Flughafengeschäft
Analysten loben Ferrovial

Europas größter Infrastrukturkonzern, die Grupo Ferrovial, expandiert erfolgreich im Flughafengeschäft. Bei Analysten heimsen die Spanier dafür Beifall ein, handelt es sich doch um eine ebenso attraktive wie stabile Nische.

MADRID. Ferrovial hat an der Börse eine mehrjährige Aufwärtsbewegung hinter sich. Von knapp 20 Euro im Jahr 2002 ging es hoch bis auf 70 Euro. Zuletzt geriet der Anstieg aber etwas ins Stocken, aktuell pendelt der Kurs um 62 Euro. Trotz des langsameren Wachstums auf dem heimischen Baumarkt, sehen Analysten aber weiteres Potenzial für die Aktie. Vor allem die „intelligente“ Internationalisierungs- und Diversifizierungsstrategie des Traditions-Bauunternehmens, das von der spanischen Familie del Pino kontrolliert wird, stößt auf Zustimmung.

Robert Crimes von der US-Investmentbank JP Morgan sieht die Ferrovial-Aktie in zwei Jahren bei 97 Euro. Enormes Wachstumspotenzial sieht der Analyst vor allem nach dem Kauf des britischen Flughafenbetreibers BAA, womit die Spanier Marktführer in dieser Branche geworsen sind,.

Die Übernahmeschlacht um BAA hat der Aktie von Ferrovial allerdings geschadet. Ehe Konzern-Präsident Rafael del Pino zusammen mit einem von Ferrovial kontrollierten internationalen Konsortium die Briten schließlich für 15 Mrd. Euro schluckte, musste er an vielen Fronten kämpfen. In der Spitze fiel die Aktie dadurch unter 55 Euro. Trotz einer Erholung seither steht unter dem Strich seit Anfang des Jahres nur ein geringes Plus von vier Prozent. Das ist wesentlich weniger als die Titel der heimischen Konkurrenten, die alle zweistellig zulegten.

Luis Prieto von Merrill Lynch hält die Zurückhaltung der Anleger allerdings für nicht gerechtfertigt: „Das Portfolio von Ferrovial ist viel mehr wert, als es die Börse derzeit anzeigt“, sagt er und gibt ein Kursziel von 75 Euro aus.

Die Spanier haben bereits die Verantwortung für den Sydney International Airport, für die Flughäfen in Bristol und Belfast sowie für den Antofagasta Airport in Chile. Mit BAA bekommen sie unter anderem die drei wichtigen Londoner Flughäfen hinzu. Analysten loben vor allem die Finanzierungsstrategie des Konzerns: „Wir glauben, dass Ferrovial durch die auf Synergien ausgerichtete Allianz mit dem australischen Finanz- und Infrastrukturkonzern Macquarie sowie durch das eigene solide Wachstum bei den Konzessionen in spätestens zwei Jahren den Kauf von BAA refinanzieren kann“, sagt Crimes.

Denn das Geschäft läuft weiter sehr gut für Ferrovial: Im ersten Halbjahr steigerte der Konzern den Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 237 Mill. Euro. Der Umsatz wuchs um 29 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro.

Zwar litt der Kurs der Aktie im August durch die vereitelten Terroranschläge auf Londoner Flughäfen. „Wir halten diese Delle jedoch nur für eine kurzfristige Überreaktion der Investoren“, sagt Crimes. Allerdings befürchten einige Branchenexperten, dass sich die britische Regierung in ihrem Bemühen, den Terror zu bekämpfen, demnächst stärker in das Management von BAA einmischen wird und dies für Ferrovial nicht sehr erfreulich sein könnte.

Rafael del Pino lenkt sich möglichen Problemen in Großbritannien ab und geht derweil in Chile auf Einkaufstour, dem einzigen Land in Lateinamerika, in dem Ferrovial stark ist. Er verhandelt gerade mit dem französischen Konzern Vinci, um dessen Autobahnkonzessionsgeschäft in Chile zu übernehmen. Damit würde die Konzessionstochter Cintra ihre dortige Marktführerschaft noch weiter ausbauen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%