Finanzierungsklima für junge Biotechfirmen gilt jedoch weiterhin als schwierig
Pharma-Börsenneuling Speedelwird überraschend hoch bewertet

Mit einem ungewöhnlichen Manöver testet die Schweizer Speedel die Börsen- und Finanzierungsbedingungen für biopharmazeutische Firmen in Europa. Das Unternehmen hat seine Aktien an der Börse in Zürich zum Handel zugelassen, den Börsengang aber nicht, wie sonst üblich, mit der Emission neuer Aktien verbunden.

shf FRANKFURT/M. Gemessen an der überraschend hohen Erstbewertung erscheint das Manöver erfolgreich. Immerhin notierte die Speedel-Aktie gestern, am ersten Handelstag, mit Kursen von um die 140 Schweizer Franken ein Viertel höher als von vielen Beobachtern erwartet. Das entspricht einem Börsenwert von etwa 940 Mill. Franken (rund 610 Mill. Euro). Noch vor wenigen Monaten war Speedel mit dem Versuch einen regulären IPO durchzuführen an mangelnder Nachfrage gescheitert. Damals war man mit einer Bewertung von rund einer Mrd. Franken ins Rennen gegangen, was die meisten Investoren als zu hoch betrachteten. Frisches Geld besorgte man sich stattdessen mit einer privat platzierten Wandelanleihe.

Ungeachtet der erfolgreichen Erstnotierung zeigten sich Branchenkenner skeptisch, ob das Modell als Vorbild für andere Biotechfirmen oder als genereller Indikator für die Finanzierungsbedingungen der Branche betrachtet werden kann. „Den Erfolg wird man erst in einigen Monaten beurteilen können“, schätzt Michael Fischer von Medical Strategy, einer Research und Investmentfirma im Bereich Healthcare. Eine Gefahr sehen Experten unter anderem darin, dass bisherige Speedel-Aktionäre die Notierung in den nächsten Monaten zum Ausstieg nutzen könnten.

Insgesamt gilt das Finanzierungsklima für junge Pharma- und Biotechfirmen nur als mäßig, obwohl sich die Bewertungen an der Börse in jüngerer Zeit etwas verbessert haben. Mehrere Börsenneulinge wie die Schweizer Basilea oder die deutschen Firmen Paion und Epigenomics, die 2004 und im ersten Halbjahr 2005 an den Markt kamen, notieren indessen noch immer unter ihren Emissionskursen. „Auch europäische Investoren haben inzwischen an Erfahrung gewonnen und akzeptieren nur Unternehmen, die mit realistischen Bewertungen an den Markt kommen“, sagt Nicholas Draeger vom Schweizer Fonds-Manager Adamant Biomedical.

Für Inhaber und Kapitalgeber von privaten Biotechfirmen hat daher in jüngerer Zeit auch der Komplett-Verkauf an große Pharmakonzerne an Bedeutung gewonnen. Das Interesse an Übernahmen hat zuletzt die britische Glaxo-Smithkline mit dem geplanten Kauf der kanadischen Impfstoff-Firma ID Biomedical demonstriert. Teilweise haben sie damit einen früheren Trend revidiert, der Ende der 90er Jahre zur Ausgliederung von Forschungsprojekten führte und etliche erfolgreiche Biotechfirmen hervorbrachte.

Auch Speedel ist 1998 durch ein solches Manöver entstanden und hat ihr Hauptentwicklungsprojekt damals aus den Labors des Baseler Pharmariesen Novartis übernommen. Aliskiren, ein Wirkstoff gegen Bluthochdruck, befindet sich derzeit in der abschließenden Testphase und soll 2006 in das erste Zulassungsverfahren gehen. Schon vor zwei Jahren hatte Novartis Vertriebsrechte zurückerworben. Inzwischen zählt Aliskiren zu den Hoffnungsträgern des Baseler Pharmariesen.

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