

Analysten von Bernstein Research bewerteten das am Montag als mutigen Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könne. Das neue Unternehmen soll 20.000 Mitarbeiter beschäftigen und ebenfalls an die Börse gebracht werden. Bernstein Research sprach von einer Art „Bad Bank“. Das unter der Rubel-Schwäche leidende Geschäft in Russland gehört ebenso dazu wie die Verluste schreibende Beteiligung in Brasilien. Die neue Gesellschaft soll schuldenfrei sein und finanziell solide ausgestattet werden. Dafür übernimmt sie die Rücklagen zum Abriss der Atomkraftwerke und für die Einlagerung des Atommülls.

Offen ist, was aus der Gas- und Ölförderung in der Nordsee wird. Eon will dies noch vor der Neuaufstellung strategisch überprüfen. Analysten spekulierten umgehend, dass es wie die RWE-Tochter Dea verkauft werden könnte. Denkbar ist auch, dass beide künftigen Gesellschaften auf Dauer zu klein sind und damit zu Übernahmekandidaten werden. Bernstein Research zufolge könnte die Anteile der neuen Gesellschaft rein rechnerisch 2014 auf einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 4,4 Milliarden Euro kommen und der übrige Eon-Teil auf vier Milliarden. Damit wären beide kleiner als die bisherige deutsche Nummer zwei RWE mit angepeilten 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro.


„Die groß angelegte Restrukturierung bei Eon bestätigt die schwierigen Aussichten für die Energieerzeugung”, hieß es in einem Kommentar der Equinet Bank. Ob der Schritt für die Aktionäre Wert schaffe, bleibe abzuwarten. Thomas Deser, Fondsmanager bei Union Investment, begrüßt die Aufspaltung, „da Eon dann künftig über zwei trennscharfe Geschäftsmodelle verfügt, die besser zu bewerten sind als das Konglomerat“. Eon würde sich damit an Enel orientieren, das seine Endesa-Beteiligung neu ausgerichtet hat.

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  • @sels
    Die Rückstellungen für Rückbau und Entsorgung hätten nach Atomrecht schon gebildet sein müssen. Insofern haben Sie Unrecht mit der Begründung der schlechteren Erträge. EON macht vor, wie der auch so billige Atomstrom erzeugt wird. Jahrzehnte dicke Gewinne einfahren und dem Steuerzahler die Entsorgung aufbürden.
    Und auch Ihre Einschätzung zum unprofitablen Geschäft mit der Windenergie ist falsch. Das Gutachten von dem Sie sprechen, untersuchte Windparks die zwischen 2002 und 2009 in Betrieb gingen. In dieser Zeit ist die Abschreibung und Tilgung am höchsten. Je nach Finanzierung sieht die Sache nach 10 bzw. 12 Jahren ganz anders aus! Sowas sollten Sie eigentlich bedenken. Und wenn die Einspeisevergütung ausgelaufen ist? Mit 1,5 bis 3 ct/kwh können Sie eine schuldenfreie WKA betreiben. Und in 10 Jahren wird der Preis in Leipzig nicht mehr bei 5 ct liegen. Dämmerts?

  • @ sels:

    In der Sache völlig richtig !

  • Die Schlagzeile müsste etwas anders lauten.
    Eon gliedert seine defizitären Kraftwerke in eine neue Gesellschaftaft aus, die als Bad Bank fungiert.
    Oder was glauben die Leute was passieren wird, wenn man einen Haufen Kraftwerke die nur Verluste schreiben in einer Gesellschaft bündelt? Das Startkapital ist irgendwann aufgebraucht und dann kommt das Geld eben vom Staat oder die Gesellschaft geht pleite. Mal sehen was sich unsere Politiker einfallen lassen wenn ca. 20% der deutschen Kraftwerkskapazität plötzlich ausfällt, weil keine Kohle und kein Gas mehr geliefert wird.
    Merkel und die Energiewender bekommen das Equipment vor die Füße geworfen.

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