Facebook-Börsengang

„Die Wall Street wurde an der Nase herumgeführt“

Der Börsengang von Facebook war ein Schock für alle Beteiligten. Fast vier Wochen nach dem Handelsbeginn hat sich die Aktie immer noch nicht von ihrem holprigen Start erholt. Und die Banker zetern.
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Die Facebook-Aktie hat bisher die Investoren enttäuscht. Quelle: dapd

Die Facebook-Aktie hat bisher die Investoren enttäuscht.

(Foto: dapd)

New York, San FranciscoDie Aufarbeitung des missratenen Facebook-Börsengangs hat gerade erst begonnen. 30 Prozent hat die Aktie des Internetkonzerns bisher verloren. Zahlreiche Start-Ups sagten bereits ihre Börsengänge ab, weil die verärgerten Investoren erst einmal keine Lust mehr aus diese Art von Investments haben.

Das Fiasko wirft ein Schlaglicht auf das Zusammenprallen zweier Kulturen, die sich eigentlich noch nie verstanden haben. Auf der einen Seite stehen die jungen, wilden Visionäre von morgen, die mit Internetseiten und Apps zu Multimillionären oder – wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg - zu Milliardären werden. Auf der anderen Seite stehen die konservativen Banker der Wall Street, hungrig nach Boni und daran gewöhnt, dass sie die Regeln diktieren.

Doch der Fall Facebook zeigt, dass das Spiel mit den Größen aus der Internet-Welt nach ganz eigenen Regeln funktioniert. Beide Seiten müssen lernen, miteinander umzugehen. Vor allem die Wall Street, kritisieren Beobachter, muss zur nüchternen Realität zurück finden. „Die Wall Street wurde komplett an der Nase herumgeführt“, äzt Jeff Sica, IPO-Experte und Gründer der Vermögensverwaltung Sica Wealth Management. Er kann kaum verstehen, was da passiert ist. „Die Wall Street hat mit ihrem Verhalten gezeigt, dass sie genauso anfällig für den Hype war wie alle anderen auch. Aber die Banker hätten es besser wissen müssen.“

Doch sie wussten es nicht besser. Im Gegenteil: Sie erlagen dem charismatischen Charme eines 28-jährigen Selfmade-Man mit dem Selbstbewusstsein einer Dampfwalze, der ihnen bewaffnet mit Hoodie und Blue Jeans den Schneid abgekauft hat. Sie akzeptierten bereitwillig Bewertungskennzahlen jenseits aller Relationen, zuckten nicht einmal bei einem Kursgewinnverhältnis von fast 100 zusammen, ertrugen substanzielle Änderungen am Börsenprospekt nur wenige Tage vor der Erstnotiz. Als sie aus dem kollektiven Rausch erwachten, war es schon zu spät.

 

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9 Kommentare zu "Facebook-Börsengang: „Die Wall Street wurde an der Nase herumgeführt“"

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  • Und so was leistet sich Handelsblatt auf Ihren Seiten?!
    Egal, was hier so ideologisch-propagandistisches MassenBilligSchwachsinn produziert wird, glaubt und liest kein Mensch mehr, was hier alles so geschrieben wird:
    weder hat facebook wallstreet an der Nase herumgeführt, noch umgekehrt, weder haben die facebook Aktien so viele Menschen (oder Organisationen) gekauft, daß der Aktien-ausgabe-preis gerechtfertigt wäre, noch haben so viele Menschen diese Aktien so schnell verkauft, dass solcher Kursverfall ausgelöst worden wäre - nein und wieder nein, alles nur sehr sehr schwache Wischi-Waschi-Global-Total-Brutal-Betrug: die Aktienkurse entsehen nicht etwa durch Angebot und Nachfrage, nein, sie werden einfach direkt so rein geschrieben. Das ist meine persönliche Meiung. Und ich bin mir ziemlich sicher, so denken sehr sehr viel Menschen, mit denen ich über diese Dinge rede.
    Isaak Busch-vereidigter Übersetzer für Russisch
    www.isaak-busch.de

  • Es hat niemanden getroffen, der es nicht verdient hat.

  • "Sie akzeptierten bereitwillig Bewertungskennzahlen jenseits aller Relationen, zuckten nicht einmal bei einem Kursgewinnverhältnis von fast 100 zusammen, ertrugen substanzielle Änderungen am Börsenprospekt nur wenige Tage vor der Erstnotiz. Als sie aus dem kollektiven Rausch erwachten, war es schon zu spät."

