Gastbeitrag
Experten raten bei US-Titeln zu Gewinnmitnahmen

Charttechniker der Schweizer Investmentbank UBS erwarten langfristige Tiefstände erst im Oktober. Anleger können die zwischenzeitliche Stärke nutzen, meint der Leiter der Technische Analyse des Züricher Instituts, Michael Riesner.

ZÜRICH. Obwohl der US-Aktienmarkt sich zuletzt gut erholt hat, bleibt die Frage, wie es mit den amerikanischen Papieren weitergeht. Immerhin hatte der S&P-500 im Juni rund acht Prozent an Wert verloren, was bereits fast die halbe Strecke zur offiziellen Definition eines Bärenmarktes ist, deren Grenze bei 20 Prozent liegt.

Was zuletzt besonders auffiel, war der relativ starke Anstieg des Pessimismus unter den Investoren. Vor allem die Stimmung unter den Privatanlegern war zuletzt so negativ wie seit 2003 beziehungsweise seit Oktober 2002 nicht mehr, als der drei Jahre andauernde Bärenmarkt aus dem Jahr 2000 seinen Boden fand. Heißt das nun, dass mit über 50 Prozent Pessimisten der US-Markt bereits seine Tiefstände gesehen hat und vor einer ähnlich starken Aufwärtsbewegung wie in 2002 und 2003 steht? Wir glauben nicht.

Wir denken, dass man den aktuellen Pessimismus in seiner Aussagekraft relativieren muss. Denn dieser hat unserer Meinung nach eher taktischen als strategischen Charakter. Denn was man zuletzt messen und fühlen konnte, ist zwar eine durchaus große Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Marktumfragen von Sentix.de zufolge war die Unentschlossenheit unter den Investoren zuletzt rekordverdächtig. Wenn man aber auf 2002 und 2003 zurückschaut, dann war der hohe Pessimismus damals auch durch massive Ausverkäufe untermauert, was entsprechend als Kapitulation zu werten war. In der Korrektur, die vor wenigen Wochen im Mai und Juni stattfand, konnten wir aber nur zwei oder drei Tage mit etwas höheren Volumen feststellen. Von einem echten Ausverkauf kann daher nicht die Rede sein.

Extrem hohe Umsätze konnten lediglich in Futures und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) gemessen werden. Diese Verkäufe wurden allerdings auch durch Hedge-Funds und Banken selbst verursacht, so dass man sich dem Eindruck nicht entziehen kann, dass am Markt momentan sehr viel skeptischer gesprochen als gehandelt wird. Erst wenn die Marktteilnehmer von ihrem Pessimismus wirklich überzeugt sind, kann man davon ausgehen, dass der Markt seinen Ausverkauf gesehen hat und bereit für einen größeren technischen Boden ist.

Als wichtige Unterstützung für diesen potentiellen Ausverkauf sehen wir die Marke von 1220 Zählern im S&P-500 an. Sollten die im Juni erreichten Tiefstände im weiteren Verlauf des dritten Quartals nach unten durchbrochen werden, erwarten wir eine relativ starke, aber zeitlich begrenzte Abwärtsbewegung im Rahmen des Vier-Jahres-Zyklus, für den wir einen wichtigen langfristigen Tiefpunkt jedoch erst im Oktober erwarten. Für die Monate September und Oktober sind wir daher negativ für Aktien gestimmt und würden die weiter zu erwartende Stärke im August zu Verkäufen nutzen.

* Michael Riesner leitet die Technische Analyse der UBS Investment Bank in Zürich.

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