Erst Rally, dann Absturz
Q-Cells-Aktie spielt komplett verrückt

Die Aktie des kriselnden Solarkonzerns Q-Cells schlägt weiter wilde Kapriolen. Panikkäufe von Spekulanten trieben die Papiere am Morgen in die Höhe. Doch der Absturz folgte auf den Fuß. Analysten schlagen Alarm.
  • 2

DüsseldorfDie Aktien von Q-Cells halten die Anleger in Atem. Am Morgen knüpften die Papiere der Solarfirma an ihre unheimliche Rally an und gewannen unter hohen Umsätzen in der Spitze mehr als 18 Prozent auf 1,55 Euro. Damit summierte sich das Plus der vergangenen fünf Handelstage auf satte 126 Prozent. Dem Gipfelsturm folgte am Nachmittag allerdings die heftige Wende. Bis Börsenschluss stürzten die Papiere auf 1,04 Euro - im Vergleich zum Vortag bedeutete das ein Minus von 20,7 Prozent.

Hintergrund der wilden Kapriolen der Q-Cells-Aktien ist vermutlich ein Short-squeeze. Dabei müssen Anleger, die auf fallende Kurse spekuliert hatten, eine Aktie um jeden Preis kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Ende vergangener Woche hatte Q-Cells bekanntgegeben, Investoren für ein geplantes Mega-Solarprojekt gefunden zu haben. Zum Leidwesen vieler Investoren – Bloomberg-Daten zufolge waren zuletzt 45 Prozent der ausstehenden Aktien leer verkauft – hatten die Q-Cells-Papiere daraufhin angezogen. Mit Panikkäufen versuchten sich die Spekulanten einzudecken.

Mit den Fundamentaldaten des einstigen Branchenprimus im Solarsektor hatte die Rally allerdings nichts zu tun. Der Kursrückschlag war daher nur eine Frage der Zeit. Am Nachmittag war es dann so weit. Etliche Anleger versilberten ihre Gewinne und stürzten die Aktie damit zurück in Richtung

Q-Cells-Aktien waren seit März von drei Euro auf 50 Cent eingebrochen. Bereits im vergangenen Jahr war der Börsenwert des Unternehmens um 73 Prozent abgestürzt. Der Kurseinbruch ist Folge einer dramatischen Geschäftsentwicklung. Im ersten Quartal machte der einstige Branchenprimus im Solarsektor 41 Millionen Euro Verlust, im zweiten Quartal waren es sogar 355 Millionen Euro. Analysten sorgten sich, dass das Eigenkapital knapp werden könnte. Pleitegerüchte machten die Runde.

Einen ersten Hoffnungsschimmer für das Unternehmen und die Anleger gab es Ende Oktober, als Investoren, die Wandelanleihen im Wert von gut 200 Millionen Euro halten, einen gemeinsamen Vertreter ermächtigten, die eigentlich Ende Februar fälligen Papiere unter bestimmten Voraussetzungen bis zum Jahresende hinauszuschieben. Die Aktie startete daraufhin eine leichte Erholung. Richtig los ging die Rally aber erst in der vergangenen Woche, als das Unternehmen erklärte, dass es mit Luxcara aus Hamburg und der Berliner MCG Management Capital Group Investoren zwei Investoren für den Bau von Europas größtem Solarpark in Brandenburg gefunden habe

Wie es fundamental um Q-Cells bestellt ist, wird sich am Freitag nächster Woche zeigen, wenn das Unternehmen seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt. Analysten geben sich im Vorfeld pessimistisch. Schon vor dem plötzlichen Höhenflug an der Börse rieten sie überwiegend zum Verkauf der Aktien. Die Skepsis ist jetzt noch einmal gestiegen. Erkan Aycicek von der Landesbank Baden-Württemberg bestätigte seine Verkaufsempfehlung für die Titel. Das Kursziel sieht er bei lediglich 30 Cent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Erst Rally, dann Absturz: Q-Cells-Aktie spielt komplett verrückt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn man sich mal die Aktie von Solarworld anschaut, sieht man deutlich wohin diese künstlich durch Subventionen aufgeblasene Industrie hingehört. In den Keller.

  • Es ist schon erstaunlich, wieviele Zocker sich in der letzten Woche haben blenden lassen, nur weil Q-Cells ein Feld mit Solarmodulen in Brandenburg verkauft hat. Niemand hat das "Geschäft" wirklich hinterfragt. Es wurde ja (bewußt) auch Stillschweigen vereinbart. Vermutlich hat Q-Cells bei dem Deal lediglich seine alten Lagerbestände etwas abgebaut - unter Wert. Wie schlimm es um Q-Cells wirklich steht, wird sich im nächsten Jahr zeigen, wenn die nächsten großen Darlehen zurückgezahlt werden müssen.

    Die Photovoltaikbranche hat sicher - entgegen der aktuellen Stimmungslage - noch eine sehr große Zukunft vor sich. Die eigentliche Boomphase wird erst noch kommen, wenn die Wirkungsgrade der Module immer besser werden und die Preise im Vergleich zu herkömmlichen Energieträgern noch konkurrenzfähiger.
    Bis dahin werden viele Unternehmen nicht mehr auf dem Markt sein, da sie entweder zu größenwahnsinnig waren oder technisch hinterherhinken.
    Uberleben werden diejenigen, die fundamental gut aufgestellt sind, die exzellente Produktionstrukturen vorweisen können und die sich die richtigen Vertriebswege gesichert haben.

    Favoriten sind hier nicht die (ehemals) großen der Branche, sondern eher Perlen wie z.B. die deutsche "Centrosolar Group".

    Die Chinesen können den Markt nur kurzfristig - durch Preisdumping - durcheinander bringen. Ihnen fehlt die westliche Denkweise, das Image und vor allem - die Fähigkeit selbst die Innovationsrichtung zu bestimmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%