Fusionsplan kommt gut an: Deutsche Börse steht wieder hoch im Kurs

Fusionsplan kommt gut an
Deutsche Börse steht wieder hoch im Kurs

Die bevorstehende Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext wird auch von Analysten überwiegend positiv beurteilt. Darun dürfte in den kommenden Monaten auch die Aktie profitieren. Viele Experten raten Anlegern derzeit zum Kauf.
  • 0

FrankfurtDie Aktionäre der Deutschen Börse können sich derzeit nicht beschweren. In den vergangenen Tagen ging es kräftig nach oben mit den Papieren des Frankfurter Handelsbetreibers. Auf Wochensicht steht ein Plus von mehr als acht Prozent zu Buche; der Deutsche Aktienindex legte im gleichen Zeitraum gerade mal zwei Prozent zu. Mittlerweile kosten die Anteilsscheine der Deutschen Börse wieder mehr als 61 Euro. Der Grund für den Kurssprung: die möglicherweise bevorstehende Fusion mit Nyse Euronext zur größten Börse der Welt.

Vergangene Woche hatten beide Börsenkonzerne mit der Ankündigung überrascht, künftig gemeinsame Sache machen zu wollen. Die Deutsche Börse solle der stärkere der beiden Partner sein, so die Ankündigung. Rund 60 Prozent der Aktien gingen an die Eigner der Frankfurter, der Rest nach New York.

Fusion wird von Analysten begrüßt

Insgesamt sollen die Verhandlungen aber sehr weit fortgeschritten sein, heißt es in Kreisen. Schon in den nächsten Tagen könnte es zu einer Einigung der beiden Börsenkonzerne und der offiziellen Verkündigung kommen. Morgen Abend präsentiert die Deutsche Börse nach Handelsschluss an der New Yorker Wall Street zudem ihre Quartalszahlen. Nicht nur bei den Aktionären kommt die bevorstehende Megafusion gut an, auch die Analysten sind überzeugt, dass eine Allianz beiden Seiten nützen wird. „Die Transaktion dürfte sich schon ab 2012 wertsteigernd auswirken“, sagt etwa Elie Darwish, Experte von Exane BNP Paribas. Es sei mit Kostensynergien von rund 300 Millionen Euro zu rechnen, meint sein Kollege Martin Price von Merrill Lynch. Beide Börsenbetreiber zusammengenommen seien ein transatlantisches „Powerhouse“.

Arnaud Giblat, Analyst bei der Schweizer UBS, sagt, dass sich vor allem Synergiepotenzial im europäischen Derivatehandel ergäbe und sich die Marktstellung im außerbörslichen Handel deutlich verbessern würde. Der Gewinn, schätzt Giblat, dürfte bei einer Fusion um 13 Prozent steigen. Die Schweizer empfehlen Anlegern deshalb, sich die Aktie der Deutschen Börse ins Depot zu legen. Insgesamt raten 17 von 22 Analysten, die den Frankfurter Handelsbetreiber in den vergangenen vier Wochen unter die Lupe genommen haben laut Finanzdatenanbieter Bloomberg, zum Kauf der Aktie; vier sagen „halten“, nur ein einziger „verkaufen“.

Die große Frage wird sein, ob auch die Wettbewerbshüter den beiden Heiratswilligen ihren Segen geben werden. Roland Pfänder, Analyst bei der Commerzbank, schreibt in seiner aktuellen Studie, dass er nicht davon ausgehe, dass die Regulierungsbehörden die Hochzeit behindern oder gar verbieten werden. Die Geschäfte der beiden Konzerne ergänzten sich weitgehend, und es würden keine neuen dominanten Positionen am Markt entstehen. Auch Pfänder empfiehlt, die Aktie der Deutschen Börse zu kaufen.

Dominanz im Derivatehandel

Weit vorsichtiger ist dagegen Chris Turner von Goldman Sachs. Er glaube nicht, dass die Wettbewerbshüter den Zusammenschluss der beiden Börsenriesen so einfach abnicken werden. Gerade was das Derivategeschäft in Europa betrifft, würden beide Konzerne eine sehr dominierende Rolle spielen. Laut der Futures Industry Association würden Nyse Euronext und Deutsche Börse insgesamt elf Derivatebörsen kontrollieren. Die Deutsche Börse ist außerdem an der Eurex beteiligt, die wiederum Anteile an der International Securities Exchange hält. Analystenschätzungen zufolge würde der Handelsriese 93 Prozent des europäischen Derivatemarkts kontrollieren. Bei Kontrakten auf Zinsprodukte läge der Marktanteil sogar bei fast 100 Prozent.


Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

Kommentare zu " Fusionsplan kommt gut an: Deutsche Börse steht wieder hoch im Kurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%