Gerichtsurteil beschert Geldsegen
Telegate steuert ehrgeizige Ziele an

Ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom Juni beschert der Telegate AG einen Batzen Geld: Fast fünf Mill. Euro muss die Deutsche Telekom an das Auskunftsunternehmen zahlen.

HB DÜSSELDORF. Nach Auffassung der Richter hat der Ex-Monopolist im Jahre 1999 zu hohe Gebühren für die Nutzung seiner Kundendatenbank von seinem Konkurrenten verlangt. Telegate hofft nun, die noch laufenden Verfahren um überhöhte Gebühren mit einem Streitwert von knapp 70 Mill. Euro ebenfalls zu gewinnen.

Die Anleger sind sich dessen anscheinend schon sicher. Seit der Urteilsverkündung kletterte die Telegate-Aktie von 14 auf über 17 Euro. Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, teilt den Optimismus: Er schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 80 Prozent, dass der Telefondienstleister auch die übrigen Verfahren für sich entscheiden wird.

Telegate betreibt seit Ende 1996 in Deutschland einen bundesweiten Auskunftsdienst und liegt damit mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent auf Platz zwei hinter der Deutschen Telekom. Problem: Das Geschäft mit der Telefonauskunft ist zwar hochprofitabel, verspricht aber kaum noch Zuwächse. Sorgen bereiten vor allem die kostenlosen Suchdienste im Internet. Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern hat Telegate daher Firmenkunden ins Visier genommen. Als Outsorcing-Partner übernimmt der Dienstleister den Call-Center-Service. Damit konnte Telegate die Einbrüche im Stammgeschäft bislang ausgleichen: Im ersten Halbjahr 2005 lag der Umsatz mit 69,7 Mill. Euro nahezu unverändert auf Vorjahresniveau. Bereinigt um Sondereffekte wie etwa dem Verkauf der US-Tochter verdoppelte sich im gleichen Zeitraum das Nettoergebnis auf 16,5 Mill. Euro aufgrund des besseren Zinsergebnisses.

Liquidität ist ohnehin nicht das Problem von Telegate. Das Unternehmen verfügt über eine Barreserve von 48,8 Mill. Euro – genug Geld, um die Auslandsexpansion zu finanzieren. Ein deutlich höherer Kurs ist nach Ansicht von Rothauge aber nur dann gerechtfertigt, wenn es Telegate gelingt, im Ausland eine ähnlich starke Position im margenträchtigen Auskunftsgeschäft zu erringen wie in Deutschland.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht. In Spanien hat sich das Unternehmen mit der Übernahme des Konkurrenten Conduit Anfang Juni als alternativer Anbieter hinter der Telefonica-Gruppe etabliert. Gleiches erhofft sich Telegate in Italien, wo im August der Markt liberalisiert wird. Dort kooperieren die Münchner mit dem Gelbe-Seiten-Anbieter und Großaktionär Seat (Anteilsbesitz: 78 Prozent).

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