    Gier frisst Hirn! Offenbar sind da immer noch die gleichen Finanznullen am Ruder, die schon seit Jahren Schein und Sein nicht auseinander halten können und uns mit ihrer Borniertheit von einer Inflation/Blase (Internet-, Immo-, Derivate-, Staatsanleihen, Dollar-Blase) in die nächste führen. So weiß jedes Kind, dass die USA mittlerweile ein Verschuldungs- und Haushaltsdefizitniveau erreicht haben bei dem jeder neu ausgegeben Bond einem Kreditbetrug gleicht, da das Rückzahlungsversprechen zum Realwert für alle ausstehenden US-Anleihen mit Sicherheit nicht eingehalten werden kann. Wahrscheinlich wissen es die WallStreet-Tölpel sogar aber jeder einzelne hofft, dass für ihn noch Stuhl bereit steht, wenn die Musik verstummt oder zumindest wegen To-Big-Fail die Verluste unbeteiligten Dritten übergeholfen werden können. Gemeingefährliche Dumpfbacken an den Schalthebeln der Finanzmacht, von denen sie in jeder Marktwirtschaft durch Pleite ihrer Zockerbude längst entfernt worden wären. Nur leider ist die Marktwirtschaft ebenso wie die Demokratie nur noch Show für's Volk.

  • Der Facebook-Börsengang war wieder einmal ein neues, eindrucksvolles Beispiel aus der Rubrik "Gier frisst Hirn".

    Und richtig: was "produziert" Facebook eigentlich? NICHTS, was von Belang wäre.

  • Ich habe Facebook von Anfang an als eine hochspekulative Aktie angesehen. Und ehrlich gesagt: meine negative Erwartung wurde nicht enttäuscht. Wenn Börsengänge derart gehypt werden, dann sollten alle Alarmglocken schrillen.

  • Zuckerberg will Alleinherrscher über seinen Laden bleiben und enthält den Aktionären deshalb wichtige Rechte vor. Wer angesichts dessen in ein noch dazu sehr intransparentes Wolkenkukucksheim investiert, ist selbst schuld, wenn am Ende ein Verlust bleibt. Von denen, die jetzt also über Verluste jammern, tut mir keiner leid!

  • "Auf der anderen Seite stehen die konservativen Banker der Wall Street, hungrig nach Boni und daran gewöhnt, dass sie die Regeln diktieren."

    Tja, hätten sie mal ihre Ratingagenturen gefragt.

    Die Internet-Werbewirtschaft ist ein sabbernder Haufen, der Blut bei jedem Klick riecht. Für Klicks wird alles getan, sogar die eigene Großmutter verschachert. Alle vereint mit großen Medienzentralen, inkl. der öffentlich rechtlichen Anstalten, die ebenfalls das große Zuschauerwunder erwartet haben, Klick me, Like me, Liebe mich, jede Stimme zählt. Sie sind so liebeshungrig das die Endorphine der Banker Purzelbäume vor lauter Glück geschlagen haben, endlich wieder in Milliardärchen machen, endlich wieder Adrenalin. Endlich wieder aus einem Schein 100 Scheine gemacht, man liebt wieder. Da lohnt es sich doch wieder ins Büro zu gehen.
    Und nun wirds Zeit, sich die Gesichter mal für die echten Umsätze zu schaffen, Meier für Shampoo, Lieschen für Antiaging, Molly für Dünnpillen, Versicherungen gegen Akne, eigenes Müsli. Klick dich schlank, nein fett.
    Insgesamt sagt das mehr aus, als ganze Finanzmärkte das vermögen, diese handeln tatsächlich genauso, FB ist ein Symptom für eine Krankheit, eine Suchtkrankheit. Einen Ismus, Dollarismus? Mit einem geheimnisvollen Glitzern in den Augen sitzt man vor der Schlange mit drehenden Augen, Geld, Geld, Geld! Bis das Hirn aufgefressen ist und man sich in öffentliche Einrichtungen begeben muß. Entzug ist eine schwere Sache.

  • Schönes Artikel. Kurze Anmerkung: Das Mode Start-Up aus San Francisco heißt Betabrand, nicht Beatband.

  • Mit gesundem Menschenverstand war das doch vorhersebar.
    Wenn ein Konzern nichts herstellt und nur durch Datenklau bzw Werbung Geld verdient (und das auch erst seit kurzem), kann er an der Börse nicht mehr Wert sein, als VW, Daimler und Siemens zusammen. Die völlige Internetblase, an der sich die amerikanischen Investmentbanken, die am Börsengang beteiligt waren, eine Goldene Nase verdient haben.

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