Facebooks Börsengang
Krimi ohne Happy End

Die Erwartungen waren riesig – doch Facebook hat sie enttäuscht. Der Kurs der Facebook-Aktie hielt sich zeitweise nur durch Hilfe von Banken im Plus. Firmengründer Mark Zuckerberg ist trotzdem zufrieden.
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Washington„Was machst Du gerade?“, fragt Facebook seine Nutzer auf ihrem Profil und fordert sie auf zu schreiben, was ihnen so durch den Kopf geht. Auf Mark Zuckerbergs Seite finden sich dazu viele Einträge, über seinen Hund etwa oder auch die Meldung, er sei jetzt Organspender. Am Freitagmorgen änderte der 28-Jährige seinen Staus erneut. Er schrieb: „Mark hat ein Unternehmen an die Nasdaq gebracht“. Binnen einer Stunde hatte der Eintrag 200 „Gefällt mir“-Klicks. „Wow, gratuliere“, kommentierten die Nutzer, oder auch einfach nur „Wahnsinn!“.

So klingt es in der Facebook-Welt, wenn das soziale Netzwerk einen der größten Börsengänge aller Zeiten hingelegt und seinen Gründer und Chef Zuckerberg zum Multimilliardär macht. Gleichzeitig fieberte am Freitag die gesamte Finanzwelt und die Wirtschaftspresse rund um den Globus mit, wie sich das Papiere des Neulings an der Technologiebörse Nasdaq in New York entwickelte. Was sie erlebten, war ein wahrer Krimi, allerdings vorläufig ohne Happy End.

Bereits der Start war rumpelig. Wegen der Masse an Kauf- und Verkauforders streikte erst einmal das System. Die Folge: Der Handel der Facebook-Aktie erst gegen 11.30 Uhr New Yorker Zeit beginnen, eine halbe Stunde später als geplant. Kurz danach sah alles nach einem sensationellen Debüt aus: Die Aktie, Ausgabepreis 38 Dollar, schoss innerhalb von Sekunden auf 43, später sogar auf bis zu 45 Dollar nach oben. Doch dann ging es fast ebenso schnell wieder bergab, kurzzeitig sogar bis auf den Ausgabepreis.

Weil der Kurs dort unten zu verharren drohte, hatte die Aktie ein wenig Anschub nötig. Und so schlug die Stunde der am Börsengang beteiligten Banken, die zwischendurch helfend eingriffen: Sie kauften nach Berichten des „Wall Street Journals“ und der Finanznachrichtenagentur Bloomberg bis zuletzt immer wieder Aktien, damit diese nicht unter 38 Dollar rutschen. Offenbar mit Erfolg: Der Kurs stieg zwischenzeitlich auf rund 40 Dollar an. Zum Börsenschluss ging das Papier dann mit 38,23 Dollar aus dem Handel - ein mageres Plus von 0,61 Prozent.

Für viele eine enttäuschende Zahl. Zwar waren sich Analysten zuvor uneins, ab welchem Preisaufschlag das Börsendebüt als Erfolg gelten kann, die Erwartungen schwankten zwischen 15 und mehr als 30 Prozent. Doch der tatsächliche Gewinnzuwachs liegt weit unterhalb dieser Spanne. „Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute”, sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. „Sie hatten darauf gehofft, dass sich Facebook deutlich besser schlägt”.

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  • "Zuckerberg war trotzdem zufrieden" - waren auch die damals vom Neuen Markt, als sie mit ihren Unternehmen, die gerade mal das Jahr zu vor nen Bürostuhl besessen haben, an die Börse gingen. Zufrieden sind die auch heute noch, da das niemanden mehr interresiert ob die Bruchbuden einen Börsenkurs von 1 Cent oder 2 Cent haben. Abkassiert haben die sofort und das reicht für den Rest des Lebens.
    Für Zuckerberg war es die letzte Möglichkeit Kasse zu machen. Vor 3-4 Jahren wäre es wesentlich Sinnvoller gewesen als die Teilnehmerzahlen noch kräftig stiegen. Weiss nicht ob User was bringen die nur noch alle 4-5 Wochen in facebook sind und inzwischen nur noch genervt sind von völlig unsinnigen Meldungen zugemüllt zu werden.

  • Geht*s noch blöder? Nicht die Kommentare hier, aber FB.

  • Die nächste Blase bitte, auch nach FB wird es welche geben. Immer nach dem gleichen Prinzip, "Kostenlosmentalität" nur für Werbezocker, der User wird ausgenommen, gibt seine privaten Urheberrechte an Bild und Text einem Zocker, damit der Kasse machen kann. Und läßt sich dafür noch feiern.
    Wie war das noch? Wir sind die Urheber? Aber die Urheber nach deutschem Gesetz dürfen nicht mal auszugsweise ihre eigenen Werke bei youtube hochladen.
    Ja, so geht das, was dem einem Recht ist, ist dem anderen billig. Oder jeder hat eine nicht zu verachtende Masomentalität, die zu Geld gemacht werden muß. Aber auch in solchen Beziehungen gibt es geben und nehmen. Mal sehen wie lange dieses scheinbare Gleichgewicht hält.
    Ich finds spannend.

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