Europa hinkt den guten Quartalsbilanzen hinterher
US-Unternehmen starten durch zum Aufschwung

US-Konzerne haben im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Viele Branchen stehen unmittelbar vor einem Aufschwung und blicken optimistisch in die Zukunft. In Europa und vor allem in Deutschland hingegen sind kaum Lichtblicke zu erkennen. Hier dämpfen enttäuschende Quartalsbilanzen Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung.

NEW YORK/DÜSSELDORF. In den USA ist die Berichtssaison für das erste Halbjahr fast abgeschlossen. Nach Angaben des Finanzdatendienstes Thomson First Call haben 444 der 500 Aktiengesellschaften im maßgeblichen S&P-500-Index ihre Zahlen vorgelegt. Im Schnitt stiegen die Gewinne um 8,8 % gegenüber dem zweiten Quartal 2002. Das ist fast doppelt so viel, wie Analysten zuvor geschätzt hatten. „Damit bestätigt sich der positive Trend aus dem ersten Quartal“, sagt John Cooper von Thomson First Call. Derzeit erhöhen die Experten ihre Schätzungen für das laufende dritte Quartal. „Das ist untypisch, normalerweise korrigieren die Analysten ihre Gewinnprognosen so kurz nach Quartalsbeginn nach unten“, betont Cooper.

Auch die US-Unternehmen selbst werden optimistischer. „Die meisten Firmenchefs machen noch keine konkreten Aussagen, aber die Stimmung hellt sich auf“, sagt Thomas McManus, Chefstratege der Bank of America. Er geht davon aus, dass die US-Manager im nächsten Frühjahr den Aufschwung ausrufen werden. Bemerkbar macht sich der Trend in den Ausblicken der Konzerne auf das dritte Quartal. Bei den 596 Vorankündigungen, die Thomson First Call analysierte, liegt das Verhältnis zwischen negativen und positiven Nachrichten mit 1,9 zu 1 günstiger als vor Jahresfrist. Damals überwogen die pessimistischen Aussagen mit 2,3 zu 1.

Allerdings verweisen Skeptiker darauf, dass vor allem High-Tech-Firmen ihre Bilanzen auch nach dem Platzen der Blase im Jahr 2000 weiter schönen. Außerdem warnt Anlagestratege James Montier von Dresdner Kleinwort Wasserstein vor Euphorie: Die drei wichtigsten Gewinnstützen für die US-Firmen – schwacher Dollar, hohe Energiepreise und fallende Kreditzinsen – gäben den Konzernen keine dauerhafte Sicherheit. Entgegen dem positiven Gesamteindruck verbuchten US-Unternehmen aus konjunkturabhängigen Branchen auch nur ein schwaches Umsatzplus. Laut First Call steigerten zyklische Branchen wie Autohersteller, Einzelhändler, Verlage und Baufirmen ihre Einnahmen im zweiten Quartal nur um 4 %. Das ist schlechter als im ersten Quartal, als die Umsätze um 7 % zulegten. Darüber hinaus beruht in fast allen Branchen das Gewinnwachstum weiter auf Kostensenkungen samt Entlassungen – nicht auf Umsatzsteigerungen.

Das insgesamt überraschend hohe Gewinnwachstum stammt zum großen Teil von Öl- und Finanzkonzernen. So explodierte der Quartalsgewinn der US-Großbank JP Morgan Chase nach drei mageren Jahren auf 1,83 Mrd. $. Das waren 78 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein die fünf erfolgreichsten US-Finanzkonzerne stehen für ein Viertel der Gewinnüberraschungen im S&P-500-Index.

In Europa, wo die Berichtssaison noch voll im Gang ist, überraschten bislang die Sektoren Telekom und Energie positiv. 60 % dieser Unternehmen lieferten bessere Ergebnisse als erwartet. Erfolgreiche Restrukturierungen wie bei der Deutschen Telekom und der hohe Ölpreis machten sich bezahlt. Nimmt man alle Branchen zusammen, konnten jedoch nur 40 % der Firmen positiv überraschen. „Der Trend geht weiter nach unten“, sagt Andreas Hürkamp von WestLB Panmure. Am düstersten sieht es in konjunkturell empfindlichen Bereichen wie Maschinenbau und Chemie aus. Hier sorgten zwei von drei Konzernen für negative Schlagzeilen, beispielsweise Thyssen-Krupp und BASF.

Anders als in den USA vermissen Marktbeobachter in Europa positive Unternehmensausblicke. Deshalb dürften Analysten-Schätzungen, dass die Unternehmen des Deutschen Aktienindexes in diesem Jahr über 30 % mehr verdienen als 2002, zu optimistisch sein. Das gilt auch für Prognosen, wonach die Firmen des Euro Stoxx 50 ihren Gewinn um fast 50 % steigern. „Bislang sind Kostensenkungen für höhere Gewinne verantwortlich. Die Umsätze müssen jedoch steigen. Das ist wegen der unsicheren Konjunkturlage noch nicht zu erkennen“, sagt Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ damit, dass die deutsche Wirtschaft 2004 trotz der geplanten Steuerentlastung nur um 1,5 % wachsen wird. Die Bundesregierung geht von 2 % aus. In diesem Jahr läuft die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des IWF Gefahr, eine „milde Deflation“ zu durchlaufen. Für die USA erwartet der IWF ein Wachstum von 2,2 % in diesem und 3,6 % im kommenden Jahr.

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