Fachleute sehen es gern, dass der spanische Konzern von Konsolidierung auf Expansion umschaltet
Telefónica legt in der Analystengunst zu

2005 war noch kein wirklich gutes Jahr für die Aktie des größten spanischen Telefonkonzerns Telefónica, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird. Doch das soll sich ändern. Telefónica-Präsident César Alierta hat nämlich Wachstum durch Zukäufe versprochen.

MADRID. Vom Jahreshoch von rund 14,50 Euro gab der Kurs wieder deutlich nach. „Viele Branchenexperten sind der Meinung, dass der Konzern einfach in der Vergangenheit nicht genug in Zukunftstechnologien investiert hat“, sagt José Mario Alvárez Novales, Telekomexperte der Madrider Business-Schule Instituto de Empresa. Aber in den vergangenen Wochen, argumentiert Analyst Glen Chapman vom Madrider Broker Ibersecurities, habe Telefónica-Präsident César Alierta mehrfach angekündigt, dass er nach einer langen Phase der finanziellen Konsolidierung zumindest wieder an Wachstum durch Zukäufe interessiert sei – und das auch in Europa. Vor einigen Wochen hatte Telefónica 51 Prozent an dem tschechischen Telefonunternehmen Cesky Telecom erworben.

Bis 2008 sollen die jährlichen Investitionen, die derzeit bei 3,7 Milliarden Euro liegen, um bis zu sieben Prozent steigen. „Wir schätzen vor allem, dass diese Expansion nicht mit einer weiteren Verschuldung finanziert wird und somit das derzeitige A-Rating erhalten bleibt“, sagt Chapman. Alierta hatte beim Analystentreffen vor wenigen Tagen angekündigt, dass er die Einnahmen bis 2008 jährlich um bis zu elf Prozent steigern wolle. Der operative Gewinn des 1925 mit einer Bewertung von umgerechnet 600 000 Euro auf dem Madrider Parkett gestarteten und dort heute mit 64,8 Milliarden Euro bewerteten Unternehmens soll um jährlich 19 Prozent zulegen.

Auch das Aktien-Rückkauf-Programm des nach Börsenwert hinter Vodafone und Verizon drittgrößten Telekomunternehmens der Welt wird von den meisten Analysten positiv bewertet – vor allem angesichts der Erwartung, dass der Kurs nach der Präsentation der Quartalsergebnisse der Mobilfunktochter Telefónica Móviles in einigen Tagen wahrscheinlich weiter sinken wird. Analysten sehen für diese Sparte, die den Großteil des Umsatzes von Telefónica ausmacht, kurzfristig wegen Übersättigung des wichtigen spanischen Marktes und dem dort zunehmenden Wettbewerb kein Wachstumspotenzial mehr.

In den kommenden drei Jahren will Alierta für 4,7 Milliarden Euro Aktien zurückkaufen. Für Thomas Friedrich von der Hypo-Vereinsbank ist das ein Grund, die Telefónica-Aktie als „Kauf“ einzustufen: „Zudem liegt das Management mit seiner Fokussierung auf Breitbandzugang und externes Wachstum richtig.“

Vor allem durch die starke Nachfrage nach DSL-Anschlüssen in Spanien hofft Telefónica, 2008 auf 190 Millionen Nutzer zu kommen, davon sollen 125 Millionen Handykunden sein. Wachstum soll vor allem von den lateinamerikanischen Märkten kommen. Der Anteil der DSL-Anschlüsse an der Zahl der gesamten Anschlüsse soll in der Heimat bis 2008 von derzeit rund 15 Prozent auf 30 Prozent wachsen. Das Kursziel setzt Friedrich angesichts dieser guten Aussichten bei 16 Euro fest.

Alierta kommt die verbesserte Stimmung der Analysten gelegen. Er war in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten. Rücktrittsforderungen wurden laut, auch von Seiten der Regierung, die immer noch eine goldene Aktie an Telefónica hält. Der Stimmungsumschwung war auch ein Grund, warum Alierta sich beim Analystentreffen besonders selbstbewusst gab: „Wir wollen gemäß dem Börsenwert die Nummer eins werden“, sagte der 60-Jährige.

Telekom-Experte Novales bezweifelt das noch, sieht das Unternehmen jedoch grundsätzlich auf dem richtigen Weg, da Alierta die Bedeutung integrierter Dienstleistungen erkannt habe: „Endlich setzt er verstärkt auf Technologie und managt das Unternehmen nicht mehr nur nach Finanzgesichtspunkten. Das wird auch der Aktie gut tun“, argumentiert Novales. Zum neuen Stil Aliertas gehört auch, dass Telefónica-Kunden bald auch per DSL-Zugang telefonieren und im Internet surfen sowie digitales Fernsehen abonnieren können. Im Gespräch ist für dieses Paket eine monatliche Gebühr von 42 Euro.

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