Erstmals Dividende
Apple bricht mit Steve Jobs' Prinzipien

Die Aktie auf Allzeit-Hoch, das neue iPad in den Startlöchern: Davon profitieren auch die Aktionäre. Der neue Chef, Tim Cook, zahlt zum ersten Mal seit 1995 eine Dividende. Das hätte es unter Jobs wohl nicht gegeben.
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DüsseldorfDas Geschäft läuft für Apple so gut wie noch nie, die Stückzahlen bei iPhone und iPad sind in den vergangenen Quartalen rasant in die Höhe geschnellt. Dadurch hat Apple eine unglaubliche Barreserve von fast 100 Milliarden Dollar angehäuft. Ein Teil dieser Summe soll jetzt als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Auszahlung beläuft sich auf 2,65 Dollar pro Aktie im Quartal.

Die Ausschüttung soll erstmals im vierten Quartal des Finanzjahres 2012 erfolgen, das am 1. Juli beginnt. Zugleich gab der iPhone- und iPad-Hersteller vor US-Börsenstart bekannt, in den kommenden Jahren Aktien im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar zurückzukaufen. Apple versicherte, trotz der Investitionen über „eine Kriegskasse für strategische Gelegenheiten“ zu verfügen.

Mit dem Geldregen kommt Apple den Forderungen seiner Anteilseigner nach, die in den vergangenen Monaten immer stärker auf eine Verteilung der riesigen Bargeld- und Wertpapierbestände gedrungen haben. In der
Apple-Schatzkiste lagen zuletzt fast 100 Milliarden Dollar - das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Marokko oder der Slowakei.

Apple bricht damit mit der Politik des Ex-Chefs Steve Jobs. Er galt als unverrückbarer Gegner einer Dividende. Sein Nachfolger Tim Cook stellte jedoch klar, dass die Aktionäre nicht zu viel erwarten sollten. „Wir geben unser Geld aus als wären es unsere letzten Pennies. Ich denke, die Aktionäre erwarten das auch von uns“, sagte Cook im Februar vor Investoren. Das Geld brenne Apple kein Loch in die Tasche, es werde also keine „Toga-Partys“ geben.

An der Börse löste die Ankündigung gemischte Reaktionen aus: In Frankfurt grenzte das Apple-Papier seine Gewinne vom Vormittag wieder ein. An der Wall Street zeigte sich der Anteilsschein richtungslos. In einem volatilen Handel drehte die Aktie kurz vor Börsenstart wieder ins Plus.

Insgesamt beziffert der Konzern die Ausgaben in den kommenden drei Jahren auf etwa 45 Milliarden Dollar. Cook kündigte an, die Dividendenpolitik regelmäßig zu überprüfen.

Aufs Gesamtjahr hochgerechnet liegt Apples Dividendenrendite bei 1,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom bietet ihren Aktionären 7,89 Prozent. John Strand von Strand Consulting begrüßte die Neuankündigung trotzdem: „Apple ist ein überkapitalisiertes Unternehmen und es ist wahrscheinlich besser, das Geld in die Taschen der Aktionäre zu stecken als es in Apples Taschen zu belassen.“

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  • "Geist ist nicht dividierbar" - gut geschrieben!

  • Ich bin bekennender Kapitalist, und ich verwende Apple-Computer seit 1986, mit dem kleinen Würfel fing es an (Macintosh SE-30).
    Apple war immer ein Geschäft, und wer Apple-Aktien kaufte, tat das nicht, um seine Mitgliedschaft in einer Fangemeinde zu bekunden.
    Auch Steve Jobs hat Apple immer auch als Unternehmen verstanden - es war, bei aller Vision in der Sache, am Ende der Tage auch Geschäft.

    Dieses Denken zeichnet einen "guten Unternehmer" und ein erfolgreiches Unternehmen aus.

    Dass Apple jetzt Dividenden auszahlt, lese ich als Kapitalist und als Apple-Fan der ersten Stunde mit großer Sorge, und viele werden das sicherlich nicht verstehen.
    Diese Dividende ist wie ein Abschied für die Fans von früher und eine Eintrittskarte in das Finanzgeschäft mit der Apple-Aktie, die eben jetzt doch nur noch eine Aktie sein wird wie jede andere auch.

    Das ist schade. Aber es ist eben auch eine neue Zeit. Zum zweiten Mal wird Apple nicht mehr vom Unternehmensgründer geleitet, mit dem großen Unterschied, dass beim ersten Mal der Unternehmensgründer noch lebte.

    Jetzt ist es eine Aktiengesellschaft.
    Geist ist nicht dividierbar.

  • Tja wenn es bloß so einfach wäre, den richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen zu finden...als Apple kurz davor stand, die 500 Dollar Marke zu knacken, sahen alle nicht-Apple-Fans voraus, dass die Firmenaktie am Scheitelpunkt stehen würde. Drei Wochen später legt Apple noch einen drauf, indem sie die 600 Dollar Marke knackten.

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