Gesättigter PC-Markt drückt die Margen – Großkunden wie Aldi dürften aber treu bleiben
Analysten sehen die Zukunft von Medion skeptisch

Aldi und Lidl liefern sich eine heftige Preisschlacht bei Computern. Den Preis für ihre am Mittwoch angebotenen PCs senkten sie schon vor dem Verkaufsstart gleich mehrfach. Das ist eine gute Nachricht für die Verbraucher, aber eine schlechte für die Hersteller. Der Aldi-Zulieferer Medion spürt das schon seit geraumer Zeit.

DÜSSELDORF. Die fallenden PC-Preise haben sich in den vorläufigen Geschäftszahlen für 2004 des Elektronikgroßhändlers Medion niedergeschlagen: Das Unternehmen blieb hinter seiner eigenen Gewinnprognose (Ebit) zurück, die zwischen 95 Mill. und 105 Mill. Euro lag. Am kommenden Mittwoch will Medion die endgültigen Zahlen vorlegen. Für Medion-Aktionäre war 2004 kein gutes Jahr: Nachdem der Elektogerätehersteller zwischen 1999 und 2003 den Umsatz verdrei- und den Gewinn vervierfacht hatte, musste er Mitte vergangenen Jahres seine Wachstumsziele drastisch zurückschrauben. Im November dämpfte das Management die Erwartungen dann noch einmal. Die Investoren reagierten: Der Kurs brach von 37 Euro im Mai vergangenen Jahres auf jetzt knapp 14 Euro ein – er verlor gut 63 Prozent.

Gerold Deppisch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), rät zum Verkauf der Medion-Aktie. Das Geschäftsmodell des Unternehmens werfe Probleme auf: „Alle Elektronikgerätehersteller, die ein großes Volumen zum attraktiven Preis verkaufen, haben zurzeit Schwierigkeiten.“ Insbesondere die konjunkturelle Delle im Kernmarkt Deutschland mache Medion zu schaffen. Zudem sei der Markt gesättigt: Die PCs hielten länger, und sie müssten nicht alle zwei bis drei Jahre erneuert werden - „besonders nicht, wenn die Konsumenten auf den Geldbeutel schauen“. In der Summe hätten die Verkaufsaktionen nicht abgenommen, sagt Deppisch. „Aber die verkauften Stückzahlen sind gesunken.“ Allerdings hält der LBBW-Analyst zumindest für die nähere Zukunft die immer wieder aufflammenden Gerüchte für unbegründet, wichtige Großkunden wie Aldi könnten abspringen.

Auch Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht kein erhöhtes Risiko: Die Kontakte zu den Großabnehmern seien gefestigt. Dennoch hat er die Medion-Aktie nach der Vorstellung der vorläufigen Zahlen auf „unterdurchschnittlich“ heruntergestuft. Nach der Analyse der Umsatzzahlen hat er festgestellt, dass sich „das restriktive Orderverhalten der Medion-Kunden von Deutschland auf Europa ausgeweitet hat“. Dadurch habe Europa deutlich an Dynamik verloren; im vierten Quartal musste Medion hier sogar einen Umsatzrückgang von zehn Prozent verkraften: „Da ging ein weiterer Wachstumsmotor verloren.“ Und auch das US-Geschäft bringe keine Phantasie in die Aktie, der Aufbau verlaufe deutlich langsamer als erhofft.

Einer der wenigen, die das Papier weiterhin empfehlen, ist Oliver Drebing von SES Research. „Medion bietet innovative Produkte, und sein guter Ruf bei den Verbrauchern ist nicht erschüttert.“ Wenn sich die Konsumentenstimmung in Europa aufhelle, würden sie bei den Medion-Produkten wieder zugreifen. „Zwar werden die Margen nicht wieder auf das Niveau aus dem Jahr 2003 zurückkehren“, erwartet der Analyst. Er rechnet aber für das laufende und für das nächste Jahr damit, dass sich die Margen gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern werden. Aufgrund dieser Prognose hält er die Medion-Aktie für unterbewertet

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