Eon und RWE
Versorgeraktien trifft die nächste Verkaufswelle

Anleger von RWE und Eon sind Kummer gewohnt. Seit Monaten hinken die Versorger dem Gesamtmarkt meilenweit hinterher. Die Diskussion über Atomkraft nach dem Beben in Japan sorgt jetzt für den nächsten Kurssturz.
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DüsseldorfKonnten sich Eon-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Jürgen Großman in den letzten Monaten beruhigt zurücklehnen, in der Gewissheit ihre Atommeiler noch einige Jahre länger am Netz lassen zu können, müssen sie jetzt erneut das schnellere Aus ihrer Kraftwerke  fürchten. Die Explosion in den japanischen Reaktoren entfacht auch die deutsche Diskussion um den Atomausstieg erneut. Die Aktien der Kernkraftwerk-Betreiber reagierten prompt. Die Eon-Aktie rutschte bis zum Nachmittag um 5,3 Prozent ab und fiel auf 21,85 Euro, RWE-Papiere verloren kurzzeitig 4,5 Prozent und sackten auf 45,76 Euro. 

RWE und Eon geraten weiter unter Druck. Während die Opposition die Rücknahme der Laufzeitverlängerung fordert, schloss auch FDP-Chef Guido Westerwelle heute nicht mehr aus, die Laufzeitverlängerung auszusetzen. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) warf die Frage auf, ob man die Umstellung der Kernenergie auf regenerative Energiequellen nicht noch beschleunigen könne. Eon wehrt sich und hat Forderungen der Opposition nach einer Rücknahme der Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke zurückgewiesen. „Dafür gibt es keinen Grund, sagte ein Sprecher am Montag. Er betonte erneut die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke. 

Rosige Aussichten sind das für die Konzerne aber nicht. Das sehen auch die Analysten so. „Die Welt für Kernenergie ist ab jetzt eine andere“, sagt Kepler Capital Markets-Analyst Ingo Becker. Aus Investorensicht sähen die Entwicklungen eher negativ als positiv aus. Kepler Capital Markets stufte Eon daraufhin auf „hold“ und empfiehlt für RWE-Aktien „reduce“. Commerzbank-Analysten empfehlen für Eon „add“ und für RWE „reduce“. 

Dabei sind die Anleger der beiden Energieversorger seit langem gebeutelt. Während sich der Dax in den letzten zwei Jahren verdoppelte, verlor Eon 2010 21,5 Prozent und RWE über 26 Prozent. Nach einer kleinen Erholung zu Jahresbeginn 2011 sackten die Kurse wieder ab. Eon kletterte Ende Januar zeitweise auf über 25 Euro, verlor dann aber kontinuierlich. RWE erreichte seinen Höchststand mit 54,74 Euro ebenfalls Ende Januar und rutschte anschließend wieder ab. Unter dem Strich verloren Eon-Aktien seit Jahresbeginn 4,8 Prozent. Eon-Aktien gehören mit einem Minus von mehr als acht Prozent bereits wieder zu den Schlusslichtern im Dax. Abseits der neuen Atomdiskussion hat Eon vor allem mit dem Gasgeschäft zu kämpfen. Belastungen aus der Atomsteuer und sinkende Stromgroßhandelspreise belasten die Energieversorger zusätzlich. 

Dass die Kernkraft wackelt, entfacht auf der anderen Seite bei Aktien aus dem Bereich erneuerbarer Energien Kursfantasie. Die Solar- und Windenergieunternehmen bewegten sich zu Wochenbeginn in einem wahren Euphoriehoch. Die Nordex-Aktie wuchs heute mit über 19 Prozent gen Himmel, das Solarunternehmen Conergy legte über 16 Prozent zu.

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  • Fr. Klatten hat das besser gemacht. Sie hat in Windenergie investiert. Allerdings auch Verluste gemacht, weil die politischen Entscheider sich im Bewerbungsverfahren bei den Atombetreibern befinden. Da hat sie wohl nicht zu erkennen gegeben, dass auch bei BMW Beraterverträge winken könnten.

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