Gestiegenes Anlegerinteresse
R. Stahl-Aktie steigt mit dem Ölpreis

Der verheerende Wirbelsturm „Katrina“ und der daraus resultierende Engpass an den internationalen Ölmärkten haben der Aktie des schwäbischen Spezialtechnik-Herstellers R. Stahl in den letzten Tagen einen gewaltigen Aufschwung beschert.

FRANKFURT/M. Um rund 20 Prozent hat ihr Kurs in den ersten Septembertagen angezogen, ehe zuletzt Anleger Kasse machten. Der Grund: R. Stahl stellt elektronische Geräte in explosionsgeschützter Ausführung her. Die werden gerade auf Ölplattformen und in Raffinerien benötigt, da dort die Funkenbildung, zu der es beim Einsatz gewöhnlicher Geräte kommt, katastrophale Folgen haben kann.

Alle drei Analysten, die den Wert laut Informationsdienst Bloomberg beobachten, empfehlen die Aktien trotz der stattlichen Kurszuwächse weiter zum Kauf. „Katrina war sicherlich der kurzfristige Auslöser für die aktuelle Kursentwicklung“, heißt es beim Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt. Sebastian Satz und Burkhard Weiss, die beide dort die Aktie analysieren, erachten es für wesentlich wichtiger, dass die großen Ölfirmen aufgrund des hohen Ölpreises in nächster Zeit deutlich stärker in Ausbau und Neubau ihrer Anlagen investieren dürften als bisher. Schließlich lag der Treibstoffengpass der letzten Wochen nicht daran, dass zu wenig Öl am Markt vorhanden ist, sondern dass es zu wenig Aufbereitungsanlagen gibt und die zudem als veraltet gelten.

Doch der hohe Ölpreis bedeutet für das knapp 130 Jahre alte Traditionsunternehmen R. Stahl – R. steht für Firmengründer Rafael – nicht nur Vorteile. Rund 35 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich erzielt das Unternehmen mit Kunden aus der Chemie-Branche, die nun deutlich mehr in das Vorprodukt Öl investieren müssen. Das könnte sich nach Einschätzung der beiden Trinkaus-Analysten in Zukunft zumindest nicht förderlich auswirken.

Vorstandschef Martin Schomaker, der die Umstrukturierung des Unternehmens in den letzten drei Jahren vorangetrieben hat, will deshalb in Zukunft das Kundenspektrum weiter ausbauen. Zwei Trends spielen dabei eine wesentliche Rolle: Zum einen investieren die Raffinerien inzwischen in Anlagen, die das Gas, das als Abfallprodukt der Ölaufbereitung früher abgefackelt wurde, nun auffangen und weiterverarbeiten. Zum anderen setzt der Vorstandschef auf den Schiffsbau. Für den Gastransport sind derzeit etliche hochmoderne Gaskuppeltanker in Bau. Ihr Einsatz ist ab einer Entfernung von 1 800 Meilen zwischen Produktionsstätte und Abnehmer günstiger als der Bau einer Pipeline.

Weiterer Grund für das immens gestiegene Anlegerinteresse ist, dass R. Stahl im zweiten Geschäftsfeld, der Fördertechnik, gerade den Strategiewechsel erfolgreich vollzogen hat. Bei Hebezügen, Winden und Kränen, die noch bis ins letzte Jahr defizitär waren, setzt das Unternehmen nun auf margenstarke Spezialprodukte statt auf das Massengeschäft. Damit erzielt R. Stahl seit Juni Gewinne.

Überraschend war dabei für Analysten, dass der Wegfall von Umsätzen auf der einen Seite durch deutlich mehr Neuabschlüsse auf der anderen Seite mehr als wett gemacht werden konnte. „Das wird im Endeffekt mit dazu führen, dass das Ergebnis, das ursprünglich erst für 2006 erwartet wurde, schon auf dieses Jahr vorgezogen werden kann“, sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.

Bleibt für Aktionäre die Frage, ob ein Einstieg in die Aktie noch lohnt, respektive, ob Aktionäre daran denken, sollten Gewinne mitzunehmen. „Der Optimismus für 2006 bleibt, ich würde deshalb sicher nicht verkaufen“, sagt Schlienkamp, auch wenn sein Kursziel von 24 Euro inzwischen bereits überschritten wurde. Zumal Vorstandschef Schomaker gerade erst angekündigt hat, man sei mit der Neuausrichtung erst auf halbem Wege. Auch Harald Rehmet von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat Ende letzter Woche gerade erst seine Kaufempfehlung noch einmal bestätigt.

Ein Grund dafür ist auch die hohe Dividendenrendite. Für das vergangene Jahr schüttete R. Stahl 0,40 Euro je Aktie aus. Auch für 2005 soll die Hälfte des Jahresüberschusses an die Aktionäre verteilt werden.

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