Fiasko
Reliance Power stürzt bei Indiens größtem Börsengang ab

Indiens bislang größter Börsengang endete gestern in einem Fiasko. Bei der Erstnotiz brach die Aktie von Reliance Power um bis zu 21 Prozent ein. Der Versorger schloss schließlich 17 Prozent unter dem Ausgabekurs. Der überraschende Absturz zog den ganzen Markt in die Tiefe. Bombays Börsenbarometer Sensex gab um fünf Prozent nach.

DEHLI. Der Crash unterstreicht einen radikalen Stimmungswandel an Indiens Börsen: Während der Zeichnungsfrist im Januar galt Reliance Power noch als sicherer Tipp für schnelle Gewinne. Der drei Mrd. Dollar schwere IPO war 75-fach überzeichnet, und der Ausgabekurs von 450 Rupien bewertete das Unternehmen mit 30 Mrd. Dollar. Analysten gingen damals davon aus, dass sich die Aktie am Tag der Erstnotiz auf 900 Rupien verdoppeln würde. Dabei hat Reliance Power kaum Anlagevermögen und will frühestens in ein paar Jahren Gewinne schreiben, wenn die ersten von 13 geplanten Mega-Kraftwerken ans Netz gehen. „Die Bewertung war einfach zu hoch“, sagt Bhani Sekhar von Angel Broking, „sie wäre vielleicht in fünf Jahren gerechtfertigt gewesen“.

Zeichner ignorierten dies, weil sie dem Gründer und Mehrheitseigner Anil Ambani magische Geldvermehrungs-Fähigkeiten zutrauen. Im Vorjahr vervierfachte die ebenfalls von ihm kontrollierte Reliance Energy ihren Börsenwert. Indiens zweitgrößter Stromversorger – und Mutter von Reliance Power – machte den Tycoon so zum zweitreichsten Inder. Doch gestern verlor auch Reliance Energy ein Fünftel ihres Werts. Ambani muss nun um seinen Ruf eines Midas kämpfen, der alles, was er anfasst, zu Gold macht.

Erst vorige Woche hatten der Immobilienentwickler Emaar MGF und die Krankenhauskette Wockkardt Hospitals IPOs zurückgezogen. Indiens bisherige „IPO-Pipeline“ beläuft sich noch auf 16 Mrd. Dollar für 2008. „Dafür könnte es eng werden“, fürchtet nun ein Investmentbanker in Bombay. Selbst TV-Börsenguru Udayan Mukherjee, lange Cheerleader wachsender Euphorie, wittert „den Anfang eines überfälligen Fegefeuers für den IPO-Markt“.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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