Finanzdienstleister OVB
Noch ein Vertrieb geht an die Börse

MLP und AWD haben es vorgemacht, jetzt zieht die OVB nach. Am 21. Juli plant der Kölner Finanzdienstleister sein Börsendebüt. Zwischen 54 und 78,7 Mill. Euro will das Unternehmen um Vorstand Michael Frahnert damit einnehmen. Doch Analysten sehen das mit Skepsis.

FRANKFURT. Unter dem Strich landen davon nur 22 bis 32 Mill. Euro in der Unternehmenskasse, der Rest geht an die Mitarbeiter, die ihre Aktien aus Beteiligungsprogrammen verkaufen. Ausgeben will Frahnert das Geld für Zukäufe im Ausland. Schon jetzt erwirtschaftet das Unternehmen mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb von Deutschland. Frahnert will vor allem in Mittel- und Osteuropa wachsen. Ende 2006 geht es in die Ukraine, mittelfristig in die baltischen Staaten.

Dennoch sind Analysten skeptisch. „Künftig wird eine unabhängige Beratung immer wichtiger – und da hapert es bei der OVB“, sagt Konrad Becker vom Bankhaus Merck, Finck & Co. Mehrheitseigner ist mit 54 Prozent der Deutsche Ring. Der Versicherer Signal Iduna und die Volksfürsorge halten jeweils rund 12 Prozent.

OVB-Vorstand Frahnert betont jedoch stets seine Unabhängigkeit. Im Jahr 2005 wurden nur 20 Prozent des Neugeschäfts mit Produkten der Großaktionäre generiert.

„Ein bisschen spät dran“, seien die Kölner mit Ihrem Börsengang heißt es in der Branche. Denn das Marktumfeld für Finanzdienstleister ist nicht mehr ganz so rosig wie noch vor einigen Jahren: Seit kapitalgedeckte Lebensversicherungen bei Auszahlung zur Hälfte besteuert werden, ist das Neugeschäft um rund ein Drittel eingebrochen. Die Branche muss neue Geschäftsfelder und Produkte suchen.

Vor allem private und betriebliche Altersvorsorge bieten sich an. Über rund 5,5 Bill. Euro freies Vermögen werden die deutschen Haushalte im Jahr 2010 verfügen, derzeit sind es rund 4,5 Billionen, hat die Unternehmensberatung Droege ermittelt. Ein großer Teil davon werde in die private Altersvorsorge fließen.

„Doch das sind komplexe, beratungsintensive Produkte“, warnt Jens Baumgarten von der Unternehmensberatung Simon Kucher. „Da muss massiv ins Know-How der Berater investiert werden, das hat die Branche bisher verschlafen.“ Ab 1. Januar 2007 tritt zudem die EU-Beraterrichtlinie in Kraft. Dann müssen Berater ihre Qualifikation nachweisen und haften bei Falschberatung.

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