Fastfood
Hemmungsloser Genuss

Es ist noch nicht lange her, da warb der Fastfood-Riese McDonald’s intensiv für seine fettarmen Produkte. Nun stellt sich heraus: Fastfood-Kunden kaufen wieder mehr kalorienreiche Produkte. Schnellrestaurants profitieren von dem Trend – Weltmarktführer McDonald’s aber auch.

HOUSTON. Big is beautiful – viele Amerikaner bestimmen die Qualität eines Hamburgers nach Größe und Kaloriengehalt. Sprich: Je mehr Käse, Hackfleisch und Speck draufliegt, desto größer der Absatz. Obwohl mehrere Fastfoodketten ihre Speisekarte zwischenzeitlich mit Low-Fat-Gerichten ausgestattet haben, geht der Trend jetzt wieder zurück zur Kalorienbombe: Schnellrestaurants wie Burger King, Hardee’s und What A Burger werben ungeniert mit dem „sündhaft-hemmungslosen Genuss“ ihrer Produkte oder erklären sogar stolz: „Gemüse verboten“.

Auch Weltmarktführer McDonald’s profitiert von der neuen High-Fat-Euphorie. Analysten erwarten steigende Gewinnzahlen, was der Aktie weiteren Auftrieb verleihen soll. Vor wenigen Tagen präsentierte der Burger-Konzern aus Illinois gute Umsatzzahlen für August. Ein Hauptgrund: Steigende Verkäufe beim Frühstücksgeschäft. Dass die Fastfoodfans zusammen mit ihren Egg McMuffins, McGriddles und Co. häufig schon vor Arbeitsbeginn die Hälfte ihres Fettbedarfs für den gesamten Tag verfrühstücken, stört die wenigsten. Auch beim Kaffee hat der Umsatz mit der Einführung neuer Premium-Marken seit Jahresbeginn um ein Fünftel zugelegt. Und das neue Produkt „Snackwrap“ lässt ebenfalls die Kassen klingeln: Mit rund 1,30 Dollar ist der Wrap verhältnismäßig billig und hat trotzdem großen Einfluss auf den Konzernumsatz, sagt John Ivankoe von JP Morgan Chase. „Offenbar kaufen die Kunden die Snackwraps nicht anstelle von teureren Produkten, sondern statt Artikeln aus dem Ein-Dollar-Menü. Oder sie nehmen sie einfach zusätzlich zu ihrer normalen Bestellung.“ Analyst Steven Kron von Goldman Sachs erwartet deshalb „einen Zuwachs bei den Gewinnmargen, was wiederum den Aktienpreis am Markt antreiben sollte“.

Der sieht schon jetzt so gut aus wie lange nicht mehr. Mitte September erreichte der Kurs bei über 38 Dollar ein neues Sechsjahreshoch. Die guten Augustzahlen waren auch deshalb so wichtig für das Anlegervertrauen, weil der Umsatz im Vormonat auf das niedrigste Niveau seit mehr als drei Jahren gefallen war. Zusammen mit Sorgen um den hohen Benzinpreis und das sinkende verfügbare Einkommen der US-Bürger hätte ein weiterer Belastungsfaktor der Aktie empfindlich schaden können.

Doch jetzt sind die schlechten Wirtschaftsaussichten eingepreist, schätzt Ashley Woodruff von der Investmentbank Friedman Billings Ramsey, die zum Übergewichten der Aktie rät. „Die Kunden wollen gerne auswärts essen, denn das bleibt eine kostengünstige Möglichkeit, sich etwas Schönes zu gönnen“, sagt Woodruff.

Dennoch hat McDonald’s den Versuch noch nicht gänzlich aufgegeben, auch gesündere Alternativen anzubieten. Für Kinder hat der Konzern außer den traditionellen Happy Meals jetzt auch Mighty Kids Meals auf der Karte: mit Magermilch statt Coca Cola, Apfelstückchen statt Pommes und Chicken McNuggets aus reiner Hähnchenbrust. Dabei geht es dem Unternehmen auch um den eigenen Ruf, der nach dem Dokumentarfilm „Super Size Me“ sowie zahlreichen Gerichtsprozessen übergewichtiger Teenager schwer gelitten hatte.

Falls die Fitness-Welle die Fastfoodkunden doch noch erreichen sollte, sei McDonald’s darauf bestens vorbereitet, sagt Glen Petraglia von Citigroup. „Unter den großen US-Schnellrestaurantketten ist die Speisekarte bei McDonald’s relativ gesehen die gesündeste.“ Das Unternehmen werde der Konkurrenz deshalb möglicherweise Marktanteile abnehmen. Petraglia erwartet, dass McDonald’s bis mindestens Ende 2008 ein jährliches Gewinnwachstum von neun Prozent einfahren kann.

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