Flop des Tages
Ende des Höhenflugs für Stada

Die Anleger bestrafen Stada für das schwache Inlandsgeschäft – die Aktie rutscht trotz höherem Gewinn ans Ende des MDax. Analysten sehen auch weiterhin für den Kurs kaum noch Potential nach oben.
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DüsseldorfSeit über einem halben Jahr geht es unbeirrt aufwärts für die Stada-Aktie: Seit Anfang Oktober hat sie über 50 Prozent zugelegt. Doch die Anleger wetten jetzt auf das Ende des Trends. Nach durchwachsenen Quartalszahlen am Morgen rutschte das Papier gegen 12 Uhr um 8,15 Prozent auf 28,67 Euro ab. Ein Börsianer nannte die Aktie „reif für Gewinnmitnahmen“.

Im Inlandsgeschäft hat Stada deutliche Einbußen erlitten. Auf dem Heimatmarkt Deutschland sah sich der Hersteller von Nachahmer-Medikamenten mit einem Minus von elf Prozent auf 127 Millionen Euro Umsatz konfrontiert. Stada leidet in Deutschland unter dem Margen- und Preisdruck für Generika. Das Management rechnet für 2011 mit einem sinkenden Umsatz im Geschäft mit den Arzneien.

Das Ergebnis des ersten Quartals fällt unter dem Strich trotzdem besser aus als im Vorjahr, nicht zuletzt durch 15 Prozent Zuwachs im Auslandsgeschäft. Seit Jahresbeginn macht das fast drei Viertel des Umsatzes aus. In den ersten drei Monaten wies der MDax-Konzern ein operative Ergebnis (Ebit) von 57,6 Millionen Euro aus. Dies entspricht einem Plus von zwölf Prozent. Der Konzernumsatz wuchs um sechs Prozent auf 418,3 Millionen Euro.

Stada will sein Osteuropa-Geschäft mit der rund 360 Millionen Euro teuren Übernahme eines Arzneimittelpakets vom Rivalen Grünenthal ausbauen. Das Medikamentenpaket, das 14 Eigen- und Lizenzmarken für Mittel- und Osteuropa sowie den Nahen Osten umfasse, habe dieses Jahr ein erwartetes Umsatzvolumen von rund 68,6 Millionen Euro, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Die Akquisition bedarf der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden.

Die Analysten ziehen daraus ganz unterschiedliche Schlüsse für das Stada-Papier: Martin Voegtli vom Analysehaus Kepler Equities zum Beispiel empfiehlt die Stada-Aktien weiterhin zum Kauf bei einem deutlich höheren Kursziel von 33,00 Euro. Die positivste Nachricht sei die Vereinbarung mit der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), die zuversichtlicher für den deutschen Generikamarkt stimme. Stada hatte bei der sechsten Ausschreibungsrunde der AOK in Deutschland für insgesamt 19 Wirkstoffe Rabattverträge abgeschlossen.

Experte Martin Brunninger vom japanischen Analysehaus Nomura hingegen hielt an seiner „Reduce“-Empfehlung für die Stada-Titel fest. Sein Kursziel liegt bei 15,00 Euro. Der Fachmann glaubt, dass der Arzneimittelhersteller die Erwartungen für dieses Jahr und das Umsatzziel für 2014 nur über Zukäufe erfüllen kann.

Der Ausblick für 2011 und 2012 sowie die Erwartungen für 2014 wurden am Donnerstag bestätigt. Im laufenden Jahr strebt Stada einen Anstieg des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im hohen einstelligen Prozentbereich an. Der Umsatz soll ebenfalls zulegen. Auch 2012 will der Konkurrent der Generikahersteller Teva Pharmaceutical und der Novartis-Sparte Sandoz Umsatz und bereinigtes Ebitda steigern. 2014 soll der Umsatz dann auf rund 2,15 Milliarden Euro steigen und das bereinigte Ebitda 430 Millionen Euro erreichen. Beim Konzerngewinn wird ein Anstieg auf 215 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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