Experten erwarten kurzfristig keine Kursrally
Techniker sind beim S&P 500 pessimistisch

Die amerikanischen Börsenbarometer steigen, eine Aktienrally ist nach Ansicht von technischen Analysten an der Wall Street allerdings nicht in Sicht.

Bloomberg NEW YORK. Seit Jahresanfang hat der Standard & Poor's 500, der breitest angelegte Index für Standardwerte in den USA, die Marke von 1 150 Punkten bereits sechsmal durchbrochen, fiel danach aber immer wieder zurück. Vergangene Woche kippte die Stimmung schon bei 1 142,18 Zählern, obwohl Schwergewichte wie Aktien des Internetbetreibers Yahoo deutlich zulegen konnten.

Den Händlern fehlt der Enthusiasmus, um die Benchmark über die Marke von 1 150 Punkten zu heben, sagt Ralph Acampora von Prudential Equity. Einer Umfrage der Fachzeitschrift Institutional Investor zufolge ist er der drittbeste technische Analyst der Wall Street. Die Zone zwischen 1 150 und 1 160 Zählern „ist gewaltig“, sagt Acampora. „Der einzige Weg, diesen Widerstand zu brechen, ist ein kraftvollerer Handel.“ Bislang fehlte diese Kraft. Vom 17. Mai, als der S&P 500 auf sein Jahrestief abrutschte, bis zum 8. Juni lag das tägliche Handelsvolumen der New York Stock Exchange bei durchschnittlich 1,3 Milliarden Aktien und damit zwölf Prozent unter dem Jahresschnitt.

Technische Analysten versuchen, aus Kurscharts, Trends und Handelsvolumen abzulesen, wie es um das Angebot und die Nachfrage am Aktienmarkt steht. Eine Rally ist nur dann nachhaltig, wenn sie an ein verhältnismäßig hohes Handelsvolumen gekoppelt ist, sagt Analyst Acampora.

Seit Januar haben sich die Aussichten für den Aktienmarkt verschlechtert, beobachtet Andrew Burkly, Analyst bei Brown Brothers Harriman in New York. Er verweist auf die steigenden Anleiherenditen und auf Spekulationen, dass sich das Wirtschaftswachstum abschwächt. „Was wir im Januar, Februar oder März nicht geschafft haben, als die Fundamentaldaten besser waren, werden wir jetzt, da sich die Bedingungen verschlechtert haben, noch viel weniger schaffen“, sagt Burkly. Er rechnet damit, dass der S&P 500 in diesem Jahr bis zu 15 Prozent fallen wird.

Selbst wenn die Benchmark noch einmal über 1 150 Punkte steigen sollte, deutet die Chartanalyse darauf hin, dass sich eine weitere technische Hürde aufbauen wird, sagt auch Todd Salamone, Vizechef der Aktienanalyse bei Schaeffer's Investment Research in Cincinnati. Investoren, die Anfang 2002 Aktien kauften, dürften verkaufen, wenn der Leitindex bei 1 172 Punkten steht, glauben einige Experten. Denn dann sind die Verluste der Anleger ausgestanden.

Andere Chartanalysten dagegen sind optimistischer. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Marken bis Jahresende knacken werden“, stellt John Murphy von Murphy Morris Money Management in Aussicht. Er ist seit 36 Jahren technischer Analyst. „Die Sommer-Rally kommt, nachdem die Fed die Zinsen erhöht hat“, sagt der Analyst von Murphy Morris Money Management.

Quelle: Handelsblatt

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