Forderung nach Differenzierung bei Neuemissionen
Boerse Stuttgart: Privatanlager werden bei IPOs benachteiligt

Die Boerse Stuttgart AG befürchtet eine Benachteiligung von Privatanlegern bei Neuemissionen zu Gunsten institutioneller Investoren.

HB STUTTGART. Diese Entwicklung aus dem angloamerikanischen Raum werde vornehmlich von internationalen Investmentbanken nach Deutschland getragen, sagte Sigfried Jaschinski, der Vorsitzende des Aufsichtsrat der boerse-stuttgart am Freitag. Um diese Entwicklung zu Gunsten der Privatanleger abzuwenden, seien vor allem Emittenten und ansässige Konsortialbanken gefordert. Daher sollten diese beiden Gruppen bei Börsengängen stärker differenzieren als bisher.

Ein größerer nationaler oder internationaler IPO sollte Jaschinksi zufolge anders ausgerichtet sein als mittlere und kleine Neuemissionen. Er schlägt daher vor, den Börsengang eines regional verwurzelten Unternehmens im näheren Umfeld zu bewerben und dort die Privatanleger stärker als bisher zum Zuge kommen zu lassen. Schließlich dürften Privatanleger auch für eine gewisse Stabilität in der Aktionärsstruktur sorgen. Hinzu komme, dass der Sekundärmarkt häufig ein Retailmarkt ist, der ohne die Aktivitäten der Privatanleger eine geringere Umschlagshäufigkeit und Liquidität und somit eine geringere Qualität aufweisen würde.

Ein weiterer Grund, warum Privatanleger in dem IPO-Prozess tendenziell benachteiligt werden, liegt dem Aufsichtsrat zufolge in den Going-Public-Grundsätzen der Deutschen Börse AG. Hier sei unter anderem vorgeschrieben, dass der Emittent und die Konsortialbanken keine Angaben über das Unternehmen machen dürfen, die für die Beurteilung der Aktie wesentlich, im Emissionsprospekt aber nicht enthalten sind. Dies führe dazu, dass auf Grund der Prospekthaftung die Emittenten keine zukunftsgerichteten Angaben mehr herausgeben werden.

Während institutionelle Investoren über eigene Bewertungstools verfügen und Szenarien für die Bewertung durchspielen können, werden Privatanlegern dadurch wesentliche Informationen vorenthalten. Bei großen IPOs werde sich dies allerdings weniger nachteilig auswirken, da die Preisbildung im Bookbuilding-Prozess von den institutionellen Investoren gemacht wird, so Jaschinski weiter. Außerdem werden große Neuemissionen auch in der Öffentlichkeit entsprechend kommentiert und analysiert.

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