Geldanlage
Österreich entdeckt die Versicherer

Ausgelöst durch die lange angekündigte Kapitalerhöhung des Versicherers Wiener Städtische sind die Aktienkurse der Versicherer an der österreichischen Börse kräftig angezogen.

WIEN. Bislang führten die Papiere eher ein Schattendasein, was sich schon daran ablesen lässt, dass die österreichischen Kreditinstitute keine ausschließlich auf Versicherer spezialisierten Analysten beschäftigen. Entsprechend dünn sind auch die Kommentare zum Branchengeschehen in Österreich.

Diese Einstellung wandelt sich allerdings, seit die Versicherer einen rasanten Kursanstieg verzeichnen - allen voran die Nummer zwei im Markt, die Uniqa, deren Papiere in den vergangenen Tagen um 25 Prozent zulegten. Auch die Wiener Städtische konnte ein Plus von 13 Prozent verbuchen. Und der nicht im österreichischen Leitindex ATX notierte Versicherer Generali legte immerhin noch um neun Prozent zu.

Angestoßen wurde der Boom durch die Wiener Städtische, die derzeit ihre Kapitalerhöhung durchführt. In der Praxis gleicht diese allerdings eher einem Börsengang. Die jungen Aktien, deren Kurs am 16. Dezember festgelegt wird, sollen nicht mehr als 54 Euro kosten. Am Dienstag lag der Kurs des Versicherers bei knapp 51 Euro. Die Kapitalerhöhung wird damit rund eine Mrd. Euro bringen, davon würde die Städtische 860 Mill. Euro direkt bekommen, den Rest ihr bisheriger Haupteigentümer, der Städtische Verein auf Gegenseitigkeit, der ebenfalls Aktien aus dem eigenen Besitz verkauft. Die Aktien werden außerhalb Österreichs nur institutionellen Investoren angeboten. Das Geld soll in Zukäufe und organisches Wachstum in Osteuropa gesteckt werden. Schon jetzt erzielen die österreichischen Versicherer mehr als ein Viertel ihrer Prämien im Wachstumsmarkt Osteuropa.

Durchaus ambitionierte Ziele hat die Wiener Städtische beim Ergebnis: Für 2007 wird ein Gewinn vor Steuern von bis zu 320 Mill. Euro erwartet, voraussichtlich 100 Mill. mehr als in diesem Jahr. Ein Drittel des Gewinns soll dann bereits aus den Ländern Zentral- und Osteuropas kommen. Die Dividende soll mindestens 30 Prozent des Jahresüberschusses betragen. Konzernchef Günter Geyer spricht von einer zweifachen Chance in Osteuropa, die sich aus dem steigenden Lebensstandard und aus der zunehmenden Versicherungsdichte ergebe. Allein die Verdoppelung der Prämienleistungen pro Kopf von derzeit rund 150 auf 300 Dollar würde für die Wiener zu einer Prämiensteigerung in mehrfacher Milliarden-Euro-Höhe führen.

Dass der landeseigene Konkurrent Uniqa noch stärker als die Wiener Städtische zulegen konnte, liegt an der günstigeren Bewertung. Der Börsenwert der Wiener Städtischen beträgt rund 4,5 Mrd. Euro, das sind etwa zwei Mrd. mehr als der Wert der Uniqa. Mit Blick auf das Volumen der Prämien beträgt der Unterschied aber nur 200 Mill. Euro, um die der Branchenprimus die Nase vorne hat. Darüber hinaus liegt der Börsenwert der Uniqa mit rund 2,6 Mrd. Euro knapp unter ihrem "Embedded Value", also dem Wert der bestehenden Versicherungsverträge, von 2,8 Mrd. Euro. Die Konkurrenz ist an der Börse bereits deutlich mehr wert als ihr Embedded Value.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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