Fundamentaldaten sprechen ebenso wie Chart-Signale für steigende Kurse
Ausblick: Dax tendiert weiter nach oben

Unternehmen melden akzeptable Zahlen, die Konjunktur läuft passabel. Neben den Fundamentaldaten sprechen auch Chartsignale für steigende Kurse. Marktbeobachter sind daher generell positiv gestimmt und erwarten für die kommende Woche freundliche Kurse bis zu einem Dax-Stand von 4400 Punkten.

HB DÜSSELDORF. Die deutschen Aktienmärkte dürften nach Einschätzung mehrerer Experten in der kommenden Woche ihren Aufwärtstrend beibehalten. Dabei hoffen sie auf weiter positiv ausfallende Geschäftsberichte großer Unternehmen, die die Anleger zu Aktienkäufen animieren. „Wir sehen eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Aktienmarkt in eine Hausse eingetreten ist“, sagte Berndt Fernow, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Der Deutsche Akteinindex (Dax) dürfte in der kommenden Woche neue Höchststände markieren, fügte er hinzu.

Auch Carsten Klude, Stratege bei MM Warburg, zeigte sich optimistisch und rechnet mit einer Fortsetzung der langsamen Aufwärtsbewegung. „Das Umfeld spricht derzeit für den Aktienmarkt. Die Bewertung der europäischen Werte ist weiterhin attraktiv“, sagte er. Der Dax hat seit Wochenbeginn über ein Prozent zugelegt und am Freitag mit 4391,79 Punkten den höchsten Stand seit etwa zweieinhalb Jahren markiert. Seit Anfang Februar gewann der Dax über drei Prozent hinzu.

Am Markt macht sich Erleichterung breit, dass die Berichtssaison bislang besser verlief als zunächst befürchtet. Zwar sind einige Quartalsberichte - wie bei DaimlerChysler - enttäuschend ausgefallen, aber unterm Strich wurden die Erwartungen für das vierte Quartal übertroffen. Neben den Unternehmenszahlen deuten auch einige Konjunkturdaten auf weiter steigende Kurse am Aktienmarkt. Marktbeobachter sind generell positiv gestimmt und erwarten für die kommende Woche freundliche Kurse bis 4400 Punkten.

Steffen Neumann, Aktienstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, sieht jedoch einige Risiken, die den Dax auf 4300 Punkte zurückfallen lassen könnten. „Der Dax dürfte den oberen Rand erst einmal erreicht haben. In der kommenden Woche dürfte es eher kleine Risiken geben, etwa durch den wieder gestiegenen Euro und den höheren Ölpreis“, sagte Neumann. Seiner Ansicht nach dürften die Anleger zunächst wichtige Konjunkturdaten aus den USA wie die Frühindikatoren, den Philly-Fed-Index und den Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan abwarten.

Positive Signale der Konjunkturdaten

Positiv hervorzuheben bei den Konjunkturdaten der vergangenen Wochen sind indes die deutschen Auftragseingänge, die unerwartet stark ausgefallen sind und zu denen vor allem ein Nachfrageschub nach Investitionsgütern beigetragen hat. Aktienmarktstrategen zufolge zeichnet sich zudem in den meisten Ländern der Eurozone eine Wachstumsbelebung ab, worauf auch die im Dezember durchweg gestiegene Industrieproduktion und einige verbesserte Klimaindikatoren hinweisen. Das fundamentale Marktumfeld hat sich auf jeden Fall verbessert, der Ölpreis ist immer noch weit von seinen alten Höchstständen entfernt, und der Dollar hat sich deutlich erholt in den vergangenen Wochen.

Auch von der Geldpolitik kommen positive Signale. Der Preisauftrieb in der Eurozone hat seit Januar nachgelassen. Die Kurssteigerungen an den Rentenmärkten, die die Rendite auf immer neue Tiefs drückt, deuten auf optimistische Inflationserwartungen in der Eurozone. Eine Zinsanhebung, die die Aktienmärkte belasten würde, wird es auf absehbare Zeit nicht geben.

