Facebook-Aktie
Das Milliarden-Dollar-Desaster

Die Facebook-Aktie fällt und fällt. Zeitweise rutscht sie sogar unter 20 Dollar. Wer beim Börsengang Aktien bekommen hat, hat seither fast die Hälfte seines Einsatzes verloren. Doch das ist nicht das einzige Problem.
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New YorkVon hundert Facebook-Profilen sind beinahe neun Dopplungen, das Werk von Kriminellen oder repräsentieren keine Menschen, sondern etwa Haustiere: Der US-Netzwerk teilte am Donnerstag in seinem jüngsten Börsenbericht mit, dass gut 83 Millionen der etwa 955 Millionen aktiven Facebook-Nutzer in Wahrheit „Phantome“ seien. Facebook bemühe sich, „dieses Verhalten einzuschränken oder zu beenden“, hieß es in dem Bericht.

Besonders „unerwünschte Konten“ seien die geschätzten 1,5 Prozent, die Kriminelle für die Versendung von Spammails nutzten, berichtete das Unternehmen. 4,8 Prozent aller Profile gehören demnach Nutzern, die sich gleich zwei oder mehr Identitäten in dem weltweit größten sozialen Netzwerk gönnten.

Auch Haustiere oder andere „nicht menschliche Einheiten“ hätten Facebook-Auftritte. Gut 2,4 Prozent sollen dies insgesamt sein. Die falschen Konten seien vor allem in „weniger entwickelten Märkten wie Indonesien und der Türkei“ zu beobachten. Alles Profile, die der Effektivität von Facebook-Werbung schadet.

Doch das sind die geringeren Probleme, mit denen Facebook derzeit zu kämpfen hat. Die Aktie des weltweit populärsten sozialen Netzwerks steht weiter unter immensem Druck. Am Donnerstag fiel sie im Handel an der Wall Street erstmals unter die Marke von 20 Dollar, erholte sich ein wenig und schloss dann knapp über 20 Dollar.

Die Börsen-Bilanz ist verheerend. Seit dem Gang aufs Börsenparkett hat das weltgrößte soziale Netzwerk fast 50 Milliarden Dollar an Wert verloren - mehr als Hewlett-Packard oder Starbucks überhaupt wert sind.
Für Anleger, die beim Börsengang im Mai noch 38 Dollar bedeutet das einen Verlust um fast die Hälfte.

Facebook hatte im vergangenen Quartal angesichts hoher Personalkosten sowie Investitionen in neue Produkte, Technik und Marketing ein dickes Minus von 157 Millionen Dollar eingefahren. Überdies wuchs das von Mark Zuckerberg gelenkte Soziale Netzwerk langsamer als manche Analysten erhofft hatten.

Die Frage ist, ob es dem Unternehmen gelingen kann, die Masse seiner der Nutzer auch in Einnahmen umzumünzen. Vor allem die steigende Beliebtheit der Smartphone-Apps hat sich als Problem herausgestellt - auf den kleinen Bildschirmen lässt sich schwerer Werbung unterbringen.

Dass Firmenchef Mark Zuckerberg bei Vorstellung der Quartalszahlen keine Prognose für das laufende Quartal abgegeben hatte, verunsicherte die Anleger zusätzlich. Sie flohen in den vergangenen Tagen in Scharen aus den Titeln. Seit dem Börsengang im Mai vernichtete Facebook damit mehr als 30 Milliarden Dollar an Börsenwert.

Facebook-Chef Zuckerberg zeigte sich aber dennoch zuversichtlich. Die Ergebnisse von neuen Werbemöglichkeiten seien ermutigend. Facebook habe einen „klaren Weg“ gefunden, um ein starkes Mobil-Geschäft aufzubauen. Viele Investoren befürchten allerdings, dass das Unternehmen auf Mobiltelefonen und Tablet-PCs keine hohen Werbeeinnahmen erzielen kann.

Weiter Sorgen bereitet Investoren, dass am 16. August die Sperrfrist für Insider-Verkäufe endet - dann können erstmals Mitarbeiter und Investoren aus den Kindertagen von Facebook mit dem Verkauf von Aktien beginnen. Analysten wie Anthony Victor von Topeka Capital Markets rechnen nicht mit einem groß angelegten Ausstieg, sehen allerdings auf kurze Sicht auch nur wenig Aufwärtspotenzial für das Facebook-Papier. Fest steht: Als die Sperrfrist bei Groupon oder Zynga gefallen war, gaben die Aktien neun beziehungsweise acht Prozent nach.

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  • Fehler: fast schon wie aus dem Lehrbuch...
    Und die Fehler hören nicht auf: das wird munter weiter gehen.

  • warum haben wohl Zuckerberg und Co. diret nach dem Börsengang Anteile verkauft und Kasse gemacht... die wußten doch genau was anschließend kommen würde... ein völlig, durch geschickte Pressearbeit, überzogener Aktienkurs der sch auch weiterhn nach unten bewegen wird... so wird man mit einer geklauten Idee und Finanzleuten aus New York vermögend...

  • Sie haben Ihre "Lehren" gezogen. Also hatte es auch eine gute Seite...

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