Erneute Gewinnwarnung des Bierbrauers verprellt die Anleger – US-Konzern sucht sein Heil in China
Anheuser Busch sitzt auf dem Trockenen

Beim größten Bierbrauer der USA herrscht zurzeit Katerstimmung: Nach der zweiten Gewinnwarnung in nur zwei Monaten haben Anleger und Analysten ihr Vertrauen in die Aktie verloren.

HOUSTON. Die Investmentbanken Bear Stearns und Legg Mason sowie die Ratingagentur Standard & Poor’s stuften Anheuser in den vergangenen Tagen herab. An der Börse nimmt die Aktie Kurs auf ihr Dreijahrestief bei 44 Dollar, gestern war sie in New York rund 45,70 Dollar wert. „Im schlechtesten Fall könnte der Preis sogar noch deutlich weiter verlieren, nämlich auf bis zu 38 Dollar“, befürchtet Analyst William Pecoriello von Morgan Stanley.

Anfang April hatte Anheuser gewarnt, dass der Unternehmensgewinn 2005 nur im niedrigen einstelligen Bereich wachsen und damit hinter den Erwartungen zurückbleiben werde. „Das bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen“, sagt Carlos Laboy von Bear Stearns. Die Schwäche im Biermarkt, die inzwischen seit zwei Jahren anhält, „wird auch 2005 weitergehen, und ein Ende ist noch nicht in Sicht“, erwartet Laboy. Selbst Anheusers revidierte Gewinnerwartung von 63 bis 64 Cent pro Aktie für das erste Jahresquartal könnte die durchschnittlichen Erwartungen der Wall-Street-Analysten noch verfehlen.

Gründe für die Durststrecke gibt es gleich mehrere. Den US-Bürgern vergeht seit einiger Zeit die Lust auf Bier – Wein, Likör und andere Spirituosen sind im Moment wesentlich angesagter. Die Analysten rechnen nicht damit, dass sich dieser Trend in naher Zukunft ändert: „Die Konkurrenz durch andere alkoholische Getränke veranlasst Anheuser und die gesamte Bierindustrie, im laufenden Jahr mehr Geld in ihre Produkte zu stecken – aber es wird wahrscheinlich mehrere Quartale dauern, bis wir absehen können, ob das hilft“, sagt Bryan Spillane von Bank of America.

Hinzu kommt, dass der Biermarkt in den USA schon seit Langem weitgehend aufgeteilt ist. Zu Anheusers Marken wie Budweiser und der kalorienreduzierten Variante Bud Light greift dort fast jeder zweite Biertrinker. Im Wettbewerb mit dem Erzrivalen Miller Brewing verschieben sich die Marktanteile nur noch geringfügig. „Die Brauereien kämpfen wie versessen um ein Stück vom Kuchen, der einfach nicht größer wird“, sagte Benj Steinman vom Branchenblatt Beer Marketer’s Insights der Presseagentur AP.

Der Vergleich mit dem ersten Quartal des Vorjahres zeigt, wie schwer sich Anheuser auf dem US-Markt tut. Damals konnte der Konzern mit seinem kohlenhydratreduzierten Bier „Michelob Ultra“ bei Millionen von diätwütigen Amerikanern punkten, als die so genannten Atkins- und South-Beach-Diäten ihren Höhepunkt erreichten. Heute bleibt der Konzern auf seinem Gebrauten sitzen: „Die Lagerbestände sind rund anderthalb Tagesproduktionen höher als vor einem Jahr, so dass das zweite Quartal schwierig werden dürfte“, sagt Jeffrey Kanter von der Prudential Equity Group.

Die lahmenden Umsätze in der Heimat will Anheuser durch Beteiligungen in ausländischen Märkten ausgleichen, In China, das seit zwei Jahren die weltweite Spitzenposition im Bierkonsum von den USA übernommen hat, verdreifachte der Konzerns Anfang voriger Woche seinen Aktienanteil am führenden Bierbrauer Tsingtao, dessen Nettogewinn im vergangenen Geschäftsjahr zweistellig zugelegt hat. Doch auch in diesem Markt drängeln sich bereits ausländische Geldgeber, und die Margen sind bei Bierpreisen um zwölf US-Cent für 0,6 Liter dürftig.

Die überwältigende Mehrzahl der Analysten rät den Investoren zum „halten“ von Anheuser-Busch-Aktien. Von 17 Anlageurteilen raten nach Daten des Finanzdienstes Thomson First Call nur zwei zum Kauf sowie zwei zum Verkauf der Titel. Die meisten Experten warten trotz der Flut schlechter Nachrichten noch ab. Prudential-Analyst Jeffrey Kanter bringt die Mehrheitsmeinung auf den Punkt: „Inzwischen ist es einfach viel zu spät, um allzu negativ zu werden.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%