Fosun-Chairman Guo
Verschwundener Milliardär beunruhigt Moody's

Vier Tage war Guo Guangchang, der mächtige Chairman des chinesischen Konzerns Fosun, verschwunden. Für die große Ratingagentur Moody’s scheint der Fall noch nicht ausgestanden – auch die Anleger zeigen sich beunruhigt.

Guo Guangchang gehört zu den einflussreichsten Geschäftsmännern Chinas. Auch deshalb war der Schrecken groß, als der Chairman des Mischkonzerns Fosun am vergangenen Donnerstag einfach von der Bildfläche verschwand. Am Wochenende hieß es lediglich, der Milliardär helfe den Behörden bei Ermittlungen.

Am Montag tauchte Guo dann endlich wieder auf und sprach bei einer Konferenz seines Konzerns über die internationale Expansion – zum wichtigsten Thema verlor der Chairman allerdings kein Wort. Worum es bei den Ermittlungen genau ging und ob nicht vielleicht doch Korruptionsvorwürfe gegen Guo dabei eine Rolle spielen, dazu schweigt das Unternehmen.

Dieses Schweigen beunruhigt offenbar auch die internationale Ratingagentur Moody’s. Am Dienstag stuften die Analysten ihren Ausblick für Fosun International auf negativ zurück, an der Bonitätsnote Ba3 ändert sich zunächst nichts.

„Der negative Ausblick reflektiert die Einschätzung, dass die Verwicklung von Herrn Guo in die Ermittlungen die Unsicherheit erhöht, was die Fähigkeit des Unternehmens angeht, seine hohen kurzfristigen Schulden und seine Investments zu refinanzieren“, heißt es in dem Moody’s-Bericht.

Die Konkurrenten von Standard & Poor’s sehen bislang zwar nur einen „begrenzten Einfluss“ der Affäre auf Fosun. Aber auch diese Ratingagentur warnt, dass intensivere Ermittlungen gegen Guo den Zugang zu Finanzmitteln und den Abschluss bereits vereinbarter Übernahmen erschweren könnten.

Unter Guos Regie fährt Fosun einen aggressiven Expansionskurs und hat sich an so prominenten Firmen wie Club Med oder Thomas Cook beteiligt. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg sind derzeit noch Übernahmen im Wert von rund zwei Milliarden Dollar offen.

In Deutschland will Guos Konzern die Privatbank Hauck & Aufhäuser schlucken, allerdings steht die endgültige Genehmigung der Finanzaufseher noch aus. Diese Entscheidung werde sich verzögern, weil die Aufsichtsbehörden weitere Informationen von Fosun angefragt hätten, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Im laufenden Jahr sei mit keinem Votum der Behörden mehr zu rechnen, betonten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Fosun wollte sich dazu nicht äußern.

Der Konzern buhlt auch um das deutsch-britische Geldhaus BHF Kleinwort Benson, hat dabei jedoch schlechte Karten. Die französische Bank Oddo hat kürzlich eine höhere Gegenofferte für BHF Kleinwort Benson vorgelegt und sich bereits die Unterstützung wichtiger Aktionäre gesichert.

Auch die Anleger von Fosun scheinen zu fürchten, dass die Affäre noch nicht ausgestanden ist. Am Dienstag sackte der Kurs des Konzerns an der Börse in Hongkong noch einmal um 3,5 Prozent ab, nachdem die Aktie bereits am Montag um 9,5 Prozent eingebrochen war. Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Monaten ihre Anti-Korruptionsermittlungen vor allem im Finanzsektor deutlich ausgeweitet. Eine Reihe von Managern war in der Folge vorübergehend nicht auffindbar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%