Fachleute warnen davor, jetzt schon Kasse zu machen
Ölaktien wie Total liegen gut im Rennen

Ölaktien gehörten in den vergangenen Monaten zu den großen Gewinnern an der Börse, und das wird nach einhelliger Meinung von Analysten auch so bleiben. Der hohe Ölpreis werde die Gewinne der großen Konzerne immer höher treiben, denn es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Preisanstieg die Nachfrage bremse.

LONDON. Das relativ knappe Angebot an Öl wird nach Expertenansicht die Ölförderer zu höheren Investitionen veranlassen, wovon dann Ausrüster und Dienstleister profitieren. Für erfahrene Anleger gelten auch kleinere Explorationsfirmen als interessant.

Auf dem Weltölmarkt ist derzeit die Reservekapazität so niedrig wie lange nicht. Das heißt: Wenn ein Hurrikan im Golf von Mexiko Raffinerien lahm legt oder politische Unruhen in einem Opec-Land den Ölnachschub stören sollten, sind Preissprünge unvermeidbar. „Dann werden Ölaktien weiter gegen den Trend steigen, während viele andere Titel leiden“, sagt Stephen Pope, Leiter der Aktienanalyse beim Brokerhaus Cantor Fitzgerald. Darum raten die meisten Analysten dazu, Ölaktien zu halten oder zuzukaufen. „Es wäre falsch, jetzt Gewinne mitzunehmen“, sagt auch Phil Corbett, Ölanalyst der Investmentbank Numis Securities.

JP Morgan und ABN Amro empfehlen, Ölaktien gegenüber Bergbautiteln überzugewichten. Die Bewertungen im Energiesektor seien günstiger, und die Preise dürften sich besser entwickeln als bei Metallen, schreibt das Aktienstrategie-Team von JP Morgan. Die Märkte erwarteten immer noch zu sehr, dass der Ölpreis wieder sinken werde, argumentieren die Strategen von ABN Amro.

Dabei haben Ölaktien in den vergangenen Monaten schon weit besser abgeschnitten als die vergleichbaren Aktienindizes. So ist der Kurs von Chevron-Texaco seit Jahresanfang um 15 Prozent gestiegen, Royal Dutch/Shell, BP und Eni legten um je 17 Prozent zu und Total und Exxon sogar um 21 Prozent. Dennoch seien Öltitel im historischen Vergleich attraktiv bewertet, sagt Dennis Nacken von Helaba Trust. Das Verhältnis von Kurs zu Cash-Flow liege bei großen Konzernen deutlich unter dem mehrjährigen Mittel.

Unter den Öltiteln empfiehlt Cantor-Analyst Pope ebenso wie Goldman Sachs die französische Total. „Sie ist im Raffinerie-Geschäft sehr aktiv und gibt sich große Mühe, funktionierende Verträge mit Opec-Staaten zu schließen“, sagt Pope. Die LBBW empfiehlt, ebenso wie Merrill Lynch, in einer aktuellen Studie Royal Dutch/Shell zum Kauf. Der Konzern werde von der Vereinigung des niederländischen und des britischen Teils profitieren.

Neuerliche Rekordgewinne in diesem Jahr führen Analysten zufolge zu zweierlei: Erstens werden sie eine weitere Fusionswelle auslösen. Der Kampf um Ressourcen und Förderrechte verschärft sich, wie der Bieterkampf zwischen Chevron-Texaco und der chinesischen CNOOC um die kalifornische Unocal zeigt. Zweitens investieren die Konzerne mehr. Davon wiederum werden Servicefirmen und Ausrüster profitieren, die schon kräftige Preissteigerungen durchgesetzt haben. American-Express-Fondsmanager Clay Hoes favorisiert derzeit Conoco-Phillips. Das US-Unternehmen, dessen Aktienkurs seit Jahresanfang schon um 45 Prozent gestiegen ist, sei stark bei Ölfeld-Dienstleistungen.

Auch unabhängige Explorationsfirmen profitieren von den hohen Ölpreisen, doch diese Titel bergen ein höheres Risiko. „Private Investoren sollten sich hier einen Korb von Aktien zulegen und sich auf Firmen beschränken, die bewiesen haben, dass sie Öl finden können“, rät Pope. Wie wichtig das ist, zeigt der Fall der am Londoner Marktsegment Aim notierten Regal Petroleum. Das Unternehmen sammelte knapp 200 Mill. Euro an der Börse ein und lockte mit enormen Ölfunden in Griechenland. Doch die erwiesen sich als Fata Morgana. Der Börsenwert kollabierte von 900 Mill. auf 140 Mill. Euro. Firmengründer Frank Timis hat nach Angaben des neuen Vorstands vor dem Abschied noch schnell die einzig profitable Tochter in der Ukraine verkauft. Er sucht jetzt Diamanten in Sierra Leone.

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