Finanztitel
Rekordjagd der Banken läuft aus

Die Finanzkrise führt zu einer Neubewertung von Aktien und Anleihen: Nachdem bereits die Schweizer Bank UBS dem deutschen Markt ein erhöhtes Risikopotenzial attestierte, wird voraussichtlich auch die Bundesregierung zu einer ähnlichen Einschätzung kommen.

FRANKFURT. Seit Jahren kennen die Gewinne und die Aktienkurse deutscher Banken im Grunde nur eine Richtung: nach oben. Dieser Trend droht nun angesichts der Finanzkrise zu kippen. Sorgen bereiten insbesondere die Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum.

Vor allem ausländische Investoren waren im Jahr 2003 bei deutschen Kreditinstituten eingestiegen, weil sie – anders als viele

inländische Anleger – die Agenda 2010 des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder als Aufbruchsignal für die Konjunktur sahen. Sie wurden – etwa im Fall der Commerzbank – mit einer Verfünffachung des Einsatzes belohnt. Nun, da die Finanzkrise vor allem deutsche Banken an den Rand der Insolvenz trieb und die Konjunkturaussichten sich wieder eintrüben, werden ausländische Experten als erste wieder vorsichtig.

„Wir stellen fest, dass unsere Volkswirte ihre Wachstumsprognosen für Deutschland revidiert haben, und wir glauben, dass derzeit das Risikopotenzial höher ist als die Chancen“, schrieb gestern Philipp Zieschang, Bankenanalyst bei der Schweizer Großbank UBS. Auch die Bundesregierung wird nach Handelsblatt-Informationen ihre Wachstums-Schätzungen für 2008 wegen der Finanzkrise senken. Zieschang reduzierte bereits seine Empfehlung für die vor allem in Deutschland tätige Commerzbank von „Kaufen“ auf „Neutral“.

Die UBS selbst warnte gestern für ihr Geschäft vor Milliardenabschreibungen wegen der Finanzkrise. Nach dem Platzen der US-Immobilienblase müssen Banken weltweit Kredite in ihren Büchern berichtigen. Die UBS kündigte daher für das gerade beendete Quartal einen Verlust von bis zu 800 Mill. Franken an. Ob und in welcher Größenordnung ähnliche Ankündigungen auch von deutschen Banken kommen, ist völlig unklar. Thomas Rothäusler, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, rechnet bei der Commerzbank mit Abschreibungen von bis zu 450 Mill. Euro. Er bewertet die Aktie mit „Neutral.“ Bei der Deutschen Bank halten sich Spekulationen, dass Kreditzusagen für Übernahmefinanzierungen um 1,7 Mrd. Euro wertberichtigt werden müssen.

Die Schlüsse, die die Analysten aus den wenigen Aussagen der Institute und der UBS-Ankündigung ziehen, sind aber nicht nur negativ. „Die nicht von der Krise betroffenen Geschäftsbereiche der UBS haben ein gutes Ergebnis erzielt“, betonte LBBW-Analyst Olaf Kayser.

Die Abschreibungen der UBS seien wohl so drastisch ausgefallen, um künftige Belastungen zu vermeiden. Er rechne bis zur Veröffentlichung der Quartalszahlen der Deutschen Bank am 30. September mit Druck auf deren Aktienkurs, danach dürfte die Unsicherheit aber weichen. Er bekräftigte sein Kaufempfehlung für die Papiere des deutschen Branchenprimus.

Die Mehrzahl der Analysten pflichtet Kayser offensichtlich bei. Nach Reuters-Daten überwiegen bei Deutscher Bank und bei der Commerzbank sowie bei den Immobilienfinanzierern Aareal und Hypo Real Estate immer noch die Kaufempfehlungen. Nur bei der wegen der Krise angeschlagenen IKB und bei der Postbank sieht die Mehrheit keine Einstiegskurse und rät zum „Halten“ der Papiere.

Gestern nun stufte ausgerechnet die UBS die nur in Deutschland tätige Postbank auf „Kaufen“ hoch. Sie rechnet über kurz oder lang mit einem Verkauf des Instituts. „Die Ausländer bewegen den hiesigen Markt stärker als die deutschen Investoren, daher dürfte deren Meinungsänderung Schule machen“, kommentierte ein Frankfurter Aktienhändler die insgesamt widersprüchlichen Analystenaussagen. 

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