Experten empfehlen Anlegern die Anleihen
Fresenius gilt als interessant

Die Begriffe „Junk-Bond“ und „Privatanleger“ passen für Anleiheexperten nur selten zusammen. Zumindest dann nicht, wenn es darum geht, welche Anleihen Anleger auf eigene Faust kaufen und bis zur Fälligkeit im Depot liegen lassen können. Denn Junk-Bonds sind Anleihen von Schuldnern mit einer eher schwachen Kreditwürdigkeit; für den Kauf dieser Papiere empfehlen Strategen in der Regel lieber Fonds, weil diese das Risiko breit streuen.

FRANKFURT. Bei den Anleihen von Fresenius ist das aber anders. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch stufen die Bonität des Konzerns zwar nur mit den Noten „BB“ und „Ba2“ und damit zwei Stufen unterhalb des sicheren Investment-Grades ein. „Vom reinen Geschäftsprofil her entspricht das Risiko von Fresenius aber einem Investment-Grade“, sagt Thomas Hövelmann, Analyst für Unternehmensanleihen bei Helaba Trust. Von daher könnten auch risikobewusste Privatanleger die Fresenius-Bonds als Beimischung im Portfolio kaufen. Auch sein Kollege Matthias Schell von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) betont, dass der Konzern operativ gut aufgestellt sei und sich die Bonds für risikobewusste Privatanleger eigneten.

Fresenius ist mit seiner im deutschen Auswahlindex Dax notierten Tochter Fresenius Medical Care (FMC) weltweiter Marktführer im Bereich Dialyse. Die Übernahme des US-Konkurrenten Renal Care in diesem Jahr stärkt die Position von FMC nach Meinung von Experten noch weiter. Der Dialyse-Spezialist ist die wichtigste Konzerngesellschaft. Zur Fresenius-Holding gehören außerdem der 2005 übernommene Krankenhausbetreiber Helios, die auf Ernährungs- und Infusionstherapie spezialisierte Fresenius Kabi und Fresenius Pro-Serve, ein Unternehmen, das auf Dienstleistungen im Gesundheitswesen spezialisiert ist.

„Der Konzern profitiert von hohem Umsatzwachstum bei ordentlichen Margen“, sagt Hövelmann. Auch der für die Bedienung von Schulden wichtige Cash-Flow, also der operative Mittelzufluss nach Investitionen, sei stabil. Das vergleichsweise niedrige Rating erkläre sich aus der hohen Verschuldung. Die Übernahme von Helios und Renal Care hat das Finanzprofil von Fresenius verschlechtert. Der Konzern will aber seine Schulden abbauen und die für die Ratingagenturen wichtige Kennzahl Schulden im Vergleich zum operativen Gewinn (Ebitda) verbessern.

S&P gibt einen negativen Ausblick für das Fresenius-Rating. Die Agentur fordert, dass die Verschuldung inklusive Leasing-Verbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen bis Ende des Jahres auf das 4,5fache des operativen Ergebnisses sinkt. Schell von der LBBW ist zuversichtlich, dass der Konzern das erreicht. Bis Ende 2007 soll die Kennziffer auf 3,8 zurückgehen. „Zur Verbesserung trägt dabei vor allem die erwartete Steigerung des operativen Gewinns bei“, sagt Schell. Genaueres dürfte sich schon heute zeigen, wenn Fresenius Quartalszahlen vorlegt.

An der Bewertung der Anleihen lässt sich bereits ablesen, dass Investoren das Risiko von Fresenius als relativ gering betrachten. „Der Markt bewertet die Anleihen von Fresenius zwischen Investment-Grade und Non-Investment-Grade“, urteilt Hövelmann von Helaba Trust. Der Konzern bietet zum Beispiel für seine im Januar begebene Anleihe mit noch gut sechs Jahren Restlaufzeit eine Rendite von rund fünf Prozent. Das ist weniger als andere Unternehmen mit Ratings im Bereich-Doppel-B bieten. „Relativ gesehen ist die Anleihe damit teuer“, sagt Schell von der LBBW. Im Vergleich zu zum Beispiel deutschen Staatsanleihen biete der Bond aber eine hohe Rendite.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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