Experten rechnen nicht mit Kurswende
Karstadt-Quelle treibt Analysten Sorgenfalten auf die Stirn

Der dramatische Kursverfall bei Karstadt-Quelle ging auch am Montag weiter. Mit einem Minus von rund sieben Prozent war die Aktie mit Abstand schwächster Wert im MDax. Zwar meint das Gros der Analysten, dass mit dem Sanierungsprogramm, das das Management in der vergangenen Woche vorgelegt hat, die Insolvenz verhindert werden kann. Dennoch: Die Aktie bleibt ein riskantes Investment.

FRANKFURT/M. Nur einer von 21 Analysten, die das Unternehmen beobachten, rät derzeit zum Kauf. Cora Helmholz von der Deutschen Bank sieht das Kursziel für die Aktie, die gestern 11,70 Euro kostete, bei 20 Euro. Sie glaubt an eine erfolgreiche Sanierung.

Alle weiteren Analysten rechnen nicht mit der baldigen Kurswende. Seit 2002 ist der Aktienwert von Europas größtem Versand- und Warenhauskonzern um knapp 70 Prozent gesunken. „Der Kursverfall der vergangenen zwei Jahre spiegelt die Geschäftszahlen und das schwache Konsumklima wider“, fasst Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg, den Absturz zusammen. In den vergangenen zwölf Monaten war Karstadt-Quelle neben Medion der schwächste MDax-Wert.

Nach dem Verschleiß von zwei Vorstandschefs soll nun Christoph Achenbach die Wende gelingen. 77 der 180 Warenhäuser sollen ausgegliedert, Fachgeschäfte verkauft und Beteiligungen aufgegeben werden. Die Strategie ist klar: Konzentration auf die Kernbereiche Versandhandel und große Warenhäuser. Nur noch Geschäfte mit mindestens 8 000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen gehalten werden. Die Wachstumstreiber sollen Auslandsaktivitäten und E-Commerce sein.

Kaum ein Analyst widerspricht der Notwendigkeit solcher Vorhaben. Die Risiken sind aber enorm. „Ich bin skeptisch, ob der Konzern seine ehrgeizigen Ziele auch einhalten kann“, sagt Barbara Ambrus, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg. Sie bezweifelt, dass Karstadt-Quelle die 77 Warenhäuser im Paket verkauft. „Einige Standorte sind zwar attraktiv. Doch einen Investoren für alle Kaufhäuser zu finden, wird schwierig“, sagt Ambrus. Im aktuellen Marktumfeld zwischen Kaufzurückhaltung der Konsumenten und Überkapazitäten im Angebot, hat es der Konzern schwer, die Bekleidungshäuser Sinn Leffers, den Modediscounter Wehmeyer oder die Sportfachgeschäfte Golf House zu verkaufen, ohne hohe Buchverluste in Kauf zu nehmen. Sinn Leffers und Wehmeyer stecken tief in den roten Zahlen. Besser ist die Lage bei der Sportkette Runners Point. „Die kann sofort verkauft werden“, sagt der Analyst einer deutschen Privatbank.

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