Finanzmärkte spekulieren auf höhere Offerte von MAN für Scania
VW-Aktie klettert auf Siebeneinhalb-Jahres-Hoch

Spekulationen auf eine höhere Offerte des MAN-Konzerns für den schwedischen Lkw-Hersteller Scania haben den Aktienkurs des Münchener Unternehmens am Donnerstag belastet.

HB MÜNCHEN. „Es wird davon ausgegangen, dass MAN sein Angebot für Scania erhöhen wird“, sagte ein Händler. Zudem gebe es nach dem Einstieg von Volkswagen bei MAN im Übernahmepoker um Scania keinen Grund mehr für die Wolfsburger, weitere Aktien zu kaufen. Dies drücke die MAN-Aktie zusätzlich. Bis zum Mittag gab der Kurs der MAN-Aktie in einem festeren Gesamtmarkt um knapp drei Prozent auf 66,44 Euro nach.

Die VW-Aktie legte dagegen zeitweise um bis zu zwei Prozent auf 70,21 Euro zu, den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren. „VW ist der Gewinner der ganzen Aktion“, sagte ein Händler.

MAN hat 9,6 Milliarden Euro für Scania geboten, davon 7,5 Milliarden Euro in Bar. Das Angebot bewertete die Scania-Aktie zum damaligen Zeitpunkt mit 442 schwedischen Kronen. Die Offerte wurde von Volkswagen ebenso wie von der Holding-Gesellschaft Investor AB der Industriellenfamilie Wallenberg als zweitem Hauptaktionär von Scania abgelehnt. Die schwedische Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“ berichtete, Scania-Chef Leif Östling habe bei geheimen Treffen mit Investoren gesagt, er selbst würde als Scania-Aktionär eine nachgebesserte Offerte von über 500 Kronen akzeptieren. Eine Scania nahe stehende Person sagte aber, die Gespräche mit Investoren hätten vor zwei Wochen stattgefunden, und Östling habe da nichts zum Thema eines denkbaren akzeptablen Preises gesagt. An der Stockholmer Börse legte die Scania-B-Aktie, die weniger Stimmrechte als die von VW gehaltenen A-Aktien besitzt, bis zum Mittag um 0,4 Prozent auf 464 Kronen zu.

Im Tauziehen um Scania hatte VW zuletzt gut 15 Prozent der Anteile von MAN erworben. VW ist gleichzeitig mit 34 Prozent der Stimmrechte wichtigster Aktionär des schwedischen Lkw-Herstellers und strebt eine Dreier-Allianz zwischen MAN, Scania und dem eigenen Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen in Brasilien an. VW hatte dabei mehrfach auf die strategische Bedeutung des Nutzfahrzeuggeschäfts für den Konzern verwiesen, was auf ein Interesse an einer großen Beteiligung an dem denkbaren gemeinsamen Unternehmen schließen lässt.

In Branchenkreisen wird das Vorgehen von VW als Hinweis darauf gewertet, dass alle Seiten auf gutem Weg seien, sich einander anzunähern. „Nun müssen alle erst einmal miteinander reden“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Eine andere Person sagte, eine Nachbesserung der MAN-Offerte sei erst zu erwarten, wenn sich die beteiligten Parteien - VW, Investor, MAN und Scania - einig seien. MAN gab keinen Kommentar ab, und auch von Volkswagen war keine neue Stellungnahme zu erhalten.

Michael Punzet, Analyst der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz, stufte die VW-Aktie am Donnerstag unverändert mit "Outperformer" ein. Folgendes Szenario hält er für am wahrscheinlichsten: MAN bessere das Scania-Angebot auf 54 Euro je Scania-Aktie nach und führe das Mix & Match-Verfahren ein. Dieses ermögliche es den Scania-Aktionären ein von dem Basis-Angebot abweichendes Aktien/Bar-Verhältnis zu wählen. Der Analyst geht davon aus, dass der überwiegende Teil der Scania-Aktionäre ein Bar-Angebot bevorzugen würde und VW entsprechend eine höhere Aktienkomponente erhalte. Würden beispielsweise 30 Prozent des Scania-Kapitals auf ihre Aktien verzichten, könnte VW insgesamt mehr als 20 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Damit würde VW auf der einen Seite die geforderte strategisch bedeutsame Position bekommen und könnte auf der anderen Seite die Pläne zur Einbringung der VW-Nutzfahrzeugaktivitäten aktiv vorantreiben.

Die Analysten der Nord LB blieben am Mittwoch bei ihrem "Kaufen"-Rating für die Volkswagen-Aktie, erhöhten aber das Kursziel von 67 auf 78 Euro.

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