Finanzmärkte
Börsenboom in Spanien

Nach dem Einbruch der Finanzmärkte im Jahr 2001 war es sehr ruhig auf dem spanischen Parkett geworden. Nun expandieren selbst kleinere Unternehmen international und suchen sich die Finanzierung dafür zunehmend an der Börse. An dem Trend verdient die zweitgrößte spanische Bank BBVA prächtig.

MADRID. Im dritten Quartal diesen Jahres war Madrid in Europa mit einem Volumen von 991 Mill. Euro nach London der zweitgrößte Neuemissionsmarkt. Neben der spanischen Börsenholding BME ging im Zeitraum von Juli bis Oktober das Bauunternehmen Riofisa an die Börse. Das vierte Quartal bleibt vielversprechend: Gerade platzierte das Medienunternehmen Vocento knapp 20 Prozent seines Kapitals auf dem spanischen Finanzmarkt und erreichte einen Marktwert von über zwei Mrd. Euro.

„Nach dem Einbruch der Finanzmärkte im Jahr 2001 war es sehr ruhig auf dem spanischen Parkett geworden, aber jetzt in der Hochphase trauen sich auch kleinere Unternehmen wieder an die Börse“, sagt Hernani Burzako, Finanzchef der BME dem Handelsblatt. Die BME selbst hatte ihren Börsengang lange hinausgezögert, weil der Markt in vergangenen Jahr nicht richtig in Gang gekommen war. Das Umfeld habe sich jedoch jetzt eindeutig geändert, sagte Burzako.

Der spanische Referenzindex Ibex-35 hat vor wenigen Tagen die 15 000er-Marke überschritten und notierte auf Höchststand. Zwar fiel der Aktienindex inzwischen auf 14 200 Punkte zurück, „aber wir befinden uns immer noch in einer expansiven Phase“, schätzt Burzako. Weitere Neuemissions-Ankündigungen geben ihm Recht. Am Freitag hat die stark expandierende spanische Billig-Fluggesellschaft Vueling ihren Börsenstart auf den 1. Dezember festgelegt. Das in Barcelona ansässige Unternehmen wurde erst vor zwei Jahren gegründet. Die größte spanische Sparkasse La Caixa informiert am gleichen Tag die spanische Notenbank sowie die Regierung über ihre Absichten, ihre Beteiligungsholding, deren Wert sie auf 20 Mrd. Euro schätzt, im kommenden Jahr an die Börse zu bringen. Haben bisher US-Investmentbanken das Neuemissionsgeschäft in Spanien angeführt, liegt in diesem Jahr nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Financial die zweitgrößte spanische Bank BBVA mit einem Volumen von 717 Mill. Dollar auf Platz zwei des entsprechenden Rankings. Marktführer Morgan Stanley kommt allerdings bis November noch immer auf fast doppelt soviel Volumen. Bei fünf Neuemissionen hat die BBVA in diesem Jahr mitgemischt. Der Erzrivale, die größte spanische Bank Santander, liegt dagegen bei diesem attraktiven Geschäftssegment immer noch weit zurück. Santander Investment belegt im Ranking gerade mal den sechsten Platz.

Der starke Drang spanischer Firmen, an die Börse zu gehen, hat auch die mittelgroße US-Investmentbank Piper Jaffray nach Madrid gelockt. „Wir setzen hierbei vor allem auf mittelständische Firmen“, sagt der Chef der gerade eröffneten Madrider Niederlassung, Guillermo Menéndez Escandón. Die großen Investmentbanken schenkten diesen Unternehmen keine große Aufmerksamkeit.

Der erste Kandidat für die Amerikaner hätte die dynamische, aber noch kleine Fluggesellschaft Vueling sein können. Aber das Unternehmen, dessen Marktwert auf rund eine Mrd. Euro geschätzt wird, setzt bei der Platzierung von 47 Prozent seines Kapitals unter anderem auf Apax Partner. Auch die großen spanischen Banken kommen hierbei nicht zum Zug.

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