Gasbranche: Air Liquide
Attraktive Nummer zwei

Nach dem Erwerb der britischen BOC ist Linde der neue Weltmarktführer in der Gasbranche. Trotzdem erfreuen sich die Experten auch an der Nummer zwei, dem französischen Gas-Spezialisten Air Liquide. Die Aktie des Unternehmens gilt zwar als defensives Papier, ist aber daher bei risikoscheuen Anlegern gefragt.

PARIS. Benoît Potier, Chef des französischen Industrie- und Medizingasriesen Air Liquide, ist ein Mann, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch nicht die Tatsache, dass der deutsche Konkurrent Linde nach der Übernahme der britischen BOC nun der neue Weltmarktführer ist: „Der Abstand unserer beiden Gruppen ist beim Umsatz sehr gering. Einige kleinere Zukäufe in zweistelliger Millionengröße reichen aus, um unseren Platz wieder zu bekommen“, erklärte jüngst Potier. Wichtiger sei ihm sowieso der Vergleich der Rentabilität, und da läge Air Liquide vorn.

Ruhe und Beständigkeit – mit diesen Eigenschaften lässt sich auch die Aktie von Air Liquide charakterisieren: Sie genießt den Ruf eines Papiers für Familienväter. Seit der Erstnotiz im Jahr 1913 legte die Aktie im Schnitt pro Jahr um zwölf Prozent zu. Das Unternehmen hat seit seiner Gründung im Jahr 1902 nur fünf Chefs an seiner Spitze gesehen und nie das Metier gewechselt: Das Unternehmen stellt Sauerstoff und Wasserstoff für die Industrie zur Verfügung. Darüber hinaus versorgen die Franzosen Krankenhäuser mit Gasen.

Analysten loben durch die Bank die Solidität des Konzerns, die Mehrheit unter ihnen rät aber angesichts der recht hohen Bewertung zur Vorsicht. Denn seit Anfang des Jahres hat die Aktie bereits rund zwölf Prozent zugelegt. Von 29 bei Bloomberg erfassten Analysten raten daher zehn zum Halten, fünf gar zum Verkauf und 14 zum Kaufen. Nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen senkte zum Beispiel der französische Broker CM-CIC Securities wegen der guten Kurs-Performance der Aktie seine Empfehlung auf „Halten“.

Langfristig sind sich die Experten über die guten Geschäftsaussichten einig. Nach Einschätzung der Analysten des französischen Brokers Exane BNP Paribas dürfte das Geschäft im zweiten Halbjahr davon profitieren, dass Air Liquide in diesem Zeitraum eine Reihe neuer Gasanlagen in Betrieb nimmt, die der Konzern direkt beim Kunden auf dem Werksgelände installiert hat. Allerdings erwartet Exane-Analyst Matthias Cornu, dass sich anschließend die Nachfrage in der Chemie- und Stahlindustrie stabilisieren wird, da die Kapazitäten nahezu ausgelastet sind. Exane rät Anlegern, bei Kursen von unter 160 Euro bei Air Liquide einzusteigen.

Die Weltmarktführerschaft könnte Air Liquide ironischerweise ausgerechnet mit Hilfe von Linde-BOC zurückerlangen. Denn das deutsch-britische Duo muss einige Aktiva verkaufen, um Auflagen der Wettbewerbshüter zu erfüllen. Exane meint, dass Air Liquide etwa die Töchter von BOC in Polen und Großbritannien übernehmen könnte. Das Management von Air Liquide warnt indes davor, schnelle Nachrichten in dieser Hinsicht zu erwarten – der Prozess könne sechs Monate oder mehr dauern. Anleger sollten also bei Air Liquide auch in dieser Hinsicht Ruhe bewahren.

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