Experten rechnen durchaus mit „Weißem Ritter“
Börsianer erwarten Nachschlag für Schering

Analysten reagieren wohlwollend auf die Pläne der Darmstädter Merck KGaA für eine Übernahme des Konkurrenten Schering und sehen den Pharmastandort Deutschland gestärkt, sollte es tatsächlich zu der Fusion kommen. An ein Überleben des Berliner Dax-Konzerns als eigenständiges Unternehmen glaubt indes niemand mehr.

DÜSSELDORF. Ulrich Huwald vom Bankhaus M.M. Warburg hält die Merck-Offerte für durchaus angemessen. „Angesichts der Probleme, die Schering mit seiner Produkt-Pipeline hat, ist das schon attraktiv.“ Immerhin liege das Angebot 35 Prozent über dem Drei-Monats-Durchschnitt des Aktienkurses. Ähnlich urteilt sein Kollege Carsten Kunold vom Bankhaus Merck Finck. „Die 77 Euro sind ein Wert, den Schering alleine so schnell nicht erreicht hätte“, urteilt der Analyst im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Am Mittag notierte die Schering-Aktie mehr als 27 Prozent im Plus bei über 85 Euro. Die 77 Euro sind ein Aufschlag von 15 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Allein in den letzten drei Handelstagen der vergangenen Woche war der Kurs um neun Prozent gestiegen. Die Aufsichtsbehörde Bafin hat bereits angekündigt, den Kursverlauf zu prüfen.

Dass Merck sein Angebot noch einmal aufstocken muss, um zum Erfolg zu kommen, hält Huwald dennoch nicht für ausgeschlossen. „Großinvestoren wie die Allianz könnten durchaus eine höhere Prämie verlangen. Aber das ist noch nicht absehbar“, erklärte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. Es sei auch eine Frage, inwieweit sich Merck dem Druck der Marktteilnehmer beugen werde. Strategisch sei die Übernahme für das Darmstädter Traditionsunternehmen durchaus sinnvoll. „Aber nicht zu jedem Preis.“ Allzu viel Potenzial für eine höhere Offerte sieht Huwald jedenfalls nicht mehr.

Die Bewertung des Merck-Angebots durch die Berliner als zu niedrig sei eine „normale Reaktion“ auf ein überraschendes Übernahmeangebot, meint Kunold. „Schering wird versuchen, das beste für seine Aktionäre herauszuholen.“ Er rechnet damit, dass Merck am Ende zum Zuge kommt. Wie schnell das gehen und ob dafür eine Aufstockung der Offerte notwendig sein wird, hänge aber auch davon ab, ob noch ein weiterer Interessent in den Übernahmepoker einsteigt. So werde etwa die Schweizer Novartis schon seit langem als Interessent gehandelt. „Viel höher als jetzt wird es aber nicht gehen. Die Aktie notiert ja bereits deutlich über dem Angebot von Merck.“ Folgerichtig kündigte der Merck-Finck-Experte im Gespräch mit Handelsblatt.com an, sein Anlageurteil „Buy“ auf „Halten“ zu senken. Einen Einstieg in die Aktie hält er nach dem deutlichen Kurssprung vom Montag für zu spät.

Marcus Konstanti vom Bankhaus Sal. Oppenheim gibt sich zurückhaltender. „Die Offerte von Merck ist auf den ersten Blick ein Angebot, das den Wert von Schering nicht ausreichend reflektiert.“ Als Gründe führt er unter anderem an, dass es noch das eine oder andere in der Pipeline bei Schering gebe und nach ersten Berechnungen seines Bankhauses insbesondere bei einer möglichen Zerschlagung von Schering der Wert der Einzelteile höher als die Gesamtofferte sei. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das nur ein Eröffnungsangebot ist und Merck noch einmal nachlegen wird.“ Am Montagmorgen stufte er seine Anlageempfehlung für Schering auf „Buy“ hoch.

Konstanti hält es durchaus für eine Option, dass Schering sich um einen „Weißen Ritter“ bemüht. „Da käme etwa Novartis in Frage. Schließlich gibt es da ja auch gemeinsame Forschungsprojekte, die für die Schweizer auch einen Wert darstellen könnten.“ Ohne einen weiteren Interessenten könne die Übernahme aber relativ schnell gehen. „Für mich ist aber klar, dass Schering nach diesem Angebot von Merck nicht als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben dürfte. Wenn Merck sich nicht durchsetzt, dann ein anderer“, sagt der Sal.-Oppenheim-Experte.

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