Gaz de France: Viel Geld aus der Gasleitung

Gaz de France
Viel Geld aus der Gasleitung

Gaz de France mutiert zum neuen Börsenliebling. Jedoch haben die politischen Eingriffe der Begeisterung der Anleger für GDF einen deutlichen Dämpfer verpasst. Die Analystenmeinungen gehen daher auseinander.

PARIS. Die Teilprivatisierung des französischen Gasversorgers Gaz de France ist ohne Zweifel eine große Erfolgsgeschichte. Rund drei Millionen Privatanleger griffen im vergangenen Juli zu, als der Staat sich von 20 Prozent des Kapitals trennte. Die französische Regierung zeigte beim Einführungspreis von 23,20 Euro weise Zurückhaltung. Daher konnten sich die neuen GDF-Aktionäre über ein Kursplus von satten 23 Prozent am Tag der Erstnotiz freuen.

Doch kurz darauf torpedierte die französische Regierung selbst ihren Börsenerfolg durch politisch motivierte Eingriffe in die Gaspreise. Vor dem Börsengang wurde den Anlegern versprochen, dass die Preise für Privatkunden alle drei Monate nach einer neutralen Formel angepasst würden. Diese Formel berücksichtigt die Einkaufspreise von GDF, die wiederum vom Ölpreis abhängen.

Doch gleich zweimal verweigerte die Regierung GDF die geforderten Preiserhöhungen – im Januar wurde die Anpassung schlichtweg ausgesetzt. „Es gibt ein Problem mit der Glaubwürdigkeit des Staates als Regulierer“, kritisiert daher Stéphane Chossat, Fondsmanager bei Edmond De Rothschild Asset Management (siehe Interview).

Die politischen Eingriffe haben der Begeisterung der Anleger für GDF einen deutlichen Dämpfer verpasst. Analysten zeigen sich nun gespalten: Von 17 bei Bloomberg erfassten Experten raten sechs zum Kauf, acht zum Halten und drei zum Verkaufen der GDF-Aktien.

Die Pessimisten verweisen darauf, es sei im Zuge des nahenden Präsidentschaftswahlkampfs unwahrscheinlich, dass GDF massive Preiserhöhungen für Privatkunden durchsetzen könne. Die Optimisten meinen dagegen, dass durch den Staatseingriff nur ein Teil des Geschäfts von GDF betroffen sei. Das Geschäft mit Gastransport und -vertrieb, das den Löwenanteil zum Gewinn beisteuere, sei nicht betroffen. Merrill Lynch zum Beispiel verweist in einer Studie darauf, dass angesichts des Kursrückgangs die GDF-Aktie günstig bewertet sei und die Regierung eine Einstiegschance geschaffen habe.

GDF beziffert die Kosten für die aufgeschobenen Preiserhöhungen mit stolzen 750 Mill. Euro für die Zeit zwischen November 2005 bis Anfang April 2006. Dennoch hält der Konzern an seiner Prognose fest, 2005 ein Nettoergebnis von über 1,5 Mrd. Euro vorzulegen (2004: 1,05 Mrd. Euro). Zeitungsmeldungen zufolge stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahr 2005 um 2,4 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro. Sollte der Konzern die aufgeschobenen Preiserhöhungen nachträglich bekommen, könnte das Ebitda 2006 sogar um 15 Prozent steigen.

GDF will die Zahlen nicht kommentieren, betont aber, dass es die entgangenen Einnahmen zurückhaben will. Offen ist aber, ob und wie die Regierung dies zulässt. Bis Ende März soll eine Expertenkommission einen neuen Preismechanismus ausknobeln.

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