Espírito Santo
Portugal fürchtet neue Bankenkrise

Eine portugiesische Bankiersfamilie soll in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein. Die Krise der Bank könnte übergreifen auf das ganze Land – und damit die Euro-Krise wieder aufflammen lassen.
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LissabonIn Portugal wachsen die Sorgen um die Großbank Banco Espírito Santo (BES). Zusicherungen der portugiesischen Zentralbank, dass die Bank von der Krise bei ihrer Muttergesellschaft abgeschirmt sei, haben die Anleger der Bank nicht überzeugen können. Sie fürchten, dass auch sie Verluste erleiden könnten. Am frühen Nachmittag wurde die Aktie der größten Privatbank des Landes vom Handel ausgesetzt.

Wenige Stunden zuvor hatte bereits der BES-Großaktionär ESFG (Espírito Santo Financial Group) die Notierung seiner Aktien in Lissabon und Luxemburg auf eigenen Wunsch aussetzen lassen.

Am Abend sprang die portugiesischen Zentralbank der in die negativen Schlagzeilen geratenen Großbank bei. „Die Liquidität von BES ist ausreichend und wurde zuletzt durch eine Kapitalerhöhung deutlich gestärkt“, sagte ein Sprecher der Notenbank. Die Bank sei solide aufgestellt.

Die Aktienkurse der Bank und der Holding ESFG waren zuletzt drastisch gesunken. Dazu dürfte ein Machtkampf innerhalb der Gründerfamilie des alteingesessenen Geldhauses um die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs Ricardo Salgado beitragen haben. Die Aktionärsversammlung soll am 31. Juli einen Nachfolger wählen. In der Presse kursierten zudem Berichte, dass die Holding ESFG finanziell unter Druck geraten sei.

Der Wirbel um die Großbank löste Spannungen auf dem Kapitalmarkt in Portugal aus. Die Staatsanleihen des Krisenlandes gerieten unter Druck. Der Zinssatz, den der Staat für zehnjährige Anleihen zahlen muss, stieg auf etwa vier Prozent, den höchsten Wert seit drei Monaten. Portugal hatte im Mai den Rettungsschirm der EU verlassen.

Die Krise zieht mittlerweile immer größere Kreise. Portugiesische Staatsanleihen verzeichneten am Donnerstag die größten Verluste unter den Bonds der am stärksten verschuldeten Staaten Europas. Marktteilnehmer sind besorgt, dass die Banken weiterhin wackelig bleiben, auch wenn sich die Eurozone aus der Staatsschuldenkrise herausarbeiten kann.

„Sollte sich die Lage in Portugal weiter verschlechtern, könnte sich die Flucht aus Risiken schnell auf die Bonds und weitere Anlageklassen anderer Euro-Mitgliedsstaaten ausweiten“, warnt Adrian Miller, Director für Festverzinslichen-Strategie bei GMP Securities in New York. „Der Fall bestätigt, dass es der EU nicht gelungen ist, die Verbindung zwischen Staatsanleihen und dem entsprechenden Bankensystem zu durchtrennen.“

Auch spanische und italienische Anleihen gerieten unter Druck. Die Renditen kletterten somit wieder in Richtung drei Prozent. Zu der Verunsicherung trugen auch erneut schwache Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone bei. So war in Italien die Industrieproduktion im Mai um 1,2 Prozent und damit so stark wie seit November 2012 nicht mehr geschrumpft. Dies drückte auch in Mailand die Börse um bis zu 2,8 Prozent ins Minus.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Espírito Santo: Portugal fürchtet neue Bankenkrise"

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  • "Eine portugiesische Bankiersfamilie soll in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein"

    Das trifft in Deutschland auch auf viele Familien zu, die unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Zusehr hat die Politik die Renten und die EZB die Zinseinnahmen der Rentner gekürzt.

    Ich habe kein Verständnis dafür dieser Bankiersfamilie mit deutschen Steuergeldern unter die Arme zu greifen.

    Aber das hat der ESM-Vertrag schon anders geregelt.

    Dedr ESM-Vertrag sieht vor, dass Deutschland innerhalb von 7 Tagen jeden Betrag z.G. des ESM anschafft und die dortigen Akteure nicht zur Rechenschaft herangezogen werden dürfen. Darauf hat die Bundesregierung ausdrücklich im Voraus verzichtet.

    Wer das nicht als mafiös ansieht, der glaubt noch immer an den Weihnachtsmann.

    Ich bin dafür das Strafrecht für solche Fälle gegenüber den Politikern zu verschärfen. Anders ist dem Problem m.E. nicht beizukommen.

  • Ich zitiere das Bankhaus Rott vom 10.7.14:

    "Mit Nullzinspolitik und Beschwörungen von Bürokraten sind Kapitalprobleme nun einmal nicht zu beheben. Dies kann jeder daheim leicht ausprobieren, man benötigt dazu lediglich einen verdorbenen Fisch. Frieren Sie den Fisch für drei Jahre ein und holen ihn danach aus der Kühltruhe. Sie werden feststellen: An der grundsätzlichen Problematik hat sich nichts geändert."

  • "wider besseren Wissens"

    Doch, ich glaube die sind so blöd. ;)

    Die Schuldenberge wachsen weiterhin, man erzählt uns aber etwas von einem hin gequäten Primärüberschuss der so Hanebüchen ist, dass jeder Volkswirt drüber lacht. Sogar die vom IMK.

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