Folgekosten drohen
RWE-Aktie trotzt Schneechaos

Ein früher Winter, gepaart mit strenger Kälte – für die Stromerzeuger gibt es in der Regel kaum bessere Zeiten. Die Strompreise am Großhandelsmarkt steigen, und das ist gut für die Kurse. Den Essener RWE-Konzern dürfte der plötzliche Wintereinbruch in Teilen Deutschlands jedoch kaum freuen.

HB DÜSSELDORF. Am Wochenende ließen die Schneemassen im Münsterland 50 Hochspannungsmasten einknicken, bis zu 250 000 Menschen waren ohne Strom. Neben hohen Kosten für die Wiederherstellung der Stromleitungen brachte das Schneetreiben RWE vor allem jede Menge negative Schlagzeilen.

Die Börse ließ sich allerdings kaum von den aufkommenden Forderungen nach Schadensersatz und den zu erwartenden Reparaturkosten beeindrucken. Der Kurs der RWE-Aktie sackte am Montag ein wenig ab, setzte seinen Höhenflug dann aber fort. Gestern erreichte die Aktie einmal mehr ein Allzeithoch und stieg in der Spitze bis auf 60,45 Euro. Auch die Analysten glauben nicht, dass sich der Stromausfall und seine Folgen auf die Aktie auswirken werden. Sie trauen dem Wert des Energiekonzerns nach wie vor Potenzial nach oben zu.

„Die Börse sieht die Sache nüchtern“, sagt Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck, der die Aktie mit einem Kursziel von 68 Euro zum Kauf empfiehlt. Die Reparaturkosten, die auf das Unternehmen zukämen, seien überschaubar. „Sollte aber die Bundesnetzagentur mehr Investitionen fordern und entscheiden, dass RWE den Netzausbau anders als geplant vollziehen soll, könnte das den Konzern belasten“, sagt Kitz.

Marc Koebernick, Analyst bei der West LB, erwartet ebenfalls keine nachhaltigen Belastungen. Im Gegenteil: Dass das Thema Versorgungssicherheit jetzt in den Blickpunkt gerate, sei sogar positiv für die RWE-Aktie. Er geht davon aus, dass sich die RWE-Aktie überdurchschnittlich zum Markt entwickeln wird und sieht das Kursziel bei 64 Euro.

Die Analysten von Merrill Lynch trauen der Aktie gar einen Sprung bis auf 68 Euro zu. Ihre Kaufempfehlung begründen sie vor allem mit dem von RWE eingeschlagenen Weg, das Portfolio zu bereinigen und sich auf das Strom- und Gasgeschäft in Europa zu konzentrieren. RWE hat sich bereits von einer ganzen Reihe von Unternehmen und Beteiligungen getrennt, etwa vom Baukonzern Hochtief und vom Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck. Nun beabsichtigt der Energierkonzern, das Wassergeschäft von Thames Water in Großbritannien und von American Water in Nordamerika zu verkaufen. „Der Ausstieg aus dem Wassergeschäft ist strategisch sinnvoll“, schreiben die Merrill-Analysten in einer aktuellen Studie. Nun könnten Zukäufe im Energiesektor zu jenen Synergien führen, die mit der Wassersparte nie erreicht worden seien.

Zuversichtlich stimmt Analysten auch, dass einige kommunale Aktionäre planen, ihre Beteiligungen an RWE zu verkaufen. Zuletzt hatte die Stadt Düsseldorf angekündigt, ihre Anteile an dem Versorger abgeben zu wollen. Nils Machemehl, Analyst der Privatbank M.M. Warburg, begrüßt diese Bestrebungen: „Gerade für ausländische Investoren würde die Aktie attraktiver“, sagt er. US-Investoren scheuten sich häufig vor Werten, bei denen öffentliche Träge mitreden könnten. Auch Machemehl empfiehlt die RWE-Aktie bei einem Kursziel von 63 Euro zum Kauf.

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