Geplanter Börsengang
Direct Line kommt Anlegern entgegen

Die Preisspanne für die Aktien des Versicherers liegt am unteren Ende dessen, was Analysten erwartet hatten. Doch der Börsengang der RBS-Tochter wird von einer Untersuchung der Wettbewerbsbehörde überschattet.
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LondonDie britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) macht den Anlegern beim Börsengang ihrer Versicherungs-Tochter Direct Line Zugeständnisse. Die am Freitag veröffentlichte Preisspanne für die Aktien des größten britischen Autoversicherers liegt mit 160 bis 195 Pence am unteren Rand der Erwartungen von Analysten.

In der Mitte der Spanne wäre Direct Line damit mit 2,66 Milliarden Pfund bewertet. Analysten hatten einen Firmenwert von 2,5 bis 3,5 Milliarden Pfund erwartet. 25 bis 33 Prozent an dem Unternehmen sollen im ersten Schritt an die Börse gebracht werden. Es wäre der größten Börsengang in London seit mehr als einem Jahr. Der endgültige Zuteilungspreis soll um den 11. Oktober bekanntgegeben werden.

RBS muss Direct Line auf Druck der EU-Kommission verkaufen, nachdem die britische Bank in der Finanzkrise verstaatlicht und damit gerettet worden war. Bis Ende 2013 müssen mehr als 50 Prozent, bis Ende 2014 der Rest verkauft sein. Begleitet wird der Börsengang von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Direct Line ist auch in Deutschland vertreten und sieht sich hier als Nummer drei unter den Kfz-Direktversicherern.

Überschattet wird der Börsengang allerdings von einer Untersuchung der britischen Wettbewerbsbehörde. Sie will den gesamten Autoversicherungsmarkt unter die Lupe nehmen, nachdem die Verbraucherschutz-Behörde OFT zu hohe Tarife moniert hatte. Die Untersuchung könnte bis zu zwei Jahre dauern.

Die OFT sieht "begründeten Anlass zu der Vermutung, dass es Zustände auf dem Markt gibt, die den Wettbewerb verhindern, einschränken oder verzerren". Dabei gehe es unter anderem um die Art und Weise, wie Versicherer mit Reparaturen und der Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen bei Kunden umgehen, die unverschuldet in einen Unfall verwickelt wurden. Nach vorläufigen Ergebnissen einer Untersuchung der OFT werden diese an teure Werkstätten und Autovermieter verwiesen, was die Rechnung für den Versicherer der Unfallverursacher aufbläht und damit die Prämien insgesamt nach oben treibt. "Der Wettbewerb auf dem Markt für private Kfz-Versicherungen scheint nicht zu funktionieren", sagte OFT-Chef Clive Maxwell.

Bei Direct Line machten private Kfz-Policen in den ersten sechs Monaten 30 Prozent des operativen Gewinns aus. "Das ist genau das, was dem Börsengang noch gefehlt hat", sagte einer der größten 25 Investoren von RBS. "Es gab schon vorher jede Menge Druck auf den Emissionspreis. Schon vor der jüngsten Entwicklung schien es nur am unteren Ende der Spanne zu funktionieren."

In Deutschland steht der Versicherer Talanx vor dem Gang an die Börse. Am Montag endet die Zeichnungsfrist für Aktien im Wert von 500 Millionen Euro. Talanx hatte das Volumen um 200 Millionen Euro reduziert, nachdem der Vorstand mit der Bewertung gehadert und den Börsengang zwischenzeitlich abgesagt hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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