Erstnotiz am 27. April
Fondsmanager sehen Versatel-IPO kritisch

Zahlreiche Frankfurter Fondsmanager stehen indes dem Börsengang der Versatel AG kritisch gegenüber. Sie stoßen sich dabei vor allem an der von den Konsortialbanken erstellten Bewertung des Unternehmens.

HB DÜSSELDORF. Einen Tag vor dem Börsengang der Versatel AG hat die Nachfrage nach den Aktien des Telekomanbieters angeblich das Angebot überstiegen. Das Orderbuch sei „komfortabel überzeichnet“, berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires unter Berufung auf eine informierte Person. Das Unternehmen bietet insgesamt 28,6 Millionen Aktien zwischen 29 und 36 Euro zum Kauf an. Die Erstnotiz im stark regulierten Börsensegment Prime Standard ist für Freitag geplant.

Aus Bankenkreisen war indes zu vernehmen, dass ausländische Anleger zwar orderten, sich aber „preissensitiv“ zeigten. Der Eindruck, der Ausgabekurs der neuen Aktien werde bestenfalls am unteren Ende der Preisspanne liegen, habe sich in den vergangenen Tagen verfestigt, sagte eine Person aus diesem Umfeld. Weder von den emissionsbegleitenden Konsortialbanken noch von Versatel war eine Stellungnahme zu erhalten.

Während am Donnerstag der endgültige Kaufpreis bekanntgegeben werden solte, schien das vorbörsliche Geschäft eher einzuschlafen: Am Graumarkt wurden die Titel unverändert im unteren bis mittleren Bereich der Preisspanne gehandelt. Das Handelshaus Lang & Schwarz stellte als Geld- und Briefkurs weiterhin mit 31 zu 33 Euro fest, während die DKM Wertpapierhandelsbank die Papiere abermals mit 32 zu 35 Euro taxte.

Damit ist die Aktie nicht billig. 2006 lag der Versatel-Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei 182 Millionen Euro. Hohe Abschreibungen und Zinszahlungen drückten den Nettogewinn aber kräftig ins Minus. 2007, schätzen die Analysten der Deutschen Bank, dürfte unter dem Strich ein magerer Gewinn von 4,5 Millionen Euro übrig bleiben. 2008 könnten es netto 31,6 Millionen Euro werden. Bei einem Emissionspreis am oberen Ende der Zeichnungsspanne läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2007 bei astronomischen 350 und für 2008 bei 50. Die französische NeufCegetel ist mit einem KGV von knapp 20 in 2007 und 15 für 2008 deutlich billiger.

Investmentbanker der Häuser, die Versatel an die Börse bringen, bevorzugen einen Vergleich auf Basis des Ebitda. Das klassische KGV sei bei Telekom-Unternehmen, die durchweg sehr viel investiert haben und deshalb hohe Abschreibungen auf ihre Netze haben, weniger aussagekräftig als das Ebitda. Tatsächlich sehen die Zahlen auf Ebitda-Basis für Versatel günstiger aus.

Die von der Deutschen Bank herangezogene Gruppe von Vergleichsunternehmen aus NeufCegetel, der belgischen Telenet und der französischen Iliad-Gruppe wird im Durchschnitt mit dem zehnfachen Ebitda bewertet. NeufCegetel, am ehesten mit Versatel vergleichbar, kostet etwa das neunfache, Versatel das achtfache Ebitda.

Nicht interessiert zeigte sich am Donnerstag MB Fund Advisory in Frankfurt. „Wir zeichnen definitiv nicht“, sagte Fondsmanager Thilo Müller. Die Versatel-Aktie passe nicht zu der konservativen Anlagepolitik seines Hauses. „Der Wettbewerb ist hart in der Branche. Ich möchte deshalb erst, dass die Firma den Beweis antritt, dass sie ihre selbst gesetzten Ziele erreicht“, sagte Müller. Ähnlich äußerten sich bereits in der vergangenen Woche weitere Fondsmanager.

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