Erfolgreiche Krebsmedikamente treiben die Aktie
Genentech verwöhnt die Investoren

Auch diesmal hat das Biotechnologie-Unternehmen Genentech seine Investoren nicht enttäuscht: Im gerade beendeten dritten Quartal lieferte die Tochter des Schweizer Pharmakonzerns Roche phänomenale Zahlen und übertraf damit die Schätzungen der Wall Street.

HOUSTON. Trotz der Kursverluste in den vergangenen Wochen hat die Aktie innerhalb von zwölf Monaten 75 Prozent zugelegt. Anfang September hatte sie die historische Bestmarke von knapp 95 Dollar erreicht. Der Biotechnologie-Index der American Stock Exchange stieg seit Januar dagegen nur rund 15 Prozent. Gleichzeitig erhöhte Genentech die Prognose für das Gewinnplus in diesem Jahr von 35 auf 50 Prozent - was Analysten wie Alexandra Hauber von Bear Stearns sogar noch für konservativ halten. Hauber erwartet Gewinnzuwächse von mindestens 60 Prozent sowie "ein erhebliches Aufwärtspotenzial für 2006".

Eine der Spezialitäten von Genentech sind Krebsmedikamente. Der Siegeszug der Kalifornier an der Börse hält seit 2003 an, als mehrere Krebsforschungsstudien die Wirksamkeit der Heilmittel von Genentech belegten. Demnach verlängert etwa das Medikament Avastin die Überlebensraten bei Darmkrebspatienten deutlich, indem es die Blutversorgung der Tumore lahm legt. Selbst die kränksten Patienten der Studie gewannen durch Avastin im Schnitt etwa fünf Monate hinzu.

Noch am Tag der Studien-Veröffentlichung schoss die Aktie damals um 50 Prozent nach oben - ein Phänomen, das sich seitdem so oder ähnlich bei jeder neuen Erfolgsmeldung wiederholt. Im März 2004 steigerte die Aktie aus ähnlichen Gründen an einem einzigen Tag ihre Marktkapitalisierung um zwölf Mrd. Dollar. Der Kursverlust von rund 14 Prozent Mitte September wurde ausgelöst durch Genentechs Ankündigung, eine Avastin-Studie mit Gebärmutterkrebspatienten wegen schwerer Nebenwirkungen abzubrechen. Dass Genentech im vergangenen Quartal ein aggressives Rückkaufprogramm abwickelte - zehn Mill. Aktien für mehr als 900 Mill. Dollar gingen in diesen drei Monaten zurück in den Firmenbesitz - werten viele Anleger und Analysten dagegen als zuversichtliches Zeichen. Auch vorübergehende Sorgen um das so genannte Cabilly-Patent sind nach Ansicht von Piper-Jaffray-Analyst Thomas Wel "unwichtiger, als die Wall Street bislang erwartet hat", da die betroffenen Produkte im vergangenen Quartal zum Unternehmensgewinn nur etwa ein Cent pro Aktie beitrugen.

Einen Löwenanteil lieferten dagegen erneut Avastin sowie Genentechs zweiter Kassenschlager, das Brustkrebsmittel Herceptin. Beide steigerten den Umsatz des Unternehmens um mehr als 70 Prozent. In naher Zukunft soll der Marktanteil sogar noch deutlich größer werden. Offenbar verschreibt eine wachsende Zahl von Ärzten die beiden Medikamente jetzt für einen längeren Zeitraum und verstärkt auch für Patienten, die nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehören - zum Beispiel im Kampf gegen Lungenkrebs. Da die US-Gesundheitsbehörde Avastin für solche Anwendungsgebiete noch nicht offiziell freigegeben hat, darf das Unternehmen dafür auch noch nicht werben. Bei anhaltendem Behandlungserfolg könnte sich das jedoch ändern.

"Der positive Effekt, der aus dieser Zusatzanwendung für Genentechs Umsatz schon jetzt entsteht, ist bisher noch gar nicht in vollem Umfang abzusehen", sagt Adam Walsh von der Investmentbank Jefferies. Er schätzt, dass dies ab dem laufenden vierten Quartal geschehen wird. Andere Analysten rechnen damit, dass Avastin bei einem momentanen Monatspreis von rund 4 400 Dollar pro Patient dem Konzern in absehbarer Zeit mehr als eine Mrd. Dollar jährlich einbringen wird.

Wenn die Experten überhaupt einen Vorbehalt gegen die Erfolgsaktie anbringen, dann ihren Preis: Seit Anfang 2003 hat sich Genentechs Aktienkurs knapp verfünffacht, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei einem Wert von 80. "Die Quartalsergebnisse sind natürlich beeindruckend, aber die Anleger zahlen schon jetzt ein hübsches Sümmchen für die Aktie", sagt Steven Harr von Morgan Stanley. "Die Erwartungen der Investoren für die nächsten Jahre scheinen uns doch recht hoch gesteckt. Damit die Gewinne den aktuellen Kursen gerecht werden, müssten wir so gute Bilanzen wie jetzt regelmäßig sehen können."

Mit seinem Anlageurteil "Neutral" ist er jedoch in der Minderheit: 20 von 30 Analysten raten den Investoren zum Kauf der Aktie, zehn empfehlen zu halten. Bank of America nannte Genentech neben Human Genome Sciences kürzlich als einen von zwei Favoriten im Biotechnologiesektor.

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