Fundamentaldaten haben sich deutlich verschlechtert
US-Börsen suchen nach Halt

Der Jahreswechsel ist normalerweise eine gute Zeit für die Wall Street. Dezember und Januar gehören historisch gesehen zu den besten Monaten des Handelsjahres. Großanleger versuchen in dieser Zeit ihre Bilanz zu polieren und starten meist mit neuem Elan ins nächste Jahr.

NEW YORK. Trotz der von Rezessionsängsten und der Finanzkrise ausgelösten Achterbahnfahrt halten sich die US-Aktienmärkte noch deutlich im Plus. Der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industriewerte vermeldet für das Jahr einen Zuwachs von fast zehn Prozent. Für den breiter aufgestellten S&P 500-Index beträgt das Plus gut sechs Prozent.

In der ersten Jahreshälfte haben die Börsen von der damals noch stark wachsenden Wirtschaft und einer Rekordwelle bei Fusionen und Übernahmen (M&A) profitiert. Besonders der Buy-out-Boom lieferte den Treibstoff für den Höhenflug der Börsianer. Nahezu täglich neue Übernahmespekulationen trieben die Kurse auf Rekordhöhen. Die von der Immobilienkrise ausgelöste Kreditklemme beendete im Sommer die Börsenparty. Zweimal ging der Dow um zehn Prozent in die Knie. Börsianer nennen das Korrektur; die Börse kam jedoch immer wieder zurück. Doch das Comeback machte viele Händler an der Wall Street schwindelig. An insgesamt 71 Tagen ging der Dow mehr als 100 Punkte nach oben oder unten. Das ist fast doppelt so häufig wie in den vergangenen drei Jahren.

Mit knapp 13 700 Punkten ist die Leitbörse aber immer noch in Sichtweite ihres Allzeithochs von 14 198 Punkten. Viele Experten können sich angesichts der Verwerfungen auf den Finanzmärkten und der wirtschaftlichen Talfahrt die Standfestigkeit der Börse nicht erklären. "Die Verbindung zwischen Aktien- und Kreditmärkten scheint unterbrochen", sagte kürzlich Richard Fuld dem Handelsblatt. Der Chef der Investmentbank Lehman Brothers befürchtet, dass Firmen die Gewinnerwartungen der Börsianer nicht mehr erfüllen können.

Wie andere Börsenexperten blickt Fuld nach dem Ende des M&A-Booms wieder stärker auf die Fundamentaldaten. Und die sehen nicht gerade rosig aus. Durch die Kreditkrise sind die Gewinne der im S&P-500 notierten Unternehmen bereits im dritten Quartal um 4,5 Prozent gesunken. Auch für das Schlussquartal haben die Analysten ihre Gewinnerwartungen kräftig nach unten korrigiert und rechnen jetzt mit einem Minus von knapp einem Prozent.

Vor allem die Banken drücken angesichts weiterer Milliarden-Abschreibungen auf ihre Kreditportfolios die Prognose. Für das Gesamtjahr bliebe dann unterm Strich nur noch ein mageres Plus von 3,2 Prozent übrig. Das wäre der geringste Gewinnzuwachs seit fünf Jahren. "Bei den Firmenerträgen hat die Rezession bereits begonnen", sagt David Rosenberg, Ökonom beim Brokerhaus Merrill Lynch.

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