Erhöhtes Anlagerisiko
Pharmawerte gelten nicht mehr als sicherer Hafen

Wenn die Experten richtig liegen, wird an den internationalen Börsen bald eine sichere Bank wegfallen. Analysten gehen davon aus, dass zukünftig auch Pharma-Werte unter der Volatilität der Märkte zu leiden haben. Ein Hauptgrund dafür liegt im Wettbewerb.

HB LONDON. Die Pharma-Aktien dürften im Laufe dieses Jahres ihren Status unter Anlegern als sicherer Hafen in Zeiten besonders volatiler Aktienmärkte verlieren, glauben viele Analysten. So sagt Simon Carter von Aegon Asset Management in Edinburgh, Titel wie Novartis oder AstraZeneca würden sich 2008 schwächer als der Gesamtmarkt entwickeln. Als Grund gibt er verzögerte Genehmigungsverfahren und einen schärferen Wettbewerb durch neue Generika an. Allein die auf den Markt strebenden, preiswerteren Nachahmerversionen vom Cholesterinsenker Zocor des US-Pharmakonzerns Merck sowie von anderen umsatzstarken Medikamenten aus den Häusern Novartis, Glaxo-Smithkline und Sanofi-Aventis könnten den Umsatz der großen Konzerne um insgesamt 150 Mrd. Dollar drücken.

„Der Pharmasektor ist lange nicht so defensiv, wie man denken könnte“, sagt auch Analyst Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley. Die Generika belasteten die Umsätze, die US-Aufsichtsbehörde FDA scheue immer öfter Risiken bei den Zulassungsverfahren, und zusätzlich übten die nationalen Regierungen Preisdruck aus. „Es gibt inzwischen viele Hürden“, sagt er.

2007 waren Pharmawerte als Branchensektor im breiten Stoxx 600 die fünftschwächste Branche mit Verlusten von elf Prozent. Während Analysten von S&P die Branche jetzt für attraktiv halten, rechnen Analystenhäuser wie Helvea und Morgan Stanley mit einem weiteren schwierigen Jahr 2008. Einen ersten Hinweis gaben die Ergebniszahlen von Novartis. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen erklärt, es sei kein im Vergleich zur Branche überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten.

Der Umsatz war so langsam wie seit fünf Quartalen nicht mehr gewachsen. Analyst Batstone-Carr rechnet damit, dass insbesondere auch AstraZeneca von der fortschreitenden Entwicklung von Generika betroffen sein wird. Noch als relativ sicheres Investment seien Titel von Roche zu bezeichnen, sagt der Analyst. Denn bei den Schweizern verlören die beiden wichtigsten Medikamente, Rituxamn und Herceptin, erst im Jahre 2013 ihren Patentschutz in den USA.

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