Filmgeschäft des Medienkonzerns steckt weiter in der Krise – Analysten sehen erst langfristig Chancen
Der Oscar hilft Time Warner wenig

Auf längere Sicht erwarten die Analysten großer US-Banken, sollte der New Yorker Konzern zwar im Filmgeschäft wieder Gewinne einfahren. Bis zu einer echten Wende kann es bei Time Warner allerdings noch dauern.

HOUSTON. Millionen Filmfans weltweit fiebern dem Sonntagabend entgegen, wenn sich die Traumfabrik Hollywood selbst feiert und die jährlichen Academy Awards vergibt. Beim größten Medienkonzern der Welt, Time Warner, fällt die Oscar-Euphorie diesmal zurückhaltender aus – und das, obwohl die Warner-Studios beim Rennen um den besten Film mit Clint Eastwoods Boxdrama „Million Dollar Baby“ und dem Luftfahrt-Streifen „The Aviator“ gleich doppelt vertreten sind.

Denn beide Filme kamen erst spät im viertem Quartal in die Kinos und konnten deshalb die schwächelnde Filmsparte von Time Warner im Jahr 2004 nicht mehr aus dem Tief herausholen. Der operative Gewinn in diesem Bereich sank um mehr als ein Drittel auf 201 Mill. Dollar. Vor allem im Vergleich zum Vorjahr, als die Warner-Studios mit der „Herr der Ringe“-Trilogie und der dritten „Harry Potter“-Verfilmung gigantische Erfolge feierten, sieht das Ergebnis mager aus.

Auf längere Sicht, erwarten die Analysten großer US-Banken, sollte der New Yorker Konzern zwar im Filmgeschäft wieder Gewinne einfahren – zum Beispiel mit Fernsehserien auf DVD, „die im vergangenen Jahr einen erstaunlichen Umsatz von einer Mrd. Dollar erreicht haben und zu einem stabilen Geschäftsbereich für Time Warner geworden sind“, wie Katherine Styponias von der Prudential Equity Group lobt. Bis zu einer echten Wende kann es allerdings noch dauern: Time-Warner-Chef Richard Parsons gab kürzlich zu, dass die Filmsparte auch im laufenden Geschäftsjahr

voraussichtlich „weiterhin zu kämpfen“ habe.

Vorsichtig zeigen sich im Moment auch die Investoren mit Blick auf die Aktie des Konzerns. Seit Jahresbeginn hat Time Warners Aktie fast zehn Prozent an Wert verloren. Zurzeit notiert sie bei gut 17,70 Dollar. Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung der Anleger sind Warners Übernahmepläne für Teile der bankrotten Kabelgesellschaft Adelphia Communications. Gemeinsam mit dem Telekom-Riesen Comcast bietet Time Warner rund 17 Mrd. Dollar Adelphia. „Das lastet schon jetzt auf dem Kurs“, sagt Analyst Douglas Mitchelson von der Deutschen Bank. An seiner Kaufempfehlung hält Mitchelson aber fest: „Der Konzern vertritt eine Philosophie des gleichmäßigen Wachstums, und das zeigen auch die jüngsten Quartalsergebnisse: gesund, aber nicht überhitzt“, sagt er.

Auch andere Experten sind auf lange Sicht optimistisch für Time Warner. Nach Angaben von Thomson First Call empfehlen zurzeit 20 von 30 Analysten die Warner-Aktie zum Kauf. „Nach Jahren des Umbruchs hat die Geschäftsführung jetzt den Kopf frei, sich ums Wachstum zu kümmern“, sagt auch Jessica Cohen von Merrill Lynch. Kurzfristig sieht sie aber durchaus Risiken für die Kursentwicklung: „Die Aktie könnte in den kommenden Monaten noch längere Zeit auf der Stelle treten, weil die Anleger sich darüber Sorgen machen, wie eine mögliche Adelphia-Übernahme aussehen würde.“ Cohen erwartet eine Klärung der Lage bis zum Ende des Quartals, also etwa bis Ende März oder Anfang April.

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