Folgen der Krise
Ernst & Young sieht 2012 Nachholbedarf bei Börsengängen

Das fast eingeschlafene Geschäft mit Börsengängen dürfte 2012 nach Einschätzung von Experten nur langsam in Fahrt kommen. Im zu Ende gehenden Jahr haben nur zehn deutsche Unternehmen den Sprung an die Börse geschafft.
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FrankfurtDas Geschäft mit den Börsengängen geht erst langsam wieder los. Grundsätzlich vertrage die deutsche Volkswirtschaft etwa 40 Börsengänge im Jahr. Angesichts der Staatsschuldenkrise sei es unwahrscheinlich, dass es im kommenden Jahr so viele Börsengänge geben würde, sagte Ernst & Young -Berater Martin Steinbach am Mittwoch. Erst wenn sich eine Lösung der Krise abzeichne, würden die Voraussetzungen für IPOs besser. „Dann dürfte es allerdings zur Umsetzung von Börsengängen vieler Unternehmen kommen, die derzeit in der Warteschleife sind“, sagte Steinbach.

Im zu Ende gehenden Jahr haben nur zehn deutsche Unternehmen den Sprung an die Börse geschafft, dazu kamen in Frankfurt vier chinesische Firmen und der britische Formel-1-Rennstall Williams. Bei den 15 Initial Public Offerings (IPOs) wurden 2,3 Milliarden Dollar eingenommen.

Mehrere Milliarden-Börsengänge liegen allerdings auf Eis: etwa die IPOs der Siemens -Licht-Tochter Osram und des Chemiekonzerns Evonik. Sie wollen den Schritt 2012 nachholen, dann drängt auch der Versicherer Talanx an den Kapitalmarkt. „Die aktuelle Volatilität an den Weltbörsen ist Gift für das IPO-Klima“, sagte Steinbach. Viele Unternehmen warteten auf bessere Zeiten. So lange Börsengänge so schwierig sind, behelfen sich nach den Beobachtungen von Ernst & Young viele Mittelständler mit anderen Finanzierungsquellen wie Anleihen.

Auf mittlere Sicht sieht Steinbach angesichts der restriktiveren Kreditvergabe der Banken Chancen für mehr Börsengänge. Nach einem ordentlichen ersten Halbjahr hat es seit dem Ausbruch der Schuldenkrise im Sommer weltweit kaum noch größere Börsengänge gegeben. Im Vergleich zu 2010 sank die Zahl der IPOs um acht Prozent auf 1117, die Erlöse brachen nach Berechnungen von Ernst & Young bis Ende November jedoch um 39 Prozent auf 156 Milliarden Dollar ein.

68 Prozent aller Börsengänge fanden in den ersten elf Monaten in Schwellenländern statt, in China sank die Zahl aber um ein Drittel, das Volumen sogar um die Hälfte. Spitzenreiter war der Schweizer Rohstoffhändler Glencore mit einem Emissionsvolumen von zehn Milliarden Dollar in London. Auf Rang zwei folgte der Hafenbetreiber Hutchison Port, der in Singapur 5,5 Milliarden Dollar erlöste.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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