Fondsmanager Alexander Scurlock
Neue Strategie für den Fidelity European Growth Fund

Neuer Chef, neue Hoffnung: Fondsmanager Alexander Scurlock kauft für den angeschlagenen Fidelity European Growth Fund verstärkt Aktien großer Gesellschaften.

FRANKFURT. Innerhalb von drei Jahren will Alexander Scurlock den angeschlagenen Vorzeige-Fonds des US-Anbieters Fidelity wieder an die Spitze führen. Scurlock hat das Management des European Growth Fund zum Jahreswechsel übernommen, nachdem der Fonds 2006 relativ schlecht abschnitt und Anleger europaweit mehr als fünf Mrd. Euro abgezogen hatten. Fidelity wechselte nicht nur den Fondsmanager aus. Auch Deutschland-Chef Klaus-Jürgen Baum musste gehen – gut 40 Prozent des Fonds-Kapitals von aktuell noch 18,3 Mrd. Euro stammen von deutschen Investoren.

„Ich will mittelfristig den besten europäischen Aktienfonds managen“, sagt Scurlock. Ähnlich wie sein zuletzt glückloser Vorgänger Graham Clapp sucht Scurlock nach günstig bewerteten, aussichtsreichen europäischen Aktien aller Größenklassen. Dabei geht er nicht schematisch nach Kennzahlen vor, sondern analysiert Markttrends und setzt danach Schwerpunkte. So hat er bereits 2002 – damals für andere Fidelity Europa-Fonds – Aktien des Flüssigkristallhersteller Merck gekauft und so eine starke Kurssteigerung erzielt. Insgesamt agiert er sehr flexibel und ist trotz des „Growth“ im Namen nicht auf die gleichnamige Strategie festgelegt.

Aktuell interessiert sich Scurlock sehr für deutsche Werte und diskutiert bei seinen im Durchschnitt täglich zwei bis drei Firmenbesuchen, inwieweit der Aufschwung den Konsum beflügelt. Neben deutschen Werten hat er derzeit italienische und norwegische Titel höher als im Vergleichsindex gewichtet. Zu den schwersten Aktienpositionen im Fonds gehören Eni und Eon.

Als eine der ersten Maßnahmen als Manager des Growth Fund hat Scurlock die Zahl der Aktien im Fonds von weit über 200 auf gut 160 reduziert. Er hält große Werte für aussichtsreicher als die relativ teuren mittelgroßen und kleineren Aktien. Diese flexible Mischung von Titeln gefällt Fonds-Analysten wie Sasa Perovic von Feri Rating & Research. „Scurlock setzt aus Überzeugung auf Big Caps und nicht, weil Investoren Druck machen“, meint er.

Michael Keilholz, Vorstand des Maklerpools BCA, findet, dass sich Scurlock „achtbar schlägt“. Ihm gefällt, dass Scurlock intensiver als sein Vorgänger mit den mehr als 300 Fidelity-Analysten zusammenarbeitet. Bereits in den vergangenen Jahren habe er mit dem Euro Blue Chip Fund gezeigt, dass er überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen könne, lobt Perovic von Feri. Nach 13 Jahren bei Fidelity kenne der 40-Jährige die erprobte Anlage-Philosophie des Hauses bestens.

In den vergangenen fünf Jahren hat der Fonds mit einem jährlichen Wertzuwachs von 11,5 Prozent Konkurrenz wie Index abgehängt und schwankte dabei nur leicht überdurchschnittlich im Wert. 2006 gehörte er aber zum schwächsten Drittel in seiner Kategorie. Die kurzfristige Instabilität des Fonds sei zwar kein Grund zur Sorge, meint Perovic. Dennoch beobachtet Feri den Fonds aufmerksam.

Auch Werner Hedrich von Morningstar bleibt gelassen: Clapp habe zuletzt mit einigen Titeln und bei Branchengewichtung daneben gelegen. Hedrich hält den Fonds dennoch für ein „solides Investment“ und glaubt, dass Scurlock „mit Wetten auf kleinere wie große Werte“ überzeugen könne. Er findet allerdings, dass Fidelity den Fonds – immerhin der zweitgrößte in Deutschland – schließen sollte, um die Ausrichtung auf mittelgroße und kleinere Titel nicht zu vernachlässigen. Scurlock selbst hält die Größe des Fonds nicht für problematisch. Sie begrenze ihn auf Firmen mit Marktwerten ab 50 bis 100 Mill. Euro, was ihm aber in Europa genügend Spielraum lasse.

Um den Fonds wieder besser zu verkaufen, lässt der neue Deutschland-Chef Alfred Strebel den Fonds über den wichtigsten Absatzkanal, die großen Banken, wieder aktiv vermarkten. So empfehlen die Berater der Commerzbank und der Dresdner Bank den Fonds auch wieder ihren Anlegern. Der Erfolg lässt allerdings noch auf sich warten: Im Januar floss erneut eine knappe Milliarde aus dem Fonds ab, auch im Februar gab es keine Trendwende.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%