Finnen verkaufen mehr Handys, die Einnahmen bleiben aber konstant
Schwacher Dollar belastet Nokia-Kurs

Ob es endlich wieder klingelt? Viele Anleger hoffen auf neue Signale vom Handy-Weltmarktführer Nokia aus Finnland. Analysten sind sich aber weiterhin uneins über die Bewertung.

STOCKHOLM. Die während vieler Jahre erfolgsverwöhnten Nokia-Aktionäre hatten in diesem Jahr bislang nicht allzu viele Gründe zum Jubeln: Seit Jahresbeginn hat der Titel rund 4 % nachgegeben, der schwedische Konkurrent Ericsson legte im gleichen Zeitraum um 39 % zu. Und auch die übrigen Konkurrenten wie Alcatel, Lucent und Nortel liegen auf der Plusseite.

„Es hat eine Korrektur nach oben gegeben“, so Håkan Wranne, Telekomanalyst bei Fischer Partners in Stockholm. Er meint, dass Konzerne wie Ericsson „zu niedrig bewertet“ waren und deshalb eine Angleichung zu Lasten von etwa Nokia geschehen ist.

Der finnische Handy-Riese hat trotz der schlechten Kursentwicklung nach Ansicht von Wranne „genau das gemacht, was er machen sollte“. Bei den Handys, die für rund 80 % des Gesamtumsatzes stehen, erzielen die Finnen weiterhin Umsatzrenditen von fast 25 % und halten damit eine unangefochtene Spitzenposition. Diese Margen werden sich nach Aussagen von Nokia während des so genannten „Mid- Quarter-Updates“ Anfang Juni auch nicht verändern.

Belastet wird der Konzern und damit die Kursentwicklung durch die allgemein schlechte Konjunkturlage und durch den starken Euro. Rund die Hälfte des Nokia-Umsatzes wird auf Dollar-Märkten getätigt. „Der schwache Dollar frisst die Gewinne auf“, sagt ein Analyst in Stockholm, der nicht namentlich genannt werden will. Auch Telekomexperte Wranne sieht in dem schwachen Dollar eine Gefahr für Nokia. „Die Einnahmen haben sich seit dem Jahr 2000 trotz deutlich mehr verkaufter Handys nicht großartig verändert“, sagt er.

Trotz dieser Einschränkung hat er weiterhin ein Kursziel für Nokia von rund 18 Euro für die kommenden zwölf Monate und spricht eine Kaufempfehlung aus. Derzeit liegt der Kurs bei rund 14,40 Euro.

Das finnische Unternehmen hat derzeit bei Handys einen Weltmarktanteil von etwa 38 %. Nokia-Chef Jorma Ollila erklärte vor einer Woche in einem Handelsblatt-Gespräch, dass er weiter an seinem 40- Prozent-Ziel festhalte. Allerdings wollte er nicht sagen, bis wann der Konzern diese Hürde überspringen werde. „Wir werden es schaffen“, so Ollila. Helfen soll ihm dabei, dass die Zahl der Handy-Benutzer weltweit bis Ende 2005 von derzeit knapp 1,2 Mrd. auf 1,6 Mrd. nach Nokia-Berechnungen steigen wird.

Für das laufende Jahr hat Nokia die Umsatzprognosen bei Handys gedämpft. Anfang Juni erklärte der Konzern, dass zwar das bereits zuvor angegebene Wachstumsziel von 4 bis 12 % weiterhin gelte, allerdings bereiteten die Finnen die Finanzmärkte darauf vor, dass das reale Wachstum vermutlich am unteren Ende des Intervalls liegen werde. Selbst ein Unterschreiten der Vierprozentgrenze wollte man in Helsinki nicht ganz ausschließen. Positiv wurde dagegen bewertet, dass die Finnen den Gewinn je Aktie im zweiten Quartal auf 0,13 bis 0,16 Euro beziffern. Die großen Investmentbanken sind sich derzeit in ihrem Nokia-Urteil nicht einig. Während die Commerzbank gestern die Empfehlung von „halten“ auf „reduzieren“ ausgab, behält Goldman Sachs sein „outperform“ bei.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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