Auch ein Blick auf die charttechnische Situation lässt erkennen, dass steigende Kurse zu erwarten sind. Der Dax befindet sich weiter in dem seit August 2004 bestehenden Aufwärtstrend. Kurzfristige Kursrückschläge sollten zum Kauf oder zum Aufstocken bestehender Longpositionen benutzt werden. Der massive Widerstandsbereich zwischen 4.175 und 4.200 Punkten ist nachhaltig nach oben durchbrochen worden, der nächste deutliche Widerstand ist nun bei 4.400 Zählern zu sehen.

Wichtige Daten aus USA

Die kommende Woche ist geprägt von einer Flut wichtiger Konjunkturdaten aus den USA. Auf dem Kalender stehen unter anderem die US-Einzelhandelsumsätze, US-Erzeugerpreise und die US-Kapazitätsauslastung. Mit zunehmendem Interesse werden auch die Nettokapitalzuflüsse in die USA beobachtet. Diese sind ein Indikator, ob das noch immer auf Rekordniveau liegende US-Handelsbilanzdefizit auch weiter finanziert werden kann. Im Fokus des Interesses dürften auch die beiden Reden von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus stehen. Greenspan wird den Gremien die Geldpolitik seines Hauses erläutern.

Der weltweit wichtigste Notenbanker wird am Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Senats den geopolitischen Halbjahresbericht der US-Notenbank (Fed) erläutern. Am Donnerstag nimmt er vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses dazu Stellung. „Wenn Greenspan sich positiv über das Thema Defizit äußert, könnte das dem Dollar und damit auch dem Aktienmarkt Schub geben“, sagte MM Warburg-Experte Kluge. Die hohen Defizite in der Haushalts- und Leistungsbilanz in den USA gelten als Grund für die seit Jahren anhaltende Schwäche des US-Dollar.

Spannung vor neuen Unternehmensnachrichten

Bei den Unternehmensterminen richtet sich der Blick unter anderem auf MAN, Volkswagen und ThyssenKrupp. VW gibt gleich am Montag die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr bekannt. Große Kursgewinne dürfte es hier aber nicht geben. Analysten rechnen mit einem operativen Ergebnis vor Sondereffekten von 1,9 Mrd Euro nach 2,5 Mrd im Vorjahr. Analysten befürchten sogar, dass der Wolfsburger Autobauer wegen der höheren Aufwendungen für das Sparprogramm „ForMotion“ seine Ergebnisziele verfehlen könnte.

Ebenfalls am Montag legen ThyssenKrupp Zahlen zum ersten Quartal 2004/05 vor. Der Stahlkocher hatte bereits wichtige Indikationen vorgelegt, offen sind noch die genaue Höhe des operativen Gewinns und des Nettoergebnisses. Das immer noch boomende Stahlgeschäft lässt hier deutliche Verbesserungen erwarten. Den Prognosen zufolge dürfte sich der Quartalsüberschuss mehr als verdoppelt haben.

Am Mittwoch folgt dann die Commerzbank mit ihrem Jahresbericht 2004. Am Donnerstag dann legt MAN seine Gesamtjahreszahlen auf den Tisch. Auf Grund der laufenden Konzernumstrukturierungen erwarten Investoren die Zahlen und den Ausblick auf 2005 mit besonderer Spannung. Für 2004 hat MAN zuletzt einen Vorsteuergewinn für 2004 von 450 Mio Euro versprochen. Auch aus der zweiten Reihe stehen mit Comdirect, der Software AG, Hochtief und Merck interessante Firmen auf der Agenda.

Bislang hat ein knappes Drittel der im DJ Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen Ergebnisse zum vierten Quartal 2004 vorgelegt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten die Unternehmen ihre Umsätze im vierten Quartal um 8 % ausdehnen. Während sich die Umsätze im Rahmen der Erwartungen bewegten, übertrafen die gemeldeten Ergebnisse sowohl auf operativer (plus 3,6 %) als auch auf Nettoebene (plus 9,8 %) die Marktschätzungen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beträgt der Anstieg der operativen Ergebnisse durchschnittlich 7,3 %, das Nettoergebnisstieg sogar um 21% an. Der positive Trend sollte sich nach Ansicht der Wertpapier-Strategen der DZ Bank in den kommenden Wochen verfestigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%