Experten hoffen auf hohe Ausschüttungen von spanischen Unternehmen
Spanische Börse schöpft Kraft für weiteren Kursanstieg

Nach einem guten Start ins Jahr 2005 hat die spanische Börse zuletzt Federn gelassen. Bis Mitte Februar hatte es so ausgesehen, als nehme der Madrider Leitindex Ibex-35 Kurs auf die Marke von 10 000 Punkten. Doch von seinem Jahreshoch bei knapp 9 650 Punkten ist der Ibex zuletzt um gut 200 Punkte zurückgefallen.

MADRID. Auslöser für den Rückschlag waren vor allem Einbußen bei spanischen Stromwerten, die mit dem Anstieg des Ölpreises nachgaben. Zudem gelten Versorgeraktien als weitgehend ausgereizt, so dass Anleger zuletzt Gewinne mitnahmen. In Madrid sackte der Aktienkurs von Branchenführer Endesa innerhalb weniger Tage um gut sieben Prozent ab.

Trotz der jüngsten Schwäche gehen Analysten weiter davon aus, dass spanische Aktien ihren Aufwärtstrend 2005 fortsetzen werden. Im Vorjahr erzielte der Ibex-35 erstmals wieder eine höhere Rendite als eine Anlage in spanische Immobilien. Angesichts der Abkühlung der spanischen Bauwirtschaft könnte das dieses Jahr wieder der Fall sein.

Ramón Forcada, Analyst bei Bankinter, setzt vor allem auf die attraktive Dividende, die viele spanische Unternehmen zahlen. Im Vorjahr legten die Ausschüttungen um 16,5 Prozent zu. Für die ersten sechs Monate 2005 rechnen Analysten mit einem weiteren Zuwachs von 24 Prozent, was ein Rekord wäre.

Antonio Zoido, Chef der Madrider Börse, ist noch aus einem weiteren Grund optimistisch: „Im Vergleich zu europäischen Konkurrenten sind die im Ibex notierten Werte bei der Betrachtung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses noch günstig“, sagt er. Und die Geschäftsentwicklung sei positiv: 2004 steigerten die Blue Chips ihre Gewinne im Durchschnitt um 21 Prozent. Das war deutlich mehr als der Anstieg des Index.

Auch die Analysten vom Broker Norbolsa sehen mittelfristig weiteres Potenzial für den Ibex-35. Gegen übermäßige Kursgewinne spreche aber das rückläufige Wachstumsdifferenzial Spaniens zum Rest Europas. 2005 wird die spanische Wirtschaft Prognosen zufolge nur noch um 2,7 Prozent wachsen, die der Euro-Zone um rund zwei Prozent.

Die Marke von 10 000 Punkten haben Analysten noch nicht aus den Augen verloren. „Um diese zu knacken, muss die Börse aber weiter frisches Kapital aus anderen Ländern anziehen“, sagt Augusto Fernández, Analysechef beim Broker Inversis Banco. 2004 legten ausländische Investoren 29 Mrd. Euro am Madrider Aktienmarkt an. Damit war dieser europaweit die Nummer eins. Dazu beigetragen hat die Madrider Plattform für Latino-Aktien, Latibex, deren Handelsvolumen stark anzog.

Hoffnung setzen Börsianer in Madrid derzeit auf die Erholung des bis vor kurzem vor der Pleite stehenden Telekomunternehmens Jazztel sowie auf die Reorganisation Telefónicas. Der größte Telekomkonzern des Landes hat sich die Internettochter Terra Networks wieder einverleibt und sie von ihrem trostlosen Börsendasein befreit.

Positiv könnte sich zudem auswirken, wenn der Betreiber der Madrider Börse, die Holding Bolsas y Mercados Españoles (BME) in diesem Jahr endlich den Gang an den Finanzmarkt wagen würde. Ramón Forcada von Bankinter glaubt, dass der Ibex-35 dann sogar über 12 000 Punkte steigen könnte. Börsenchef Zoido gibt sich aber zurückhaltend und sagt: „Wir warten den richtigen Moment noch ab.“ Und der könnte auch erst 2006 sein.

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