Erwarteter Gewinnsprung ist in Kursen bereits enthalten – Große Abhängigkeit vom Stahlpreis
Analysten halten Aktien von Thyssen-Krupp für ausgereizt

Als letztes der 30 im Deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen wird der Mischkonzern Thyssen-Krupp morgen Zahlen vorlegen. Auch wenn die Mehrheit der Experten mit einem kräftigen Gewinnsprung rechnet, sind die Meinungen über die Aktie gespalten. Denn viele Analysten halten das Kurspotenzial für ausgeschöpft.

HB DÜSSELDORF. Dabei zweifelt kaum ein Experte daran, dass der Düsseldorfer Konzern für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr ein Rekordergebnis vermelden wird. In einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters schätzen die Analysten den Gewinn vor Steuern im Durchschnitt auf rund 1,5 Mrd. Euro. Das wäre eine Verdoppelung des Vorjahresgewinn von 726 Mill. Euro.

Für den Aktienkurs sind die Zahlen aber kaum noch von Bedeutung. Das positive Ergebnis sei bereits in dem Kurs enthalten und werde der Aktie keinen Schub mehr geben, erklärt die Investmentbank Lehman Brothers. Immerhin hat das Papier allein gestern über zwei Prozent gewonnen und notiert nur noch knapp unter dem Jahreshoch. „Wir glauben, dass die guten Resultate bereits weitgehend vom Markt antizipiert werden“, sagt auch Gaël de Bray, Analyst bei der Société Générale. Der Anlageexperte stuft das Papier daher mit „untergewichten“ ein.

Sorgen bereitet den Experten auch, dass das starke Ergebnis vor allem von dem Stahlsektor getragen wird. Neben der reinen Stahlproduktion stellt Thyssen-Krupp Aufzüge her und beliefert die Automobilindustrie. In Folge des enormen Stahlbedarfs Chinas stiegen die Preise in die Höhe. „Insgesamt hängt die Entwicklung des Aktienkurs fast ausschließlich von dem Stahlmarkt ab“, sagt Rolf Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank.

Zuletzt schürten konjunkturelle Sorgen und die Zinserhöhung der chinesischen Notenbank jedoch Ängste, dass die Nachfrage nach dem Rohstoff im kommenden Jahr nicht in dem gewohnten Tempo weiter ansteigen werde. Auch wenn sich diese Abkühlung nur allmählich auf die europäischen Produzenten durchschlagen wird, sind einige Experten vorsichtig geworden. Vieles deute daraufhin, dass sich die stark zyklische Branche ihrem Höhepunkt nähert, schreiben etwa die Experten von Lehman Brothers.

Falls die Nachfrage tatsächlich ins Stocken gerät, drohen bei dem Papier von Thyssen-Krupp Kursverluste. Denn die Aktie gilt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast zehn im Vergleich zu anderen Stahlkonzernen wie Arcelor als relativ hoch bewertet. „Der Aufschlag von rund 30 Prozent ist ohnehin nicht gerechtfertigt“, sagt de Bray. Im gesamten Metall-Sektor sei die Aktie daher das Papier mit dem geringsten Potenzial.

Und auch langfristig, stehen die Chancen eher schlecht. So wird es für Thyssen-Krupp in den kommenden Jahren schwieriger, Anleger und Analysten erneut positiv zu überraschen. In diesem Jahr müssen sich die Zahlen nur mit einem schwachen Vorjahresergebnis messen lassen. „Nach einem schwachen Vorjahreszeitraum lief die Produktion im letzten Quartal wieder auf Hochtouren“, schreibt Fabian Kania, Analyst bei Helaba Trust. Da die Konzerne aber inzwischen nahe der Kapazitätsgrenzen arbeiten, werden deutliche Ergebnissteigerungen kaum zu realisieren sein.

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