Experten loben die neue Investitionsstrategie des Konzerns
Telefónica-Aktie ist wieder gefragt

Nach einem Kurstief Ende August zieht der Aktienkurs des größten spanischen Telefonunternehmens Telefónica nun wieder an. Mit dem jüngsten Kursanstieg konnte der Konzern seinen Platz als größter Wert an der spanischen Börse verteidigen, den er kurzzeitig an die heimische Bank SCH verloren hatte. Gemessen an der Börsenkapitalisierung von 68,6 Mrd. Euro ist Telefónica – dank der schlechten Börsenentwicklung des amerikanischen Konzerns Verizon – sogar weltweit der größte Anbieter von Festnetz- und Handydienstleistungen.

MADRID. Hinter sich gelassen haben die Spanier damit auch die Deutsche Telekom. „Stimulierend wirken derzeit die Absichten des Präsidenten César Alierta, noch in diesem Jahr das hauseigene Medienunternehmen Endemol an die Börse zu bringen sowie die mögliche Übernahme eines kleineren europäischen Wettbewerbers“, sagt Miguel Jiménez, Analyst beim Madrider Broker Renta4, der die Aktie auf Kauf setzt. Im Gespräch sind der holländische Dienstleister KPN, das britische Unternehmen O2, die griechische OTE und Portugal Telecom.

„Der Zusammenschluss mit den Portugiesen würde am meisten Synergien bringen, da sie bereits ein Joint Venture in Marokko und Brasilien betreiben“, glaubt José Mario Novales, Telekomexperte bei der Madrider Business-Schule Instituto de Empresa. Für KPN, den letzten Übernahmekandidaten, der im Gespräch ist, wollte Alierta nach Zeitungsberichten rund 20 Mrd. Euro zahlen. Novales hält es für richtig, dass Telefónica sich wieder stärker auf Europa konzentriert. Doch die Spanier blicken auch über Europas Grenzen hinaus und nehmen zurzeit am Versteigerungsprozess eines 35prozentigen Anteils von Tunisie Telecom teil.

„Das alles bringt Phantasie und das Geld dafür haben sie auch“, sagt Luis Padrón von der Fortis Bank in Madrid. Allein 750 Mill. Euro will Telefónica durch den Börsengang von 30 Prozent des Endemol-Kapitals einnehmen. Zudem drückt nach Jahren eisernen Stellenabbaus und geringer Investitionen das Unternehmen – anders als viele Wettbewerber – nur eine geringe Schuldenlast. Analysten zufolge sei aber nun wichtig, dass Telefónica weder den Anschluss an die neuen Technologien, noch an die Märkte verliere.

Telefónica-Präsident Alierta hat aber bereits vor wenigen Tagen angekündigt, dass er bis 2008 rund 28 Mrd. Euro für Zukäufe und neue Technologien reservieren wolle. Vor allem der Ausbau des Breitbandnetzes in Spanien steht auf dem Programm. Für Padrón ist der heimische Markt deswegen trotz aller gegenteiligen Experten-Prognosen immer noch interessant: „Wir sind selbst überrascht, aber die starke Nachfrage der rund 2,5 Millionen Immigranten, die hier leben, bietet Wachstumschancen.“

Insgesamt 7,5 Mrd. Euro der Gesamtinvestitionen sollen bis zum Jahr 2008 nach Lateinamerika fließen, wo Telefónica vor allem in Brasilien, Chile, Argentinien und Peru stark vertreten ist. „Das alles sind gute Nachrichten, die den Kurs nach einem relativ müden Jahr langsam wieder in Schwung bringen“, sagt Jiménez. Denn während der spanische Ibex-35 bisher fast 20 Prozent gewann, kam die Telefónica-Aktie trotz guter Geschäftsergebnisse aufs Jahr gesehen kaum voran. Goldman Sachs hält den Titel für unterbewertet und erhöhte für dieses Jahr die Prognose für den Gewinn pro Aktie von 0,94 auf 0,97 Euro.

Neben den genannten Gründen verweisen die Analysten des US-Investmenthauses auf Gewinne der lateinamerikanischen Währungen. Sie bestätigen die Kaufempfehlung und sehen das Kursziel in diesem Jahr bei 14,5 Euro; allerdings notiert die Aktie bereits knapp unter 14 Euro. Die spanische Sparkasse Caja Madrid setzt Telefónica zurzeit ganz oben auf ihre Kaufliste. Die Analysten haben das Kursziel auf 15,7 Euro gesetzt.

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