Fluggesellschaft profitiert vom Wirtschaftswachstum
Analysten empfehlen Turkish Airlines zum Kauf

Die türkische Fluggesellschaft Türk Hava Yollari (Turkish Airlines, THY) fliegt von einem Rekord zum nächsten: In den vergangenen drei Jahren wuchsen die Passagierzahlen um jeweils rund 20 Prozent. 2006 erwirtschaftete die Gesellschaft, die sich noch zu 49 Prozent in Staatsbesitz befindet, einen Nettogewinn von rund 130 Mill. Dollar. Im ersten Quartal 2007 setzte sich der Steigflug fort, das Unternehmen überraschte mit sehr guten Zahlen. Das sollte auch den Aktienkurs beflügeln: Analysten empfehlen das Papier zum Kauf.

HB FRANKFURT. „Wir wollen bis 2009 zur viertgrößten Fluggesellschaft Europas werden und Turkish Airlines zu einer globalen Marke machen“, sagte Vorstandschef Temel Kotil dem Handelsblatt. Die Fluggesellschaft befindet sich in der ehrgeizigsten Expansionsphase ihrer 74-jährigen Geschichte: Seit Ende 2004 ist die Flotte von 60 auf 99 Maschinen gewachsen, bis 2008 sollen es 120 sein. Allein im vergangenen Jahr eröffnete die Airline 23 neue Destinationen. Nach 17 Millionen Fluggästen 2006 rechnet Kotil für dieses Jahr mit 23 Millionen Passagieren. Nach Angaben des Verbandes der europäischen Luftverkehrsgesellschaften (AEA) ist THY die am schnellsten wachsende europäische Airline. Nur der Aktienkurs des seit 2004 in mehreren Tranchen teilprivatisierten Unternehmens wird nicht so recht flügge. In den vergangenen drei Jahren hat das Papier auf Euro-Basis rund zehn Prozent verloren. Analysten sehen zu den gegenwärtigen Kursen aber eine gute Einstiegschance: Deutsche Bank Research und die Istanbuler Oyak Securities empfehlen die Anteilscheine zum Kauf. Tatsächlich ist die Aktie mit dem Fünffachen des für 2007 geschätzten Gewinns absolut, aber auch im Branchenvergleich sehr günstig bewertet: Airlines aus Schwellenländern werden aktuell im Durchschnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,2 gehandelt.

Billig ist die Aktie auch angesichts der jüngsten Quartalszahlen, mit denen THY die Analystenerwartungen deutlich übertraf. Das Unternehmen erzielte in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Nettogewinn, nämlich 29 Mill. Dollar – die Analystenschätzungen waren von 26 Mill. Dollar Verlust ausgegangen. Das gute Resultat ist vor allem eine Folge des Kostensenkungsprogramms, das schneller als erwartet greift. Gegenüber dem ersten Quartal 2006 konnte THY die Verwaltungskosten um 30 Prozent drücken. Die zusätzlich angebotene Kapazität konnte überdies voll am Markt abgesetzt werden, der Ladefaktor stieg gegenüber dem Vorjahr von 63,5 auf 67 Prozent. Das ist zwar einerseits immer noch wenig im Vergleich zum Branchendurchschnitt, lässt aber andererseits Raum für weitere Produktivitätssteigerungen. Die Airline profitiert vom robusten Wirtschaftswachstum. Das türkische Bruttoinlandsprodukt legte seit 2002 kumulativ um fast 40 Prozent zu, das Pro-Kopf-Einkommen verdoppelte sich im gleichen Zeitraum. Immer mehr Türken können sich eine Flugreise leisten.

Deutlich besser als von den meisten Analysten erwartet entwickelte sich im ersten Quartal der Inlandsverkehr: THY konnte am Markt höhere Tarife durchsetzen und zugleich ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr von 60 auf 62 Prozent steigern. Für nachhaltiges Wachstum dürfte die laufende Integration von THY in die Star Alliance sorgen.

Die Analysten der Deutschen Bank prognostizieren für THY 2007 einen Nettogewinn von 209 Mill. Dollar, 2008 sollen es 294 Mill. sein. Ein Risikofaktor bleiben zwar die Treibstoffpreise. Doch die bereits laufende Verjüngung der Flotte dürfte den Kerosinverbrauch drücken. Außerdem erwartet die Deutsche Bank weitere Erfolge des bereits laufenden Kostensenkungsprogramms. Sie erhöhte deshalb jetzt ihr Kursziel für die THY-Aktie auf 11,50 Lira. Das entspricht einem Kurspotenzial von mehr als 30 Prozent.

Deutsche Anleger, die vom Steigflug der Türk Hava Yollari profitieren wollen, stehen allerdings vor praktischen Schwierigkeiten: Ausländische Anleger benötigen eine türkische Steuernummer, um die Papiere kaufen zu können. Doch es gibt einen Ausweg: „Wenn ein deutscher Anleger bei einer türkischen Bank ein Wertpapierdepot eröffnet, braucht er keine Steuernummer – eine Kopie des deutschen Passes reicht“, sagt Markus Ross, Chef von Ceros Asset Management in Frankfurt.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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